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    Kothen

    3000 Pilger feierten Mariä Himmelfahrt

    Nebel lag über dem Maria Ehrenberg. Der Tag graute und vereinzelt waren schon Wallfahrer zu sehen, die sich ein leises "Guten Morgen" zuflüsterten und ein Lächeln schenkten. Es war erst 6 Uhr in der Früh auf dem Maria Ehrenberg, und es herrschte eine ganz besondere Stimmung. Die Bänke vor dem Freialtar, die am Vorabend bei der Vigil voll besetzt waren, standen verwaist. In der Kirche wurde leise gebetet, vereinzelt schliefen Gläubige sitzenden und liegend auf den Kirchenbänken. Um sieben Uhr wurde dann Gottesdienst mit Dekan Michael Krammer gefeiert, noch etwas übermüdet und doch glücklich, die Nacht auf dem Maria Ehrenberg mit Gebet, Meditation und Gesang gemeinsam mit der Gottesmutter verbracht zu haben.
    Am Vorabend war auf dem Maria Ehrenberg jede Menge los. Gut 3000 Gläubige waren gekommen, um mit dem neuen Würzburger Bischof Franz Jung die Vigil zum Hochfest Mariä Himmelfahrt zu feiern. Zahlreiche Wallfahrtsgruppen waren auch heuer wieder zu Fuß, mit Bussen und in Privatfahrzeugen zum Maria Ehrenberg gekommen. Die einzige Fußwallfahrt, die durch den Truppenübungsplatz führt, ist die Wegfurter, die seit 27 Jahren dieses Privileg genießt. Sie war mit rund 180 Personen auch die größere Wallfahrt, gefolgt von den Wallfahrern aus Hohenroth, die "seit Menschengedenken" nach Maria Ehrenberg wallen. Wallfahrtsleiterin Martha Roßhirt weiß von einer mündlichen Überlieferung, die auf das Jahr 1870 zurück geht. Sie selbst, mittlerweile 83 Jahre alt, ist seit 1968 in der Verantwortlichkeit für die Wallfahrt. Wie es die Tradition will, gestalten die Wallfahrtsmusikanten der Musikkapelle Hohenroth, unter Leitung von Rudi Fischer , den Gottesdienst und spielten nachts um zwei Uhr in der Kirche eine musikalische Andacht, die in diesem Jahr verstorbenen Wallfahrern und Musikern sowie ihrem im Januar diesen Jahres verstorbenen Pfarrer Karl-Heinz Mergenthaler gewidmet war. Ebenfalls eine musikalische Andacht spielten die Sandberger Musikanten , unter Leitung von Elisa Kleinhenz. Alfons Holzheimer erinnert sich, dass die Trachtenkapelle Sandberg 1962 erstmals auf dem Maria Ehrenberg spielte, allerdings pilgerten Sandberger Musiker und Wallfahrer schon lange vorher Jahr für Jahr zu diesem marianischen Gnadenort inmitten der Rhön.


    Für Dekan Michael Krammer war es die letzte große Feier am Hochfest der Gottesmutter. Im November wird er die Rhön verlassen und eine neue Stelle in Eßleben antreten. "Umso mehr freue ich mich, dass unser neuer Bischof schon in diesem Jahr mit uns feiern kann." Gleich nach der Ernennung habe ihm Krammer einen Brief nach Speyer gesandt und ihn für das Hochfest eingeladen. Kurz nach der Bischofsweihe und Amtseinführung kam aus Würzburg die Zusage. Seinen Dank statte er aber nicht nur dem Bischof und den Konzelebranten, sondern auch den vielen Helfern aus Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat, der Feuerwehr und dem Roten Kreuz ab, ohne die das große Wallfahrtsfest, der Höhepunkt des Wallfahrtsjahres nicht denkbar wäre.
    Bischof Dr. Franz Jung war von der Vigilfeier auf dem Maria Ehrenberg begeistert und beeindruckt. Im Anschluss an die abendliche Liturgie, zu der das Rosenkranzgebet, eine Lichterprozession und die Eucharistiefeier gehörten, sagte er gegenüber unserer Zeitung: "Wunderbar. Wunderschön. Es ist sehr stimmungsvoll und so viele Menschen sind gekommen. Es ist etwas ganz besonderes, diesen Marienfest am Abend zu feiern."
    In seiner Predigt stellte er die Gottesmutter in den Mittelpunkt. In Psalm 45 heißt es: "Der König verlangt nach deiner Schönheit ". Dies bezog Bischof Jung auf Gott , der nach Maria verlange und stellte die Frage nach der Schönheit Mariens. Da sei ihre Jugendlichkeit und ihr Mut zu nennen, mit dem sie bereit sei, die Wege Gottes zu gehen. Die Reinheit ihres Herzen, das nie den Glauben an den Sieg des Guten verliert und ihre Beharrlichkeit, ihr Leben im Glauben aus dem heraus zu führen und ihrem Sohn bis unter das Kreuz zu folgen. "Diese Schönheit sieht Gott in jedem Menschen", sagte Bischof Dr. Jung und ermutigte die Gläubigen: "Habe Anteil an der Jugendlichkeit Mariens gegen alles Mutlose und alles, was alt geworden ist in dir." Im Psalm heiße es außerdem "Vergiss dein Volk und dein Vaterhaus". Hier sprach der Bischof vom notwendigen Mut , "die Bindungen zu kappen, die dich fesseln und unfrei machen und von denen du meinst, dass du nicht loslassen könntest" um schließlich dem Sehnsuchtsruf Gottes zu folgen, so wie es Maria tut. "Der König verlangt nach deiner Schönheit , deiner Jugendlichkeit, deinem reinen Herzen und deiner Beharrlichkeit."
    Mit der Kräuterweihe der mitgebrachten Kräuterbuschen fand der Gottesdienst seinen Abschluss. Die Gnadenfigur wurde von Dekan Krammer zurück in die Kirche getragen und von Bernhard Kretz hoch über dem Altar an ihren Platz in der Mitte der goldenen Scheibe gestellt. Hier wachte sie über die Gläubigen, die den weiteren Andachten beiwohnten und die Nacht auf dem Maria Ehrenberg beten, in Gedanken versunken, in leise Gespräche vertieft oder auch schlafend verbrachten. Marion Eckert

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