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    Rupboden

    Bahn frei für den Radweg

    Nur noch wenige Tage, dann ist es vollbracht. Nachdem im Jahre 2002 der letzte Zug über die Gleise durch das Sinntal rollte, ist die Bahnstrecke von Jossa nach Wildflecken nach 126 Jahren Geschichte.

    Das Unternehmen Meißner rückte in den vergangenen Monaten mit schwerem Gerät an die Gleise. Nach einigen Zwangspausen, bedingt durch das frostige Wetter, ist der Rückbau nun in Zeitlofs und damit an der hessischen Landesgrenze angekommen.

    "Wir haben alles im Zeitrahmen geschafft", sagt Timo Meißner. Diese Strecke sei für ihn eine Standardstrecke gewesen. Die langjährigen Mitarbeiter der Firma hätten das professionell und ohne besondere Vorkommnisse erledigt, sagt der Firmenchef. Gleichzeitig schweift sein Blick schon in die Zukunft, denn der Radweg ist beschlossene Sache.

    "Wir hatten in den letzten Monaten viel mit den Anrainern zu tun und haben ausschließlich positives Feedback zum Thema Radweg bekommen", sagt Meißner, dessen Betrieb neben Rückbau auch den Umbau zum Radweg umsetzen wird. "Wir haben schon viele Radwege gemacht, doch der hier ist perfekt, mit wenig Steigung und durch wunderschöne Landschaft", bekräftigt er das Vorhaben der anliegenden Gemeinden. Seiner Meinung nach wäre eine Wiederbelebung des Schienenverkehrs finanziell nicht machbar gewesen.

    Doch es gebe noch einige Hürden zu überwinden, sagt Meißner. "Wir müssen noch auf die Genehmigung der Naturschutzbehörde warten", hofft er auf eine schnelle Entscheidung. Denn innerhalb von drei Monaten könnte der Radweg aus seiner Sicht fertig gestellt werden.

    Auch Zeitlofs Bürgermeister Wilhelm Friedrich (CSU) hofft auf ein zügiges Voranschreiten des Prozesses. "Wir sind alle schon gespannt und freuen uns sehr, wann es dann endlich soweit ist." Skeptisch hingegen ist Jürgen Lieb, Eisenbahnliebhaber und Sammler historischer Dokumente. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Bemühungen, die Bahnstrecke zu reaktivieren. Doch auch die Argumentation mit Bundeswehrtransporten sowie dem regional ansässigen Unternehmen Paul brachten keinen Durchbruch.

    "Ich dachte das wären sichere Argumente, doch nach und nach haben alle anliegenden Gemeinden ihre Meinung bezüglich der Reaktivierung geändert", sagt Lieb. Kritisch sieht er auch den Umbau des Bahndammes zum Radweg. "Es gibt so viele ungesicherte Stellen, die für einen Radweg gefährlich sind", sagt Lieb und spricht konkret den Dammrutsch vor dem Bahnübergang bei Römershag an. Doch Meißner wiegelt ab: "Der Bahndamm ist sicher. Wir müssen natürlich genau hinschauen und gegebenenfalls mit Bepflanzungen arbeiten".

    "Am Bahnhof Rupboden bleibt ein Gleis des dort ehemals zweispurigen Weges auf etwa 80 Meter liegen", sagt Meißner. Eine Initiative aus Rupboden plant dort einen Museumszug. "Die Planung ist jedoch erst in den Kinderschuhen", bestätigt Roland Fischer, Gemeinderatsmitglied aus Rupboden.

    Vorrangig sei momentan die 700-Jahr-Feier von Rupboden.Anschließend könne man das Vorhaben eines Museumswagons des historischen "Uerdinger Schienenbusses", der auf den Schienen zwischen Jossa und Wildflecken fuhr, angehen. "Schön wäre es, wenn wir einen alten Wagon für die Nachwelt aufstellen und dokumentieren könnten, doch die finanzielle Frage ist noch nicht geklärt", ergänzt Fischer.

    Im April wird in Zeitlofs der Fränkische Hof widereröffnet. "Zusammen mit dem Radweg ist das natürlich ein absolutes Plus für die Region", freut sich Bürgermeister Friedrich.

    Julia Raab

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