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    Bad Kissingen

    Bad Kissingen: Wie sich die Grabkultur auf Friedhöfen ändert

    Auch beim Umgang mit dem Tod und der Darstellung von Trauer haben sich in den vergangenen hundert Jahren die Zeiten komplett geändert. Dieses Beispiel vom Friedhof Reiterswiesen führt das in einem Bild zusammen. Foto: Siegfried Farkas

    Wie die Menschen mit dem Gedenken an ihre Verstorbenen umgehen, ist einem beständigen Wandel unterworfen. Im 19. Jahrhundert zeigten die, die es sich leisten konnten, um was für einen Menschen es sich bei dem Verstorbenen handelte. Welche gesellschaftliche Bedeutung er zu haben glaubte, welchen Beruf er ausübte, wie sehr die Hinterbliebenen sein Ableben bedauerten und oft auch wie er aussah, brachten aufwendige Grabmäler zum Ausdruck. Auf dem Kapellenfriedhof findet man dafür heute noch beredte Beispiele. Das 20. Jahrhundert dagegen neigte lange dem anderen Extrem zu. Da waren die Grabsteine auf einmal quadratisch, praktisch, gut zu reinigen. Seit einigen Jahren aber wird die Denkmalkultur auf den Friedhöfen wieder vielfältiger. Die Zahl der individuell gestalteten Grabmale steigt. Das sieht man auch an den Friedhöfen in Bad Kissingen und Umgebung.

    Auch künstlerisch anspruchsvolle Grabgestaltung hat jetzt wieder einen Platz auf dem Friedhof. Foto: Siegfried Farkas

    Als schwarz und poliert das Maß der Dinge war

    Peter Borst, der in der Abteilung Tiefbau bei der Stadt unter anderem für die Friedhöfe zuständig ist, bestätigt diesen Eindruck. Eine Weile hätten Grabstein ganz zurückhaltend sein müssen. Zeitweise sei schwarz und poliert das Maß aller Dinge gewesen. Inzwischen halte aber wieder Vielfalt Einzug. Das sei zum Teil schon am Material abzulesen. Da kämen jetzt auch regionale Steine wieder zum Einsatz.

    Für Daniel Schlereth hat die Entwicklung hin zu mehr Individualität bei der Grabgestaltung unter anderem auch ganz praktische Gründe. Früher, sagt der Geschäftsführer von Alles aus Stein Schlereth in Stralsbach, "hatte man ja meist Familiengräber". Da war der Grabstein angelegt auf Jahrzehnte oder gar mal ein Jahrhundert. Das habe einfach wenig Raum für Personalisierung gelassen.

    Anhaltender Trend zur Urnenbestattung

    Der Wandel der vergangenen Jahre hat nach seinen Erfahrungen auch mit grundsätzlichen Veränderungen der Bestattungskultur zu tun. Es gebe schon eine Weile einen starken Trend zur Urnenbestattung. Immer weniger Familien wollten Gräber, die aufwendige Bepflanzung haben und viel Pflege erfordern. Für viele Menschen werden auch alternative Bestattungsformen interessant.

    Noch ein Beispiel vom Friedhof Reiterswiesen. Foto: Siegfried Farkas

    Zunehmend kämen Kunden zu ihm, die kein Katalogdenkmal wollten, sondern ein individuell gestaltetes Grab. "Da ging der Vater vielleicht zur Jagd", erklärt Schlereth, "und das hätte die Familie gerne auf dem Grabstein symbolisiert". Schlereth findet dieses Entwicklung gut. So könne man die Grabstelle "von einem Ort der Trauer zu einem Ort des Trostes machen".

    Viele neue Entwicklungen

    Wie ausgeprägt der Trend zur Urnenbestattung ist, kann Peter Borst aus städtischer Sicht besonders unterstreichen. Nach seiner Einschätzung liegt der Anteil bei etwa 70 Prozent. Und damit einher gehe die ganz allgemeine Entwicklung hin zu Gräbern, die keine oder wenig Pflege brauchen.

    Dass die Entwicklung aber nicht komplett einheitlich ist, sondern eine große Vielfalt hat, das zeigt der Trend zu Anonymität auf dem Friedhof. Eine Vorstufe dazu sind Grabfelder für Urnen, wo es keine einzelne Stele für jeden Bestatteten gebe, sondern ein Stele, auf der alle Namen der Toten dort stehen, berichtet Borst. Sogar völlig anonyme Bestattungen seien mittlerweile überraschend häufig.

    Individuelle Grabstätten wie diese auf dem Garitzer Friedhof gibt es inzwischen wieder viel häufiger als in vergangenen Jahrzehnten. Foto: Siegfried Farkas

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