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    Bad Kissingen

    Bad Kissingen: Großflächiges Gipsrelief ziert Gaststätte

    Deftige Wirtshausszenen nach mittelalterlichen Vorbildern zeigen die Reliefplatten, aus denen Norbert Struckmeyer sein insgesamt 4,80 mal 1,78 Meter großes Werk zusammengesetzt hat. Foto: Siegfried Farkas

    Norbert Struckmeyer mag große Bilder. In öffentlichen Gebäuden betrachtet er sie gern. Und als Bildhauer macht er sie gern. Kissinger können das mittlerweile an einem für die Ausstellung der Arbeit eines Bildhauers nicht alltäglichen Ort sehen: In der Bierscheune an der Schönbornstraße ziert ein Werk des 66-Jährigen die Wand der Tanzfläche.

    4,80 Meter breit und 1,78 Meter hoch ist das Halbrelief aus Alabastergips. Zusammengesetzt hat Struckmeyer es aus 16 Platten von jeweils 55 mal 78 Zentimetern Größe. Diese Platten hat der Autodidakt zunächst einzeln glatt gegossen, im nächsten Schritt die Motive darauf skizziert und die dargestellten Szenen dann ähnlich wie beim Schnitzen aus dem Gips herausgearbeitet.

    Dauerleihgabe

    Zur Dauerleihgabe als Wandschmuck des Bad Kissinger Tanzlokals geworden ist das Werk auf ungewöhnlichem Wege. Struckmeyer lebt eigentlich in Ostfriesland. Nach Bad Kissingen gekommen sei er erst 2018 durch einen Freund, der hier eine Wohnung habe, erzählt der 66-Jährige, der zu DDR-Zeiten im Harz geboren und nach eigenen Angaben nach "Stasihaft" Mitte der Achtzigerjahre  . "in die Bundesrepublik ausgewiesen" wurde.

    Mit dem Bekannten, der ihn nach Kissingen brachte, sei er öfter in die Bierscheune gegangen und dort schließlich mit Wirt Matthias Kalcyk ins Gespräch gekommen. Aus einer Unterhaltung "über Gott und die Welt", wie Struckmeyer sagt, wurde ein Gespräch über Struckmeyers großformatige bildhauerische Arbeiten in Gips. Kalcyk war bereit, "dem Künstler eine Plattform zu geben". Nicht nur er fand die konservativen Szenen aus einem mittelalterlichen Gasthaus, die Struckmeyer gestalten wollte, angemessen für die Scheune. Auch bei den Gästen, sagt Kalcyk, komme das Werk "ganz gut" an.

    Deftige Szenen

    Die Szenen an der Wand sind deftiger als das, was sich im normalen Gaststättenbetrieb unserer Tage davor abspielt. An einem Tisch wird ein nichtsahnender Mann beim Kartenspiel betrogen. An einem anderen geht es offenherzig frivol zu. Die Musik zu all dem kommt, anders als im Lokal der Neuzeit, nicht aus der Konserve, sondern von Fidel und Flöte.

    Bei der Wahl der Motive hat Struckmeyer sich an Werken alter Meister orientiert. Durch die Gestaltung im Relief, bieten die Bilder Szenen, die man nicht nur sehen, sondern auch mit Händen greifen kann.

    Struckmeyer würde gern noch größer arbeiten

    Struckmeyers Werk ist mit achteinhalb Quadratmetern Gesamtfläche schon ziemlich groß. Er könnte aber noch deutlich größer. Genau genommen träumt er sogar davon, ein Großrelief von 120 Quadratmetern zu schaffen. Was es darstellen sollte, weiß Struckmeyer bereits. Er denkt an eine große historische Szene mit Bezug zur Geschichte der Region, für die es entstünde.

    Bisher hat er aber noch niemand getroffen, der eine Arbeit dieser Größenordnung sponsern würde. Auch ein geeigneter Ort müsste sich erst einmal finden. Die Wand der Tanzfläche in der Bierscheune jedenfalls wäre dafür viel zu klein.

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