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    Ramsthal

    50 Jahre Gewerkschaftsarbeit

    Der DGB-Ortsverband Ramsthal feierte sein 50-jähriges Bestehen und blickt auf seine Aktivitäten und Entwicklungen in dieser Zeit zurück. Im Mittelpunkt standen die Ehrungen. Von Beginn an waren die Gründungsmitglieder Leo Brand, Alfons Späth und Rudolf Hammelmann beim DGB. Sie wurden für 50-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Für zwölf Jahre Mitarbeit im Vorstand wurde Franz Xaver Kerber geehrt. Im Verein sind außerdem seit 15 Jahren Herbert Greubel, seit 25 Jahren Fred Back, und seit 30 Jahren Heinz Schmitt.

    1968 war eine unruhige Zeit in Deutschland und Europa. Die Gemeinde Ramsthal war geprägt von Handwerkern, die im Baubereich ihr Geld verdienten und Fabrikarbeitern in der Schweinfurter Industrie. Am 30.11.1968 wurde das DGB-Ortskartell (heute Ortsverband) in Ramsthal gegründet. Erster Vorstand war Gustav Bayer, sein Stellvertreter war Siegfried Brand. Josef Brand war Kassier und Hans Klier der Schriftführer. Neben Maßbach/Poppenlauer und Bad Kissingen ist Ramsthal eine der wenigen Gemeinden mit einem eigenen Ortsverband im Landkreis.

    Ein Alleinstellungsmerkmal haben die Ramsthaler Gewerkschafter. Seit 1969 bis heute ist Ramsthal die einzige Ortschaft, in der der Maibaum durch das Ortskartell aufgestellt wird. Die Gewerkschaften setzten sich damals stark für die allgemeine Bildung, besonders auch in den ländlichen Regionen ein. Durch das Ortskartell wurden Informationsveranstaltungen zur Sozialpolitik, zum Lohnfortzahlungsgesetz, zur Mitbestimmung und zum Arbeitsförderungsgesetz durchgeführt. In den Folgejahren gab es einige soziale Neuerungen wie das Wahlrecht mit 18, das BAFög, die Bildungsreform und das neue Scheidungsrecht.



    Immer wieder betonen die Verantwortlichen des DGB bei örtlichen Veranstaltungen die parteipolitische Unabhängigkeit des Gewerkschaftsverbandes. Im Laufe der Jahre nahmen die Mitglieder des Ortsverbandes an verschiedenen gewerkschaftlichen Veranstaltungen und Demonstrationen sein. Bei einer Demonstration gegen die Agenda 2010 konnte Leo Brand im "Häuserkampf" rund 150 Teilnehmer aus Ramsthal für die Teilnahme an einer Großdemonstration in Stuttgart gewinnen. Das war die größte Zahl an Teilnehmern von einem Ortsverband in Bayern. Auch bei einer Demonstration in Straßburg in der Finanzkrise 2008 und ihren Auswirkungen war Ramsthal mit einem vollen Bus dabei.


    Ortsverband überaltert

    Nicht zu übersehen ist, dass der Ortsverband inzwischen in die Jahre gekommen ist. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 67 Jahren. Trotzdem sind die Ramsthaler bei diversen Veranstaltungen und Aktivitäten des DGB dabei. Obwohl viele jüngere Ramsthaler Gewerkschaftsmitglied sind, haben sie bislang nicht den Weg in den Ortsverband gefunden. Der aktuelle Vorsitzende Franz Xaver Kerber betonte die Offenheit des Verbandes für neue Mitglieder.
    Sandro Kirchner MdL (CSU) ging in seinem kurzen Grußwort auf die Partnerschaft von Arbeitnehmern und Arbeitgebern ein. Er hält die Tarifautonomie für erforderlich. Als Punkte des gewerkschaftlichen Einsatzes nannte er die Umstrukturierung von Siemens in Bad Neustadt und die Auflösung des Schaeffler-Werkes in Elfershausen. Auch die gesetzliche Verankerung des Mindestlohnes nannte er als Ergebnis der Politik, auf die die Gewerkschaften Einfluss genommen haben.

    Als Regionsgeschäftsführer Unterfranken des DGB erläuterte Frank Firsching den Begriff Kartell, der früher Bestandteil des Namens der Ortsgruppierung war. Im damaligen Verständnis war ein Kartell eine "Gemeinschaft derer, die für die Menschen etwas erreichen wollen". Heute hat der Begriff eine andere Bedeutung. Firsching dankte den Ramsthaler Aktiven im Ortsverband für ihren langjährigen Einsatz und ihre Unterstützung.

    Der Vorsitzende des DGB Kreisverbandes Bad Kissingen, Gerhard Klamet, hatte zusammen mit Anna Schlechter vom Ortsverband Maßbach/Poppenlauer die Aufgabe übernommen, die Chronik des Verbandes in unterhaltsamer Weise vorzustellen. Besonders erfreut zeigten sich die Verantwortlichen und Gäste der Jubiläumsveranstaltung darüber, dass Fritz Schösser nach Ramsthal gekommen war. Schösser gehörte dem Landtag und dem Bundestag an und war von 1990 bis 2010 Vorsitzender des DGB-Bezirkes und von 1990 bis 2010 Vorsitzender des DGB-Bezirkes Bayern.


    Immer weniger Ortskartelle

    An den Beginn seiner Rede, die eine Art von gewerkschaftlichem Geschichtsrückblick war, stellte der den andauernden Kampf, den man als Mensch und Gewerkschafter für die Würde des Menschen nicht beenden dürfe. Er zitierte unter anderem Kurt Eisner, der als Sozialist nach der Revolution 1918 der erste Ministerpräsident des Freistaates Bayern war: " Die produktive Arbeit hat sich nicht mehr nach der Finanzlage zu richten, sondern die Finanzen müssen geschaffen werden für die Herstellung produktiver Arbeit". An den Ramsthaler Ortsverband richtete er seinen Dank für den langjährigen Einsatz und stellte in einem Rückblick die Entwicklung und Bedeutung der Ortskartelle heraus, deren Zahl allerdings rückläufig ist. Zum Thema Flüchtlinge und Vertriebene führte er aus, dass nach dem 2. Weltkrieg 14 Millionen Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten ein Dach über dem Kopf in Deutschland suchten. Dieser Kraftakt wurde von den Deutschen geschafft. "Und da jammern wir heute über 100 000 Flüchtlinge", meinte er kritisch.

    In seinen weiteren Ausführungen stellte er die Bedeutung der Gewerkschaften in den verschiedenen Phasen der Bundesrepublik Deutschland heraus. Auch die Thematik gleicher Bezahlung der Geschlechter und die Veränderung prekärer Arbeitsverhältnisse durch die Einführung eines Mindestlohns sei ein Einsatzbereich der Gewerkschaften. Um eine ordentliche Rente zu erhalten, sei ein Mindestlohn von 13 Euro erforderlich. "Wir müssen uns stärker zur Wehr setzen", forderte er. Der DGB müsse wieder schlagkräftiger werden, um eine Wirtschaftsordnung zu überwinden, die die Welt in Menschen mit und Menschen ohne Lebenschancen teilt.

    Der Ortsvorsitzende bedankte an Ende der Veranstaltung bei Fritz Schösser für seine Rede, bei Frank Firsching, Gerhard Klamet und Anna Schlechter mit einem Präsent für die geleistete Unterstützung. Andreas Lomb

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