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    Köln

    2020 wohnt man nachhaltiger und komfortabler

    2020 wohnt man nachhaltiger und komfortabler
    Natürlich und smart: Viele Möbelproduzenten setzen auf Holz und binden darin neueste Technologien ein. Der neue Sekretär filigno von Team 7 verfügt über Steckdosen und USB-Anschlüsse, außerdem optional eine steckerlose Qi-Ladestation für Mobiltelefone. Foto: Team 7/dpa-tmn

    Nachhaltigkeit, da war doch was! Was manche den Greta-Effekt nennen, hat auch Auswirkungen auf die Einrichtungsbranche. Die hat endlich eine Chance, etwas an den Mann zu bringen, was sie seit Jahren massiv vorantreibt: nachhaltiger und umweltbewusster produzierte Möbel. Im Rampenlicht stehen diese auch auf der internationalen Möbelmesse IMM Cologne (13.-19. Januar).

    Viele Hersteller, gerade die europäischen und deutschen, haben längst Möbel aus Hölzern im Programm, die aus nachhaltiger Bewirtschaftung und Produktion stammen. Und doch zählte das bislang kaum für Kunden: Nachhaltigkeit war bislang kein Kaufargument. Und wenn, dann nur zusätzlich zu anderen Kriterien.

    Nachhaltigkeit ist auch eine Frage des Budgets

    Meist kommen nachhaltige Produkte nur für finanzstärkere Käufergruppen infrage. Und so gilt, was auch die Ernährungsbranche plagt: Bio, umweltbewusst und nachhaltig muss man sich leisten können.

    Doch das ändert sich nun verstärkt. Denn es gibt Bewegungen wie Fridays for Future, und laut Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) ein echtes Interesse einer großen Zahl von Verbrauchern. Ihnen ist wichtig, dass ihr nächstes Möbelstück aus nachhaltiger Produktion stammt.

    „Die Menschen sind sich bewusst, dass nicht nur Regierungen und NGOs etwas tun müssen, sondern auch sie selbst im Privaten”, so die Möbelexpertin. „Meine These lautet daher: Wir werden eine Phase erleben, in der Nachhaltigkeit privatisiert wird.”

    Für die Möbelbranche sei das aber kein Problem: Viele Firmen haben längst diesen Weg eingeschlagen, so Geismann. Nur beworben werden die Produkte bislang kaum oder gar nicht entsprechend - das wird sich den Experten zufolge auf der IMM nun radikal verändern.

    Sichtbares Holz kommt zurück

    Geismann hat sich vor der wichtigsten deutschen Möbel-Schau umgehört, was die VDM-Mitgliedsunternehmen in Köln zeigen wollen. Ihr Ergebnis: „Holz erlebt eine Renaissance.”

    Holz? Moment! Waren Möbel aus Holz nicht immer ein Thema? Ja, klar - und kaum etwas mögen die Deutschen mehr als etwa ihre gute alte Eiche, die inzwischen längst nicht mehr den piefigen dunklen Look hat. Diese Holzart erlebte zuletzt einen Hype, der so weit ging, dass von Lieferengpässen die Rede war. Aber auch viele andere Hölzer sind gefragt.

    Geismann erwartet eine Steigerung für 2020: „In den Holz-Trend wird noch etwas Schärfe kommen.” Und die Trendanalystin Gabriela Kaiser sagt: „Der Trend zu Holz wird 2020 erst richtig ankommen.” So werden auch Möbel, an denen bislang nur Kleinteile sowie das Innenleben aus Holz waren, zunehmend sichtbare Holz-Elemente tragen. Ein Beispiel: Sofas mit einer hölzernen Rückwand. Und: „Armlehnen aus Holz sind ganz neu im Kommen”, so Kaiser.

    Anleihen aus Skandinavien und Japan

    Auch die Formsprache der Möbel und die Farben der gesamten Einrichtung werden symbolisch für Nachhaltigkeit stehen, erwartet IMM-Sprecher Markus Majerus. „Wir werden viel sanftes Beige und helles Braun sehen. Auch Blau ist ein Riesenthema”, zählt der Trendexperte auf. „Ich erwarte auch einen klaren Trend zum Minimalismus, wir werden weniger üppige Möbel sehen.”

    Für diesen Stil steht in der Möbelwelt insbesondere Skandinavien, wo man sich traditionell mit viel Holz in klarer, aber dafür umso eleganterer Formsprache einrichtet. Ein weiteres Land dient laut Majerus den Designern neuerdings als Inspirationsquelle: Japan.

    Nicht nur, dass dort eine junge Designer-Generation die alten Handwerkskünste wiederbelebt und in die Welt bringt. „Unsere Designer sind Weltbürger, sie reisen viel und nehmen ihre Eindrücke in ihre Entwürfe auf”, sagt Majerus.

    „Ich erwarte aber nicht, dass japanisches Design wiedererkennbar auf unseren Markt kommt”, ergänzt der Messesprecher. „Die Designer bedienen sich nur der puristischen und minimalistischen Formsprache - kombiniert mit der Wärme, die skandinavisches Design ausstrahlt.”

    Aus altersgerechten Möbel wird Komfort-Wohnen

    Mehr denn je beschäftigen die Möbeldesigner auch andere gesellschaftliche Themen, die bloß noch nicht en vogue waren: altersgerechte Möbel wie verstellbare Sessel oder Betten mit höherem Einstieg.

    Dass die Bevölkerung im Schnitt immer älter wird und Ältere ein komfortableres Leben mit altersgerechten Möbeln führen können, ist wahrlich kein neues Thema. Aber es gab eine Hürde in der Branche: das Image, ein Unternehmen zu sein, das Möbel für Senioren herstellt. Genauer gesagt: Für Senioren zu bauen, galt als unsexy. Ein Designer, der sich darauf spezialisiert, konnte, so die Annahme, gar kein lifestyliges Image haben.

    Und so sah man bei einer Möbelmesse wie der IMM bislang kaum altersgerechte Möbel. „Das dreht sich nun langsam”, berichtet Geismann. Nicht nur, dass Anbieter bewusster die Bedürfnisse der älteren Generation bedenken, sondern auch, dass Firmen altersgerechte Möbel hübscher gestalten - Geismann spricht von einer filigranen und eleganteren Formsprache. „Man hat endlich erkannt, dass der Geschmack sich mit 70 nicht plötzlich ändert.”

    Die neuen schöneren Senioren-Möbel laufen nun auch unter einem neuen, attraktiveren Begriff: Komfort-Wohnen. „Das ist sicher etwas, was generationsübergreifend interessant ist”, sagt Geismann. Denn wer schätzt nicht einen Sessel oder ein Sofa-Element, das man mit Knopfdruck in eine bequeme Liegeposition bringen kann?

    Von Simone Andrea Mayer, dpa