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    Bad Kissingen

    Bad Kissingen: Kreis-Kommunen melden Protest gegen P 43 an

    Was die Planungen zu den Stromtrassen SuedLink und P 43 angeht, sieht es nicht nach der einst von der Großen Koalition versprochenen Entlastung des Netzknotenpunktes Grafenrheinfeld aus. Schon jetzt befinden sich rund 170 Strommasten allein in der Gemeinde Bergrheinfeld. Foto: DPA/Christian Hager

    Beim Landkreis stehen die Zeichen auf Sturm, seit bekannt wurde, dass nicht nur die Gleichstrom-Autobahn SuedLink, sondern auch die Wechselstromtrasse P 43 den Landkreis Bad Kissingen durchqueren soll. Landrat Thomas Bold (CSU) hatte sich unlängst im Wirtschafts- und Umweltausschuss darüber empört, dass sich der Bund und die Länder Bayern, Hessen und Thüringen bei ihrer Entscheidung vom 4. Juni einfach über das 2015 von der Großen Koalition ausgehandelte Eckpunktepapierhinweggesetzt hätten. Denn damals sei als klares Ziel der Stromtrassen-Planungen formuliert worden, den Bereich Grafenrheinfeld/Bergrheinfeld als Einspeise-Schwerpunkt – und damit auch den Landkreis Bad Kissingen in Sachen Zuleitungen – zu entlasten, sagte Bold. 

    Planung zu Lasten des Kreises

    Der Kreis-Wirtschaftsausschuss hatte daraufhin am 15. Juli beschlossen, zusammen mit den 26 Kreis-Kommunen eine Resolution ans Bayerische Wirtschaftsministerium zu richten. Was Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) bei den Verhandlungen Anfang Juni erzielt habe, entlaste Grafenrheinfeld in keiner Weise und gehe "eindeutig zu Lasten des Landkreises Bad Kissingen", hatte Bold im Ausschuss klar gestellt. Das Thema wurde am Freitag erneut in der Bürgermeister-Dienstbesprechung aufgerollt. Die Chefs der 26 Kreiskommunen ließen keinen Zweifel daran, dass sie die Resolution des Kreises unterzeichnen werden.

    Der Ärger über die aktuelle Planungssituation für die Stromtrassen in der hiesigen Region ist nachvollziehbar. Denn die teilweise schwerwiegenden Auseinandersetzungen und Demonstrationen, die es vor Jahren um den SuedLink gegeben hatte, schienen dann allmählich ausgestanden. Letztendlich sollte die Trasse schließlich nicht mehr quer durchs Biosphärenreservat führen, sondern vielmehr an der A 71 entlang. Zudem wurde inzwischen festgelegt, den Strom unterirdisch durchzuleiten. Selbst als bekannt wurde, dass sich der SuedLink im Landkreis Bad Kissingen bei Oerlenbach in zwei Trassen aufspalten soll, war kein Sturm der Entrüstung mehr spürbar.

    Jetzt, wo die Wechselstromtrasse P 43 als überirdische Freileitung quer durchs Biosphärenreservat dazu kommen soll, ist das Maß für Bold offensichtlich voll. "Denn wir sind bereits massiv vom SuedLink betroffen", machte er bei der Dienstbesprechung nochmals klar. Im Text der Resolution wird der Kreischef noch deutlicher: "Sollte es tatsächlich dazu kommen, würde dies zu einem erheblichen Vertrauensverlust in die Bundes- und Landespolitik führen."

    Warum die alternativen Wechselstromtrassen P 44 (von Altenfeld/Thüringen nach Grafenrheinfeld) und die modifizierte Version der P 43 (von Mecklar über Dipperz nach Urberach) plötzlich bei Politik und Bundesnetzagentur nicht mehr in der Wertung sind, sei für ihn eine "nebulöse Geschichte", so Bold zu den Bürgermeistern. Sein Fazit: Der Bedarf für die P 43 durch den Landkreis Bad Kissingen müsse erst mal nachgewiesen werden – und zwar durch eine "neutrale Stelle" und auf eine "für die Bevölkerung transparente Weise". Denn schließlich könne man nicht planen, ohne den Hauptbetroffenen (den Landkreis) mit einzubeziehen.

    Gleich- und Wechselstrom zusammenlegen?

    Der Landkreis müsse sich jetzt, wo die Planungen laufen, beim Freistaat zu Wort melden, und nicht erst dann, wenn das Verfahren eingeleitet wird, sagte der verantwortliche Jurist im Landratsamt, Thomas Schoenwald. Für ihn sei nicht nachvollziehbar, warum Wechselstromtrasse und SuedLink (Gleichstrom) nicht parallel verlaufen könnten, wie das beispielsweise an einer Trasse in Ostbayern bereits praktiziert worden sei.  

    Die Bürgermeister gingen voll mit. Für Jochen Vogel (CSU, Motten) stellte sich die Frage, ob Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger bei den Verhandlungen Anfang Juni überhaupt "im Thema drin" gesteckt habe. Gotthard Schlereth (Freie Wähler, Oberthulba) wurde von den Bürgern, nach eigenen Aussagen, schon darauf angesprochen, was denn in der Resolution stehe. Er plädierte deshalb dafür, den Inhalt der Protestnote in den Rathäusern für die Bürger zugänglich zu machen.

    Unterschriftenliste in den Kommunen

    Landrat Bold schlug vor, Unterschriftenlisten auszulegen. Unterstützung bekam er diesbezüglich unter anderem von Andreas Sandwall (CSU, Bad Bocklet) und dem RhönLink-Vorsitzenden Matthias Klement (CSU, Maßbach). Voraussichtlich bis September sollen die Listen dann in den Kommunen ausliegen, zog man in Erwägung. Dann würden sie gesammelt und schließlich Wirtschaftsminister Aiwanger übergeben.

    Info: Der wörtliche Text der Resolution ist nachzulesen unter www.landkreis-badkissingen.de

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