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    BAD KISSINGEN

    Blick ins Schatzkästlein

    Brunnenhalle
    _ Foto: Farkas (MainPost)

    Wenn Bad Kissingen im Schatzkästlein seiner Geschichte kramt, wird es meistens fündig. Irgendein bedeutendes und vor allem rundes Jubiläum, das sich im Verlauf des Jahres öffentlichkeitswirksam begehen lässt, ist so gut wie immer dabei. 2017 bildet allerdings eine Ausnahme. Ein richtig bedeutender Gedenktag lässt sich da nicht entdecken. Dafür gibt es umso mehr nicht ganz runde, aber dennoch interessante, kuriose, aber auch banale Jubiläen.

    Der wiederentdeckte Rakoczy

    Gleich mehrere dieser vielleicht nicht ganz feierwürdigen Gedenktage haben mit der Rakoczy-Quelle zu tun, dem bedeutendsten unter den Kissinger Heilwässern. Die Quelle ist 1737, also vor 280 Jahren, bei der Verlegung des Saalebetts wiederentdeckt worden. Die Bezeichnung Ragozi für die Quelle tauchte erstmals 1752, also vor 265 Jahren, in einem Bericht von Baumeister Balthasar Neumann an Fürstbischof Philipp Karl von Greiffenclau auf. Genau 175 Jahre ist es her, dass Friedrich von Gärtner im Auftrag von König Ludwig I. einen eisernen Brunnentempel schuf, der die Quellen Rakoczy und Pandur vor Oberflächenwasser und Verunreinigungen schützen sollte. Er musste später der heutigen Wandelhalle weichen.

    Theobald Ritter von Fuchs

    100 Jahre liegt der Abschied des rechtskundigen Bürgermeisters Theobald Ritter von Fuchs in den Ruhestand zurück. In seiner 34 Jahre währenden Amtszeit (1883 bis 1917) erlebte das Weltbad Kissingen seine Blütezeit. Da wurde die Stadt zum Bad erhoben. Max Littmann errichtete Wandelhalle, Regentenbau und Kurtheater. Kissingen erhielt eine auch für andere Kommunen richtungsweisende Schwemmkanalisation, Herz-Jesu-Kirche, russische Kirche und Synagoge wurden gebaut, Tennisanlage und Golfplatz entstanden. Der Bauboom im Privaten ließ ganze Straßenzüge neu entstehen.

    Auch die Liste der Kurgäste jener Jahre liest sich eindrucksvoll. Die deutsche Kaiserin Auguste Viktoria steht darauf, Kaiserin Sisi und Kaiser Franz Joseph von Österreich waren da, natürlich Otto von Bismarck und Prinzregent Luitpold sowie zahllose Bürgerliche, die der Glanz der Mächtigen anzog.

    Allgemeine Kehrichtabfuhr

    In Fuchs' Amtszeit fällt auch ein wichtiger Schritt in Sachen öffentlicher Hygiene. Im April 1892, also vor 125 Jahren, führte die Stadt die allgemeine Kehrichtabfuhr ein. In das selbe Jahr fällt die Geburtsstunde des Kurvereins. Genau 60 Jahre ist es darüber hinaus her, also auch ein kleines Jubiläum, dass der Kurverein einen Prospekt in arabischer Sprache herausbrachte. Es heißt, damals hätten die Anfragen aus orientalischen Ländern zugenommen.

    Vor 800 Jahren erstmals als Stadt erwähnt

    Äußerst interessant ist unter dem Jubiläumsaspekt die Frage der Stadtwerdung Kissingens. Urkundlich als Stadt erscheint Kissingen erstmals 1317 in einem Urbarium, das ist ein Verzeichnis über Besitzrechte einer Grundherrschaft. Das böte einen schönen Anlass, 800 Jahre Stadt zu feiern. Es gibt aber Hinweise, dass diese Stadtwerdung früher stattgefunden hat. Das Rathaus selbst spricht auf badkissingen.de bei der Beschreibung des Kissinger Wappens von „vor 1280“. Im Kissingen Band der Reihe Denkmäler in Bayern heißt es, „meist“ werde dafür die Zeit „um 1235“ angenommen.

    Erstes Dampferle

    Markante, wenn auch nicht ganz runde Jubiläen gibt es darüber hinaus von Oberer Saline und Erlöserkirche zu vermelden. Der Bau der Oberen Saline wurde 1772, also vor 245 Jahren, abgeschlossen. Die Erlöserkirche, das heißt das Bethaus, welches ihr Ursprung war, wird heuer 170 Jahre alt. Ein besonders ereignisreiches Jahr war für Kissingen 1877. Damals, vor 140 Jahren, erlebte der erste Schraubendampfer auf der Saale seinen Stapellauf. Victor von Scheffel kam erstmals zur Kur. Die Stadt enthüllte Deutschlands erstes Bismarckdenkmal und der Kissinger Bildhauer Michael Arnold starb.

    Opernsäger Baptist Hoffmann

    Auch im 20. Jahrhundert hat Bad Kissingen zahlreiche Ereignisse vorzuweisen, an die es sich zu erinnern lohnt. Die Synagoge wäre in diesem Jahr 115 geworden, wenn sie nicht Zerstörung und Abriss im Nationalsozialismus zum Opfer gefallen wäre. 90 Jahre wird heuer das 1927 eröffnete Kurhausbad alt. Vor 80 Jahren, also 1937, starb der Opernsänger Baptist Hoffmann, dem im Kapellenfriedhof eines der schönsten Gräber und in seinem Geburtsort Garitz eine Straße gewidmet wurden.

    Um 10 000 Einwohner gewachsen

    Aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gibt es ebenfalls bereits eine Reihe von markanten Erinnerungspunkten. Vor 45 Jahren wuchs Kissingen durch die Eingemeindung von Albertshausen, Arnshausen, Garitz, Hausen, Kleinbrach, Poppenroth, Reiterswiesen und Winkels um 10 000 Einwohner. Besonders viel geschah vor 20 Jahren, 1997. Damals wurden die neue Feuerwache, die Städtische Musikschule und der von einer Reithalle zum Tagungs- und Veranstaltungsort umgebaute Tattersall eröffnet. Ebenfalls bereits wieder zehn Jahre liegt die Fertigstellung des Hochwasserschutzes zurück, mit dem Kissingens Innenstadt auch gestalterisch gewann.

    Rakoczy
    _ Foto: Siegfried Farkas
    _ Foto: Gemeinfrei aus Wikipedia
    Mond
    _ Foto: Farkas Siegfried

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