Therapie von Bluthochdruck auch im Alter

Vorsicht im Alter: Wer Bluthochdruck hat, sollte seinen Blutdruck täglich kontrollieren, ansonsten genügt eine Kontrolle alle drei Monate. Foto: imago

Die meisten Senioren leiden unter Bluthochdruck (Hypertonie). Eine Behandlung kann selbst in fortgeschrittenen Jahren das Risiko von Folgeerkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt noch senken, sagt Privatdozentin Dr. Ute Hoffmann, sie ist Leiterin der Abteilung für Nephrologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg, Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie.

Gibt es im Alter noch einen allgemeingültigen „idealen Blutdruck“ oder nur noch individuelle Empfehlungen?

Dr. Ute Hoffmann: Es gibt neue Leitlinien der Europäischen Fachgesellschaften für Kardiologie und Hypertensiologie aus dem Jahr 2013, in denen zwischen Patienten unter und über 80 Jahren und darüber hinaus zwischen fitten und gebrechlichen Patienten unterschieden wird. Bei älteren Menschen unter 80 werden systolische Blutdruckwerte zwischen 140 und 150 mmHg angestrebt, bei sehr fitten sogar Werte unter 140 mmHg. Auch für fitte Patienten über 80 gelten Zielwerte von 140 bis 150 mmHg für den systolischen Blutdruck. Bei über 80-Jährigen, die gebrechlich sind, sollte der Blutdruck individuell eingestellt werden.

Es gab ja früher mal die „Blutdruck minus Alter“-Regel . . .

Hoffmann: Davon ist man inzwischen völlig abgekommen. Und auch ganz niedrige Werte nach dem Motto „je niedriger, desto besser“ empfiehlt man nicht mehr. Der Grund ist, dass es bei ganz niedrigen Werten vermehrt zu Schwindel, Sturzgefahr und Verwirrtheitszuständen kommen kann.

Wie häufig ist denn Bluthochdruck im Alter?

Hoffmann: Sehr häufig! Bei den über 70-Jährigen sind 72 Prozent von Bluthochdruck betroffen, bei den über 80-Jährigen 77 Prozent. Also grob gesagt, etwa drei Viertel.

Wann besteht Behandlungsbedarf?

Hoffmann: Wenn der systolische Blutdruckwert über 160 liegt und der Patient noch fit ist, sollte man auf jeden Fall eine Therapie beginnen und die genannten Zielwerte anstreben. Zunächst nichtmedikamentös, durch Maßnahmen wie Salzreduktion, Bewegung, weniger Alkohol, oder – wenn das nicht möglich ist oder die Werte zu Beginn schon sehr hoch sind – mithilfe von Tabletten.

Gibt es Medikamente, die bei alten Menschen bevorzugt werden?

Hoffmann: Man sollte die Tabletten je nach Begleiterkrankungen auswählen. Bei koronarer Herzkrankheit etwa wäre ein Betablocker die erste Wahl, bei Überwässerung eher ein Diuretikum, bei Diabetes und Niereninsuffizienz ein ACE-Hemmer. Wenn der Patient gar keine Begleiterkrankungen hat und abgesehen vom Bluthochdruck gesund ist, nimmt man entweder einen ACE-Hemmer, ein Diuretikum oder einen Kalzium-Antagonisten. Man beginnt mit der niedrigsten Dosierung und steigert sie langsam. Ist das nicht erfolgreich, kombiniert man zwei Medikamente. Für ältere Patienten weniger gut geeignet als erste Wahl sind sogenannte Vasodilatatoren, die die Gefäße weit stellen, da sie – zum Beispiel beim Wechsel vom Sitzen zum Stehen – zu raschen Blutdruckabfällen und folglich zu Schwindel und Sturzgefahr führen können.

Welche Bedeutung hat die Differenz zwischen oberem und unterem Blutdruckwert?

Hoffmann: Der obere, systolische Blutdruckwert gibt den Blutdruck beim Pulsschlag wieder, der untere, diastolische Wert den Blutdruck zwischen den Schlägen. Bei jüngeren Bluthochdruck-Patienten sind üblicherweise beide Werte erhöht, bei älteren steigt eigentlich nur noch der obere Wert an. Im Alter ist der „isolierte systolische Bluthochdruck“ vorherrschend, bedingt durch den Alterungsprozess und die höhere Wandsteifigkeit der Gefäße. Die Differenz zwischen oberem und unterem Wert nennt man Pulsdruck. Wird dieser zu hoch, werden weitere Gefäßschäden hervorgerufen.

Kann man denn den isolierten systolischen Blutdruck gut behandeln?

Hoffmann: Ja, durchaus. Etwa 80 Prozent der alten Bluthochdruck-Patienten haben einen isolierten systolischen Bluthochdruck.

Gibt es spezielle Probleme bei der Behandlung von Bluthochdruck im Alter?

Hoffmann: Ja, verschiedene! Ein Beispiel ist die „Weißkittelhypertonie“, bei der die Patienten nur in der Arztpraxis einen erhöhten Blutdruck haben; zu Hause ist er niedrig. Wird ein solcher Patient behandelt, besteht die Gefahr, dass es zu Schwindel, Stürzen und Verwirrtheit kommt. Deshalb ist es wichtig, dass man die Patienten den Blutdruck zu Hause messen lässt und sie die Werte in die Praxis mitbringen – oder dass man eine 24-Stunden-Blutdruckmessung macht.

Worauf muss man beim Messen achten?

Hoffmann: Wichtig ist, dass auf Herzhöhe gemessen wird – bei Messung mit einem Handgelenksmessgerät sollte die Manschette in Herzhöhe gehalten werden. Und es sollte immer nur mit zertifizierten Geräten gemessen werden. Wichtig ist auch, dass man das Gerät mal mit in die Arztpraxis oder in die Apotheke nimmt, um dort prüfen zu lassen, ob es zuverlässig misst.

Welche Probleme machen Begleitkrankheiten bei der Behandlung von Bluthochdruck im Alter?

Hoffmann: Problematisch sind zum Beispiel Patienten mit Herzkranzgefäßerkrankung, da der untere Blutdruckwert bei ihnen nicht unter 65 mmHg absinken sollte. Hat ein solcher Patient also einen Blutdruck von 170 zu 70, muss man bei der Behandlung des oberen Wertes schauen, dass der untere Wert in etwa so bleibt. Schwierig zu behandeln sind manchmal auch Dialyse-Patienten.

Wie oft sollten alte Menschen ihren Blutdruck kontrollieren?

Hoffmann: Wer keinen Bluthochdruck hat, sollte alle drei Monate einmal den Blutdruck messen lassen. Wer einen Bluthochdruck hat oder zur Behandlung seines Bluthochdruckes Tabletten einnimmt, sollte täglich messen. Am besten immer zur gleichen Zeit, etwa morgens nach dem Frühstück, nach etwa zehn Minuten ruhigen Sitzens. Die Werte sollten notiert und zum nächsten Arztbesuch mitgenommen werden.

Bluthochdruck

Hypertonie ist Risikofaktor Nummer eins für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen wiederum sind für die meisten Todesfälle verantwortlich. Etwa 20 bis 30 Millionen Bundesbürger haben Bluthochdruck. Im Alter über 65 Jahren ist jeder Zweite davon betroffen. Nur etwa jeder Zweite weiß von seiner Krankheit.

Nur etwa die Hälfte derjenigen, die von ihrem Bluthochdruck wissen, lässt sich behandeln. Etwa die Hälfte der Behandelten hat durch die Therapie gute Blutdruckwerte. Weltweit hat etwa ein Viertel der Bevölkerung einen zu hohen Blutdruck.

Bis zum Jahr 2025 rechnen Experten mit einem Anstieg auf 29 Prozent. Alle Länder der Welt sind nahezu gleich betroffen; in manchen Ländern werden allerdings nur zehn Prozent der Hypertoniker erfolgreich behandelt. Quelle: Deutsche Hochdruckliga

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