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    Wie Sie sich gegen die hohen Strompreise wehren können

    Seit dem Jahr 2000 ist Strom in Deutschland um etwa 30 Prozent teurer geworden. Erst zu Jahresbeginn hatten die Stromanbieter die Preise um drei bis sechs Prozent verteuert. Jetzt liegen den Landesregierungen stoßweise Anträge auf erneute Preiserhöhungen zur Genehmigung vor. Begründung: höhere Bezugspreise, allgemein gestiegene Kosten.

    Die angestrebten Preiserhöhungen liegen für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von rund 3500 Kilowattstunden bei etwa acht Prozent und machten rund 45 Euro pro Jahr aus, wie der Bund der Energieverbraucher (BdE) errechnet hat. Einige Landeswirtschaftsminister hatten angekündigt, Tariferhöhungen nicht oder nur mit Abschlägen genehmigen zu wollen. Die meisten Verbraucher müssen sich aber auf Preiserhöhungen einstellen.

    Ohnmächtig sind die privaten Stromkunden aber nicht. Für einseitige Preiserhöhungen schreibt das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) im Paragraf 315 vor, dass diese nach "billigem Ermessen" zu erfolgen haben. Wer Zweifel an der Billigkeit der Stromtariferhöhung hat, kann die Differenz zum bisherigen Preis einbehalten. Dies sollte man aber vorher dem Stromversorger mitteilen und begründen.

    Im Falle eines Prozesses muss der Stromanbieter seine Kalkulation offenlegen und begründen, wie sich die Preiserhöhung zusammensetzt. Viele Firmen hüten dieses Betriebsgeheimnis wie ihren Augapfel. Die Stiftung Warentest schätzt die Klagewahrscheinlichkeit daher als gering ein. "Bis zum Nachweis der Billigkeit darf der Stromanbieter die säumigen Kunden weder mahnen noch ihnen den Strom abstellen", informiert die Stiftung und verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes vom 5. Juli 2005 (Az.: X ZR 60/04, X ZR 99/04).

    Verliert der Kunde den Prozess, bleibt er aber auf allen Anwalts- und Gerichtskosten sitzen. Gegen eine Preiserhöhung vorzugehen, die lediglich die ab Januar 2007 von 16 auf 19 Prozent erhöhte Mehrwertsteuer weitergibt oder sich im Rahmen der Inflationsrate um zwei Prozent bewegt, macht keinen Sinn.

    Wer einen Prozess unbedingt vermeiden will, kann den Versorger wechseln und so oft Geld sparen oder umweltverträglich auf Öko-Strom umstellen. Anbieterwechsel sind seit der Liberalisierung des Marktes 1998 möglich. Der Verbraucherzentrale Bundesverband rief die Konsumenten bereits auf, bei einer Anhebung der Nettopreise den Versorger zu wechseln.

    Alternative Anbieter findet man im Internet auf den Seiten von Stromtarifrechnern. "Die Kündigung sollte man nicht selbst aussprechen, sondern den neuen Stromlieferanten entsprechend bevollmächtigen", rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. In den meisten Fällen regelt der neue Stromlieferant dann alle Formalitäten.

    Vom Wechsel merkt der Kunde kaum etwas - abgesehen davon, dass die Jahresabrechnung ein anderer Versorger schickt. Lediglich die Ablesedaten des Zählers müssen altem und neuem Versorger mitgeteilt werden. Auch der Stromzähler bleibt der gleiche. Eine Stromunterbrechung gibt es nicht.

    Vielfach können Verbaucher auch mit einem Tarifwechsel beim bisherigen Anbieter sparen, da jeder Anbieter verschiedene Tarif anbietet. Auf Paketpreise, die die Abnahme einer festen Zahl von Kilowattstunden vorschreiben, sollte man sich nicht vorschnell einlassen. Wer das gekaufte Paket nicht ausschöpft, verliert das nicht verbrauchte Guthaben.

    Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hatte jüngst angekündigt, er wolle den Anbieterwechsel weiter vereinfachen. Vor allem die Kündigungsfristen sollen verkürzt werden. Derzeit kann die Belieferung durch einen neuen Anbieter frühestens nach sechs Wochen beginnen.


    Aktuelle Konditionen alternativer
    Anbieter findet man im Internet,
    zum Beispiel auf den Seiten
    www.strommagazin.de,
    www.stromtip.de und
    www.get-strom.de

    Von KAI ALTHOETMAR

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