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    BAD KISSINGEN

    Ludwigs Liebe zu Rhöner Bädern

    Es sollte ein beschaulicher Sommer mit der Geliebten werden – und kostete den bayerischen Thron. Als Ludwig Karl August von Wittelsbach 1818 das erste Mal nach Bad Brückenau kam, ahnte er noch nicht, welche Bedeutung dieser Ort für sein Leben haben würde. Die Liebe zu „seinem Brückenau“ begleitete sein Leben und Wirken, und bescherte Bad Brückenau (Lkr. Bad Kissingen) die glanzvollste Epoche seiner Geschichte.

    1816 fiel Brückenau – wirtschaftlich und baulich heruntergekommen – an Bayern. Im selben Jahr zog der Kronprinz mit seiner Ehefrau Therese und vier seiner späteren neun Kinder erst nach Aschaffenburg und später nach Würzburg. Erst 1825, als Ludwig die Nachfolge seines Vaters Maximilian I. Joseph antrat, siedelte die Familie nach München um.

    1818 kam der damalige Kronprinz zum ersten Mal ins Bad, wo sich der infolge mehrerer Geburten geschwächte Gesundheitszustand seiner Ehefrau Therese, einer geborenen Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen, bald besserte. Der Romantiker war begeistert von der klassischen Anlage in der umberührten Natur des Sinntals und der Ruhe, ganz das Gegenteil zur turbulenten Münchner Residenz. Insgesamt 26 Mal – meist von Juli bis September – weilte der Kronprinz Ludwig und spätere König Ludwig I. mit seinem Hofstaat in Brückenau. Dann wurde das Königreich vom „Königsbad“ aus regiert.

    Ludwig wollte der sein, der Neues schafft, ohne das Alte zu zerstören und verstand sich als „Creator und Conservator“. Der kunstbeflissene Monarch vollendete die im Ursprung barocke Anlage, baute zahlreiche Gebäude, die noch heute das Gesicht des Staatsbades prägen, ließ die Quellen neu fassen und war aus heutiger Sicht ein früher Ökologe. Für den Schutz des Sinntals setzte er sich besonders ein. Ihm ist es zu verdanken, dass die unberührte Natur noch heute weitgehend erhalten ist. Einzelne Bäume stellte er ebenso wie ganze Wälder unter besonderen Schutz. Erweiterungen des Bades waren nur noch unter der Bedingung möglich, dass die alten Eichen erhalten blieben.

    Für schöne Frauen und klassische Bauten war dem Wittelsbacher nichts zu teuer. Ansonsten galt er als Geizkragen, berichten die Historiker. Sein Leben lang trug er denselben Hausrock und seine Gedichte notierte er zunächst auf Briefumschlägen und Aktenfaszikel um sie später nicht auf Bütten, sondern billiges Papier zu übertragen. Eingegangen ist er in die Geschichte Bad Brückenaus und Bad Kissingens als großer Bauherr, der das Gesicht der beiden Städte erheblich prägte.

    Noch heute trägt das Staatsbad in Bad Brückenau deutlich die Handschrift des Bayernkönigs. Zahlreiche Gebäude sind in seiner Herrschaft entstanden. Schon zu Zeiten der Fürstbischöfe geplant, findet 1819 die südliche Hauptachse mit dem Bau des Bellevues seinen Abschluss. 1821 wird der Fürstenhof erweitert, und 1823 entsteht nach den Plänen von Hofarchitekt Leo von Klenze das Badhotel, dessen klassizistischer Bau sich harmonisch in die barocke Anlage einfügt.

    Ab 1827 entsteht nach einem Entwurf von Johann Gottfried Gutensohn das bedeutendste Bauwerk der Ludwigszeit: der Kursaal. Im Juli 1833 wird das Gebäude in Anwesenheit des gesamten bayerischen Hofes eingeweiht. Mit dem Kursaal geht die Bautätigkeit Ludwigs zu Ende. Vor diesem markanten Gebäude steht seit 1897 die Statue Ludwigs, geschaffen von Ferdinand von Miller, die die schöpferische Tätigkeit des Monarchen als Bauherr in den Mittelpunkt stellte. Miller hielt Ludwig mit Lorbeerkranz und Bauplan als Herrscher und Kreator fest.

    Was sein Vater Max I. Joseph in Kissingen begonnen hat, führte der Sohn fort. Ludwig I. baute Kissingen zum mondänen Weltbad aus. Unter seinem Lieblingsarchitekten Friedrich von Gärtner entstand das Kurviertel, und er ließ die Stadt schmücken: den von 1834 bis 1838 errichteten Arkadenbau und den königlichen Conversationssaal (heute: Kleiner Kursaal), das Krugmagazin und einen Brunnenpavillon aus Gusseisen, der später einer geschlossenen Wandel- und Brunnenhalle weichen musste. Auch die nach ihm benannte Saalebrücke geht auf Ludwig I. zurück. Die erste Soleleitung von der Saline zum „königlichen Kurhaus“ war seiner Fürsorge zu verdanken. Die Pläne, entlang der eingelegten Stadtmauer einen Pracht-Boulevard anzulegen, konnten nicht mehr verwirklicht werden. Immerhin trägt aber die später gebaute Ludwigstraße den Namen des Königs. Königin Therese nahm sich der alt und müde gewordenen Dienstboten an und stiftete das Theresienkrankenhaus, heute ein Seniorenheim.

    Zum Leben Ludwigs gehörten auch die Mätressen, zu denen er sich in aller Öffentlichkeit bekannte. Sein Biograf Heinz Gollwitzer spricht von einem „äußerst aktiven erotischen Temperament“, das der König gehabt haben soll. Und eben dieser Charakterzug kostete ihn schließlich den Thron. Seit 1846 war die gebürtige irische Tänzerin Lola Montez – die der König 1847 zur Gräfin Marie von Landsfeld erhob – die Geliebte Ludwigs. Den Sommer im gleichen Jahr verbrachte der alternde Monarch – er war 60 Jahre alt – mit seiner 25-jährigen Geliebten in Bad Brückenau. Die Beziehung zu Montez geriet zur Staatskrise, die Geliebte wurde außer Landes verwiesen, und der König dankte am 20. März 1848 schließlich ab.

    Nach Bad Brückenau und Bad Kissingen kam Ludwig nicht mehr. Er und seine Frau Therese verbrachten die meiste Zeit in der Villa Ludwigshöhe in Edenkoben am Pfälzer Wald. Ludwig lebte noch 20 Jahre als Privatmann, förderte aus Privatmitteln die Künste und starb im Alter von 81 Jahren in Nizza.

    Bauten Ludwigs I. in Franken

    Neben zahlreichen Bauten in München, der Befreiungshalle in Kehlheim oder der Walhalla bei Donaustauf gibt es weitere Bauwerke, die auf Ludwig I. zurückgehen:

    Das Pompejanum in Aschaffenburg ließ der Bayernkönig von 1840 bis 1848 erbauen. Es ist der Nachbau des Hauses des Castor und Pollux in Pompeji und sollte als Anschauungsobjekt dienen, Kunstliebhabern in Deutschland das Studium der antiken Kultur zu ermöglichen.

    Die Mainbrücke in Marktheidenfeld geht auf die Initiative Ludwigs zurück, die 1846 eingeweiht wurde. Am westlichen Brückenkopf wurde 1896 ein Denkmal enthüllt, das den König als Erbauer der Brücke zeigt.

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