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    WÜRZBURG

    Manu Dibango: Der Löwe von Afrika im Tigerhemd

    Der Mann mit der Sonnenbrille: Manu Dibango beim 20. Africa Festival. Foto: FOTOS CHRISTOPH WEISS

    Beide kennen sich schon viele Jahre. Der 1958 in Zaire (heute Demokratische Republik Kongo) geborene Sänger, Komponist und Gitarrist Pascal Lokua Kanza gehörte einst in Paris zur Soul Makossa Gang des aus Kamerun stammenden Manu Dibango. In Würzburg standen sie aber nicht gemeinsam auf der Bühne, sondern mit zweistündigem Abstand.

    Lokua Kanza eröffnete den ersten Konzertabend des 20. Africa Festivals mit seinem perlenden Gitarrenspiel, seinen eingängigen, sanften Balladen und seiner atemberaubenden Stimme. Er umgarnte sein Publikum samtweich, betörte es hin und wieder mit hohen, flirrend hellen Tönen, dann mit raumfüllender Kraft. Er ist ein Magier des Gesangs. Unterstützt wurde er von seinem „Philharmonischen Orchester“: drei Musiker und seine Tochter Malaika.

    Verstärkung aus der Familie

    Ängstlich seien beide gewesen, gestand Lokua Kanza nach dem Konzert mit Verstärkung aus der eigenen Familie. Es sei ihr erster Auftritt vor so großem Publikum gewesen. Der Stolz leuchtete aus seinen Augen. Dabei habe er den Wunsch der Tochter, in seine Fußstapfen zu treten, zunächst mit einem erschrockenen „Non“ zu verhindern versucht. Warum nur? Lediglich eine gewisse Scheu im Umgang mit dem Publikum ließ ahnen, dass es eine Premiere für die Sängerin war.

    Begegnungen: Manu Dibango mit Klaus Doldinger.


    Lokua Kanza erinnerte mit einigen Liedern an seine Anfänge, in erster Linie präsentierte er einen Querschnitt aus seinen Alben der vergangenen 15 Jahre. Kostproben gab es auch aus seinem jüngsten Werk, „Plus Vivant“, in dem sich der charismatische Sänger ganz französisch gibt. Es sind Chansons mit leichtem afrikanischen Flair. Mit „Good Bye“ aus dem 2002 erschienenen Album „Toyebi Te“ verabschiedete sich Lokua Kanza von seinem Publikum und dem Festival, bei dem er schon häufig zu Gast war – um die Bühne frei zu geben für „seinen großen Bruder“ Manu Dibango und dessen Kontrastprogramm mit Big Band, zwei Sängerinnen, treibenden Rhythmen und harten Bläsereinsätzen, die zuweilen wie Peitschenhiebe knallten. Natürlich durfte die Sonnenbrille nicht fehlen auf dem kahlen Kopf Manu Dibangos, dazu dieses unvergleichliche Lächeln, die tiefe, zugleich sanfte Stimme, die ruhigen Bewegungen. Dabei sollte der im Alter von 15 Jahren von seinen Eltern aus Kamerun nach Frankreich geschickte Dibango studieren statt musizieren. Drei Kilo Kaffee hatte er als Schulgeld im Gepäck. Vergebens.

    Malaika Kanza.
    In Paris entdeckte er den Jazz und nach dem Klavierspiel das Saxofon. Er fiel durch die Prüfungen, sein Vater strich ihm den Unterhalt. Das änderte nichts an seiner Passion für Musik und für die Kombination ihrer unterschiedlichen Richtungen: Jazz, Soul, Funk, Reggae und mehr. Leidenschaft ist es, die ihn jung und in Bewegung hält. Im Dezember wird er 75 Jahre alt – die sieht man ihm aber nicht an.

    In Würzburg kam Manu Dibango im Tiger-Hemd auf die Bühne, mit ihm die Maraboutik Big Band, die noch nie zuvor in Deutschland ihren Zuhörern den Puls hatte beschleunigen dürfen. Das Zusammenspiel war von einer verblüffenden Perfektion. Selbst der improvisatorische Teil des Abends – der erste gemeinsame Auftritt von Manu Dibango mit „Special Guest“ Klaus Doldinger – wirkte geprobt. Doch es habe zuvor nur einen Soundcheck gegeben, verriet Doldinger (72), Deutschlands wohl bekanntester Jazzmusiker, nach dem Konzert. Er habe selbst nicht geglaubt, dass es so gut gelingen würde. „Das ist das Wunderbare an der Musik. Das Geheimnis, das keiner kennt. Es passiert einfach.“ Nomen es omen: Es passierte beim „Big Blow“ aus dem neuesten Dibango-Album „Lion Of Africa“, Löwe von Afrika. Das zweite Mal kam Klaus Doldinger bei einer bunten Version von „Soul Makossa“ auf die Bühne. Wie die Sonnenbrille, gehört immer auch sein bekanntestes Lied zu Manu Dibangos Auftritten. Es verhalf ihm zum Durchbruch, machte ihn 1972 weltberühmt.

    Manu Dibango wünschte sich am Ende des Konzerts noch viele weitere Africa Festivals in Würzburg. Er ist der musikalische Schirmherr in diesem Jahr. Schließlich möchte er auch beim 40. Festival noch dabei sein. 94 Jahre jung wäre er dann . . .

     

    Von unserem Redaktionsmitglied Christine Jeske

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