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    ASTHEIM

    Kartäuserklosters Astheim: Wo Raum und Zeit ineinander fließen

     

    1409 als Kloster Marienbrück gestiftet, wurde die Anlage 1415 in den Kartäuserorden eingegliedert. Die Kartäuser sind ein katholischer, vom Heiligen Bruno von Köln gegründeter Orden, der die eremitische mit der monastischen Lebensweise verbindet. Astheim war kein großes Kloster. Einst lebten nur bis zu 16 Mönche und ein paar Novizen hier in Einsamkeit und Schweigen. Bauernaufstand, Dreißigjähriger Krieg und die Schweden machten nacheinander den Mönchen immer wieder das Leben schwer und dem Kloster zu schaffen. Zeitweise gab es nur vier bewohnbare Zellen, der Nachwuchs blieb aus. Bevor es 1803 aufgegeben und viele der Klostergebäude abgerissen wurden, erlebte das Kloster viele Jahrzehnte lang eine Blütezeit. Unter den Prioren Johannes Haupt und Ludwig Hager entstand die Johanniskapelle, der nördliche Kreuzgang, die Mainmühle und Pferdestallungen. 1609 weihte Fürstbischof Julius Echter die Kirche.

    Von den asketischen Behausungen der Mönche ist heute nichts mehr zu sehen. Auf dem weitläufigen Platz vor dem Kloster stehen in stolzer Schlichtheit Kirche, Prokuratur und der verbindende Zwischentrakt mit der Johanniskapelle. In diesen schön restaurierten Gebäuden hat die Diözese seit 1999 ein Museum untergebracht, das in seiner Harmonie von Gebäude und Kunst viel Spiritualität ausstrahlt, Raum und Zeit ineinander fließen lässt. Der Besucher spürt beim Betrachten der über 600 Ausstellungsgegenstände aus dem 14. bis 19. Jahrhundert die Demut der Altvorderen, die uns ihre Zeugnisse des Glaubens hinterlassen haben. Der Grundbestand der Exponate stammt aus zwei Sammlungen von Priestern der Diözese. Es ist vor allem Gebrauchsbildgut des Katholizismus und erzählt viel über Volksfrömmigkeit, Aberglauben und kleine Tricks, um sich selbst und den lieben Gott bei Laune zu halten.

     

    Silberne Zungen

    Da gibt es beispielsweise Heilige auf verspiegelten Hinterglasbildern. Mit ihrer Hilfe konnten auch Nonnen, denen es nicht erlaubt war, in den Spiegel zu sehen, einen verstohlenen Blick auf ihr eigenes Antlitz erhaschen. Oder die Nepomukszungen, aus Silberblech gestanzte Gebilde, die gegen üble Nachrede und Verleumdung schützen sollten.

    Hier finden sich berührende Christusfiguren und Bilder des Heilands als guter Hirte, als Leidender, als Sieger und Herrscher. Auch die Herz-Jesu-Verehrung des 18. Jahrhunderts wird anschaulich, Krippen und Kreuzweg erzählen von Anfang und Ende. In der Kirche überwältigt das reich geschnitzte Chorgestühl eines unbekannten Künstlers. Es wurde 1606 begonnen und gut 100 Jahre später, als die gesamte Kirche barockisiert wurde, mit einem kunstvollen Aufsatz ergänzt. Über dem Lettner, der Chor- und Kirchenraum trennt, schwebt der Heilige Bruno, Begründer des Kartäuserordens.

    Das einzig erhaltene Heilige Grab aus der Barockzeit im fränkischen Raum füllt den Kirchenraum hinter dem Lettner. Wo einst das weltliche Volk gebetet hat, quillt eine Kulisse aus rötlichen und graublauen Wolken über von Engelsköpfen und fokussiert den Blick auf die Monstranz, die über dem toten Körper Jesu aufgebaut ist. Der Kirchenmaler Johann Peter Herrlein hatte es einst für seine Heimatgemeinde Kleinbardorf geschaffen.



    Kartause Astheim

    Gegenüber von Volkach steht der Bau des ehemaligen Kartäuserklosters Astheim. Die Diözese Würzburg hat dort das Museum eingerichtet, in dem über 600 Kunstwerke von der Geschichte der christlichen Bildverehrung und des religiösen Bildgebrauchs zeugen. Das Museum ist vom 1. Mai bis 31. Oktober Freitag bis Sonntag und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Jeden Freitag um 14.30 Uhr gibt es eine öffentliche Führung für Einzelgäste. Astheim ist über die A 3 Ausfahrt Kitzingen/Schwarzach oder die A 7 Ausfahrt Würzburg/Estenfeld zu erreichen.

    Von unserem Redaktionsmitglied Ursula Düring

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