• aktualisiert:

    Aura an der Saale

    Das Turmuhrwerk ist wieder daheim

    Eine handwerkliche Rarität von buchstäblich hoher Präzision ist für Auras Geschichte gerettet. Die 130 Jahre alte Turmuhr, die der heimische Uhrmacher Andreas Clement herstellte, konnte authentisch restauriert werden und ziert jetzt das Sitzungszimmer des Gemeinderats im neuen Rathaus.
    Der Auraer Turmuhrmachermeister baute das besagte Uhrwerk 1882. Er betrieb - erst alleine, später mit Sohn Kaspar - eine Werkstatt in der heutigen Hauptstraße und war ein geschätzter Handwerker des Genres. Seinen Beruf erlernte er bei einer der größten und bekanntesten Firmen der damaligen Zeit, dem Münchner Unternehmen "Mannhart". In späteren Jahren stellte Clement auch Spieluhren her.

    Die Grasers waren die Initiatoren

    Uhrwerke von ihm fanden sich in Orten rund um Aura zum Beispiel in Euerdorf, Garitz und Bad Kissingen sowie im Nürnberger Land und im Thüringer Raum. Für das Instrumentarium, das im Rathaus seinen Platz fand, erhielt er bei einer Kunstausstellung die Anerkennungsmedaille von König Ludwig II. von Bayern. Das wiederentdeckte Exemplar befand sich jedoch nicht in der Auraer Klosterkirche, in der sich aber ein 1866 gefertigtes Uhrwerk von Clement befand, das leider nicht mehr existiert. Die Uhr wurde der Gemeinde Aura von dem in Mönchengladbach beheimateten Rudolf Clement - ein Urenkel des Erbauers - überlassen.
    Initiiert von Renate und Erich Graser wurde sie einer gründlichen Sanierung unterzogen, die der in Schweinfurt wohnende Josef Drost mit seinem Vater in Polen durchführte. Die Familie Graser nahm dies zum Anlass, die in Vergessenheit geratene Geschichte der Turmuhr neu zu schreiben.
    In vielen Stunden entfernten Drost und sein Vater Rost, schmiedeten fehlenden Teile und integrierten sie in das aus vielen, kleinen Zahnrädchen bestehenden Kunsthandwerksstück, das dabei wieder seine grüne Originalfarbe erhielt. Die Kosten wurden durch Spenden bezahlt.
    "Jetzt ist dieses Stück Auraer Historie wieder funktionsfähig", freut sich Renate Graser, die bei einer Besichtigung den Helfern aber auch bei den Spendern und der Gemeinde dankte, die die Kosten für das Relikt übernahmen. Bürgermeister Thomas Hack freute sich über "das gute Stück", das - dank Renate Graser - wieder den Weg in die Heimat fand. Den Unterbau, den sogenannten "Bock" fertigte der Auraer Jungmeister Andreas Schaupp kostenlos. Die Hölzer, dafür stammen aus der ehemaligen "Zehntscheune" und sind rund 250 Jahre alt.




    Winfried Ehling

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)


      Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de?
      Dann jetzt gleich hier registrieren.