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    Altlußheim

    Feigen als neue Gartenbäume?

    Feigen gehören zu den Köstlichkeiten aus dem Mittelmeerraum. In Deutschland waren sie lange Zeit nur dort anzutreffen, wo warmes Klima vorherrscht - vor allem in Weinbauregionen wie der Pfalz und Südbaden.

    Doch immer öfter entdeckt man die Bäume auch in von der Sonne weniger bevorzugten Regionen des Landes. Eine Auswirkung des Klimawandels. Gleichzeitig gelangen neuerdings Sorten auf den Markt, deren Winterhärte so gut ist, dass sie auch an kalten Standorten gut gedeihen. Eine der bekanntesten ist die sogenannte Bayernfeige 'Violetta'.

    Aber auch die Globalisierung und eine immer gesundheitsbewusstere Ernährung haben die Feige beliebter gemacht, erklärt der Buchautor und Feigen-Spezialist Christoph Seiler aus Altlußheim (Baden-Württemberg). Feigen sind vor allem aufgrund ihres hohen Anteils an Ballaststoffen sowie des Mineralstoffgehalts und des Gehalts an Vitamin B1 für die Ernährung wertvoll.

    Wer einen Feigenbaum aufmerksam beobachtet, wird entdecken, dass man eigentlich nie Blüten daran sieht. Denn der Blütenstand ist hohl, wie Michael Schwerdtfeger erläutert. Er ist Gartenkustos des Alten Botanischen Gartens der Georg-August-Universität Göttingen. „Man muss sich den Blütenstand wie die krugförmig geschlossene Mittelscheibe einer Sonnenblume vorstellen.” Die im Innern liegenden Einzelblüten sind jeweils gerade einmal einen Millimeter groß.

    „Wenn man reife Feigen isst, dann hängt an der Unterseite immer ein kleines Tröpfchen”, beschreibt der Gartenkustos weiter. Das sei die Öffnung, durch die Bestäuber in die Blüte gelangen. Es schaffen auch nur die auf diese Frucht spezialisierten Gallwespen, die ins Innere klettert, um Pollen zu übertragen und ihre Eier in den Blüten abzulegen.

    Es folgt eine Symbiose der Frucht und Larve beziehungsweise einer neuen Generation von Gallwespen. „Es hat übrigens jede Art von Ficus eine eigene spezialisierte Art von Gallwespe”, ergänzt Schwerdtfeger. Und genau das ist ein Problem: Die Feigengallwespe kommt nicht in Europa vor. Aber: Es gibt Mutationen, die Früchte ohne Bestäubung bilden. Darauf sollten Hobbygärtner im Handel achten, denn es werden dort auch einige Wildarten beispielsweise aus Afghanistan, Pakistan, Iran, Irak und aus Indien angeboten.

    Sicherlich ist der Geschmack ein wichtiger Faktor. Aber das Platzangebot - ausreichend großer Abstand zu Nachbargehölzen - und auch weiterhin das Klima am Standort sollten bei den Überlegungen ebenfalls berücksichtigt werden. Zu letzterem gehören laut Experte Seiler Faktoren wie eine maximale Sonnenausbeute im Sommer und eine minimale Kälteeinwirkung im Winter.

    Da Feigen zu den eher frostempfindlichen Gehölzen zählen, ist die Pflanzung im Frühjahr sicherer. Außerdem sollte man in den ersten Jahren die Pflanze im Winter schützen. Buchautor Seiler empfiehlt Schilfrohrmatten oder Vlies. „Keinesfalls darf der Feigenbaum jedoch mit undurchlässigen Materialien wie Luftpolsterfolie oder Abdeckplanen verpackt werden.”

    Was den Boden angeht, sind Feigenbäume relativ anspruchslos. Seiler empfiehlt aber, darauf zu achten, dass überschüssige Feuchtigkeit zu jeder Jahreszeit gut abfließen kann. Eine gute Drainage mit Kies und Sand im Pflanzloch ist daher bei lehmigen Böden unbedingt erforderlich.

    Dünger kann sich positiv auf die Entwicklung und Ernte auswirken. Allerdings sollte man mit dem Ende des Monats Juli die Nährstoffgaben beenden, weil anderenfalls die Neutriebe nicht verholzen und frostanfällig werden.

    Seiler weist außerdem darauf hin, dass es auf die Zusammensetzung des Düngers ankommt. „Unnatürlich große Blätter, wenig Fruchtansatz und viel zu schnell wachsende, kaum verholzende Zweige sind ein Indiz für eine falsche Düngung, etwa mit reinen Hornspänen oder einem handelsüblichen Universaldünger”, erklärt der Feigenspezialist. Er rät zu einem Produkt mit wenig Stickstoff, dafür aber viel Phosphor, sehr viel Kalium und einigen Spurenelementen - etwa wie bei einem Beerendünger.

    Literatur

    Christoph Seiler, Feigen aus dem eigenen Garten, Verlag Eugen Ulmer, 2016. 128 S., 14,90 Euro, ISBN: 978-3-8001-0809-1.

    Von Dorothée Waechter, dpa

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