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    HAMMELBURG

    Annäherung ans Urgebet der Christen

    Ei Konzert, das berührte: Die Hammelburger Gesangs- und Instrumentalgruppe unter der Leitung von Stefan Ammersbach beein... Foto: Elisabeth Assmann

    Stutzig hatte viele Kirchenbesucher der Titel „Abwun – Unser Vater – Unsere Mutter“ beim Konzert der Hammelburger Gesangs- und Instrumentalgruppe GuIG in der evangelischen St.-Michael-Kirche gemacht. Man musste sich an diesem Abend auf etwas Ungewöhnliches einlassen. Schwarz gekleidete Sänger kamen aus dem Publikum heraus in den Altarraum. „Abwun“ sangen sie, das erste Wort im aramäischen Text des Vaterunser.

    Das Konzert war als Annäherung an das Urgebet der Christen in Musik, Wort und Bild konzipiert. Im Mittelpunkt stand das älteste Gebet der Christen, das Vaterunser, das Milliarden von Menschen schon seit 2000 Jahren immer beten. Das Konzept hatte Maria Heckmann erarbeitet. Inspiriert wurde sie hierzu während einer Syrienreise, als sie das Vaterunser auf Aramäisch hörte.

    Während des Konzerts standen tönende und mantraartig gesungene aramäische Worte im Kontrast zu modernen Liedern in verschiedenen Sprachen aus verschiedenen Kulturkreisen. Die Bitten des Vaterunser wurden von Maria Heckmann mit aktuellen, meditativen Texten verdeutlicht. Sie wagte es, einen sprachlichen Bogen zu spannen, von der Ursprache bis in die verschiedenen Sprachen, Kulturen und Musikstile sowie zum Reichtum der Ausdrucksmöglichkeiten dieser Zeit. Abstrakte Aquarelle von Andreas Felger boten weitere Deutungen an. Die Auswahl der Lieder reichte von Gospels bis zu Kirchenliedern aus dem 17. Jahrhundert. Besonders das Friedenslied aus Aserbaidschan, einem Land, das im letzten Jahrhundert ein ständiger Konfliktherd war, berührte die Zuhörer.

    Der mehrstimmige Chorgesang erklang teils a-cappella, wurde aber auch instrumental bereichert. Die Zeitlosigkeit und das weltweit Verbindende des Gebets wurde auf angenehme Weise hörbar, sichtbar und spürbar. Sparsame, aber akzentuierte Einsätze von Trompete, Klarinette und Saxophon betonten die Lieder.

    Die Freude und Erleichterung über den wundervollen Abend war den Akteuren beim tosenden Schlussapplaus des Publikums anzusehen. Der Funke sprang recht schnell auch aufs Publikum über. Das gemeinsame Singen von Amen am Ende des Konzertes verdeutlichte, dass die Stimmung und Gedanken zum Vaterunser aus der Kirche hinaus mit nach Hause transportiert werden konnten und sollten.

    Das Ansinnen von GuIG, für Gott zu begeistern, Worte, Melodien, Stimmen und Bilder aufzunehmen und Anregungen für den Alltag in der Gemeinschaft mit nach Hause zu nehmen, ist geglückt.

    Mit den Spenden der Konzertbesucher unterstützt die Hammelburger Gesangsgruppe GuIG das Caritas-Baby-Hospital in Bethlehem. Dort werden alle Kinder aufgenommen, egal, ob sie muslimischer, christlicher oder jüdischer Herkunft sind. Es ist eine Oase der Hoffnung und des Friedens an einem Ort, der von Armut und kriegerischen Konflikten geprägt ist.

    Von unserer Mitarbeiterin Elisabeth Assmann

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