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    BAD KISSINGEN

    Demo für Frieden und Klima

    AW: Neuer Termin: 31-56525216 tag des friedens KG
    Rund hundert Teilnehmer sind am Samstag von der Erlöserkirche zur Wandelhalle und später weiter in den Luitpoldpark gezogen. Foto: Dieter Britz

    In Tibet gelten weiße Schals als Zeichen der Freundschaft und des Friedens. Auch wenn Bad Kissingen nicht Tibet ist, zogen am Samstag rund hundert Frauen und Männer mit weißen Schals von der Erlöserkirche in die Wandelhalle und später, als die Schals zu einem Friedensband zusammengeknotet waren, in den Luitpoldpark. Der 21. September wurde 1981 von der UNO und 2004 vom ökumenischen Rat der Kirchen zum weltweiten „Tag des Friedens“ erklärt. „Frieden ist nicht katholisch und nicht evangelisch. Wir müssen alle und überall für ihn eintreten“, sagte Teilnehmerin Friedel Böckler, aktuell zu Gast in Bad Kissingen, und: „Ein richtiger Frieden ist nicht immer dann, wenn es keinen Krieg gibt. Auch die Lebensbedingungen müssen stimmen und der Umweltschutz.“

    Nach einer Orgelimprovisation von Dekanatskantor Jörg Wöltche begrüßte der evangelische Pfarrer Steffen Lübke „all diejenigen, die mit uns für den Frieden beten wollen“. Der katholische Pfarrvikar Matthias Karwath ergänzte: „Es geht darum, dass wir ohne Unterschied Menschen lieben als Basis für den Frieden.“ Beide nannten Stichworte, die die Anwesenden aufrütteln sollten, zum Beispiel: „So heftig schlägt das Gewissen des Westens nicht, dass darunter die Waffenexporte litten.“ 2,2 Milliarden Menschen hätten keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Am Abrennen des Regenwaldes in Brasilien sei nicht einseitig die dortige Regierung schuld. Auch deutsche Unternehmen würden davon profitieren. Nach dem gemeinsamen Friedensgebet von Franz von Assisi, „Oh Herr, mache mich zu einem Werkzeug Deines Friedens“, und dem Lied „Herr gib uns deinen Frieden“ zogen die Teilnehmer aus der Kirche und bekamen am Ausgang ihre weißen Schals – „einfach um den Hals legen“, sagte Pastoralreferent Rainer Ziegler.

    In der Wandelhalle blieb ein Teil der Konzert-Besucher gleich sitzen und bekam ebenfalls weiße Schals. So ging das gut besuchte Kurkonzert fast nahtlos in eine leider nicht ganz so gut besuchte Friedensdemonstration über. Einer, der blieb, war Kurgast Kurt Mechler: „Das Kurkonzert war natürlich toll, aber auch der russische Chor und die russische Geigerin haben mir sozusagen als Fortsetzung des Kurkonzertes sehr gut gefallen“, sagte er am Ende. Die Rede von Hans-Josef Fell habe ihn aufgerüttelt.

    Die russische Geigerin Svetlana Movsisyan empfing die Friedensmarschierer in der Wandelhalle. Temperamentvolle russische Volkslieder sang der russische Chor Slawjanka aus Bad Kissingen. Hans-Josef Fell, Umweltexperte, Friedensaktivist und von 1998 bis 2013 Grünen-Abgeordneter im Bundestag, machte in seiner Rede allen Zuhörern deutlich, dass Frieden und Umweltschutz untrennbar zusammengehören. Wo Erdöl gefördert wird, sei meistens auch Krieg. Der Kampf um Erdöl, Erdgas und Kohle sei die häufigste Kriegsursache in der Welt: „Auch unser täglicher Hunger nach Benzin, Diesel und Heizöl treibt die Kriege in der Welt an.“ Sein Vorschlag: „Wir müssen alle schnell auf 100 Prozent erneuerbare Energien umstellen, damit wir die Kriege in der Welt nicht weiter anheizen.“ Nach Fells Rede knoteten die Zuhörer ihre weißen Schals zu einem langen weißen Friedensband zusammen. Dadurch vereint, zogen alle in Richtung Luitpoldpark. Auf der Wiese angekommen, formierte sich das Band zu einer symbolischen Spirale. Einige Teilnehmer breiteten danach ihre Decken aus und machten Picknick. (mdb)

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