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    Frankfurt

    Wo Kaiser und Könige gekrönt wurden - Geschichte des Frankfurter Kaiserdoms

     

    Ein Stück Knochen des heiligen Bartholomäus, die Hirnschale, ist seit dem 13. Jahrhundert als Reliquie im Kaiserdom in Frankfurt aufbewahrt. Die Legende schreibt dem Jünger Jesu ein bewegtes Leben bis zum Märtyrertod zu. 27 Szenen aus diesem Leben zeigt der Bartholomäusfries über dem Chorgestühl. Diese Wandmalereien sind nur eines der vielen Kunstwerke in dem bedeutenden Gotteshaus, das dem Heiligen geweiht ist. Es ist auch als Krönungskirche der deutschen Könige und römischen Kaiser in die Geschichte eingegangen.

    Begonnen hat diese Geschichte bereits im 7. Jahrhundert mit einer kleinen merowingischen Kapelle. Das beweist das Grab eines adeligen Mädchens, das hinter dem Westeingang im Dom mit einer Sandsteinplatte markiert ist. Ungefähr 100 Jahre später hielt Karl der Große in Frankfurt eine Kirchenversammlung ab und wollte dabei den Römern stolz eine Kirche vorführen. Dazu wurde das Gotteshaus erweitert. Über 1000 Jahre alte rot-schwarz-graue Steine und Freskenreste sowie eine Markierung erzählen davon.

    Prächtige Grabplatte

    Im 14. Jahrhundert kam Karl IV. Der Böhme, bedeutendster Kaiser des Spätmittelalters und einer der wichtigsten europäischen Herrscher, ein Jugendfreund und Liebling von Papst Clemens und Verfasser der Goldenen Bulle, entwarf dieses „Grundgesetz“ des deutschen Reiches, das bis zu seinem Ende 1806 gültig war. Seinen Widersacher, den Gegenkönig Günther XXI. von Schwarzburg, ließ Karl im Dom mit allen Ehren und unter einer prächtigen Grabplatte beerdigen. Er war es, der das Wahlverfahren des römisch-deutschen Königs festschrieb. Das ging so vor sich: Nach einer achtstündigen Messfeier zogen sich die sieben Kurfürsten, deren Wappen an einer Domwand zu sehen sind, zur Meditation ins Konklave in die Wahlkapelle zurück.

     

    Dort gab es eine festgelegte Sitzordnung: Die geistlichen Fürsten sahen dabei nach dem Fenster, die weltlichen auf ein nicht mehr vorhandenes Jüngstes Gericht an der Nordwand. Heute ist die kleine Kapelle ein stiller Gebetsraum mit einem Passionsaltar aus dem 15. Jahrhundert und Glasfenstern von 1993. War Kaiser beziehungsweise König gewählt und gekrönt, hatte er den Eid abgelegt und den Ritterschlag erhalten, zog er über eine mit Samt und Seide umwickelte Holzbrücke, die von den Souvenirjägern aus der Bevölkerung gestürmt und damit zerlegt wurde, durch das Westtor zum Römer. In Frankfurt gab es von 1562 bis 1792 Krönungen.

    Im 19. Jahrhundert, nach dem großen Dombrand von 1867 wurde der Dom nach mittelalterlichen Plänen neugotisch modernisiert. Er war nun höher, breiter und hatte mehr Licht. In diesem Licht kann man die Schätze des Gotteshauses bestaunen, die Alabaster-Grabfigur des Wormser Fürstbischofs Johann Karl von Franckenstein, das Gemälde der „Beweinung Christi“ von Anton van Dyck oder die Maria-Schlaf-Kapelle von 1434 mit dem steinernen Altar und Original-Glasfenstern, deren Wände mit einer „Design-Tapete“ geschmückt sind.

     

    Der Maria-Schlaf-Altar zeigt unter einem reich gestalteten Baldachin den Tod Marias im Kreise der trauernden Apostel. Der Altar, eine Stiftung des Patriziers Ullrich von Werstatt und seiner Frau Gutge Schelmin, ist das vielleicht ausdrucksstärkste bildkünstlerische Werk im Dom, das älteste Beispiel des „Weichen“ oder „Knitterfaltenstils“ am Mittelrhein. Als Schöpfer des Altars gilt ein unbekannter Meister aus Frankfurt.

    Nicht unerwähnt bleiben darf der Annenaltar aus der Sammlung Münzenberger, der Kunstwerke aus allen Richtungen aufgekauft und zu neuen zusammensetzen hat lassen.

    Frankfurter Dom

    Der Kaiserdom ist täglich von 9 bis 12 Uhr und von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet. Seit 1987 gibt es ein Dommuseum. Es ist Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 und Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Montags ist es geschlossen. Im Dom finden regelmäßig Orgel- und Chorkonzerte statt, die von internationalen Musikern gestaltet werden.

     

    Von unserem Redaktionsmitglied Ursula Düring

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