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    BAD KISSINGEN

    Der Frauenversteher: Das Knacken im Gebälk

    Der Frauenversteher: Einfach mal nackig machen
    Manche Tage sind so langweilig. Nichts passiert. Keine Aufreger. Keine Neuigkeiten. Alles wie immer. Dann ist es schön, wenn es an der Tür klingelt und Besuch kommt. Der fragt dann ja gerne, ob er die Schuhe ausziehen soll. Das ist mein Moment, um Pep in den ansonsten fast schon verlorenen Tag zu bringen. Mit dem Satz „Ja, bitte, Du kannst auch gerne alles ausziehen!“ kommt ein gewisses Maß an Freude auf. Wenn der Besuch männlich ist, macht die Geschichte natürlich den Frauen noch mehr Spaß. Zumal man auch gleich das alles entscheidende Thema hat: Schuhe, Schuhe, Schuhe. Frauen können stundenlang darüber reden. Frauen und die Schuhe – das ist wahre Liebe. Wenn eine Frau mal eine Weile versucht, keine Schuhe zu kaufen, sind das die schlimmsten drei Stunden ihres Lebens. Die Schuh-Liebe geht so weit, dass es Frauen gibt, die sogar auf High-Heels einigermaßen elegant rennen können. Dagegen bringen Männer es fertig, mitunter sogar barfuß umzuknicken. Trotzdem haben es Männer an dieser Stelle dummerweise einfacher. Männer gehen ins Schuhgeschäft, probieren einen Schuh an, nicken – und zahlen. Eine Sache von viereinhalb Minuten. Frauen dagegen brauchen ein gutes Stück vom Jahresurlaub, wenn sie auf die Suche nach einem neuen Paar Schuhe gehen. Neulich erst verbrachte eine Frau mal wieder ihren Urlaub im Schuhgeschäft, weil sie sich unsterblich in einen zu großen Schuh schockverliebt hatte. Und was passierte? Sie ließ sich eine Halbsohle bringen, um den Schuh doch kaufen zu können. Eine Halbsohle. Um Schuhe auszustopfen. Muss man erst einmal drauf kommen. Männer wissen nicht einmal, dass es so etwas gibt. Ein bisschen lernfähig sind Männer dann aber doch. Also, liebe Frauen, wundert Euch nicht, wenn das nächste Mal die Frage kommt: „Soll ich die Schuhe ausziehen?“ wird die Antwort Viereinhalbminuten-Schuhkäufer lauten: „Ja, bitte, Du kannst Dich auch gerne ganz ausziehen – bis auf die Halbsohle!“

    Ganz ehrlich: Männer haben es auch nicht leicht. Manchmal kommt direkt Mitleid auf. Beispielsweise heute. Wenn Männer auf die 50 zugehen, ändert sich für sie alles grundlegend. Als feuriger Liebhaber durchzugehen fällt mit jedem Tag schwerer. Dafür muss er seltsame Untersuchungen über sich ergehen lassen, das Wort „Vorsorge“ bestimmt nun alles und lässt den einst jungen Haudegen schlagartig alt aussehen.

    Aber das ist noch längst nicht alles: Das junge Gemüse sagt respektlose Dinge wie „Eh, Opa!“ oder „Alter Knacker!“ Und es kommt unausweichlich der Tag, da dem alten Opa-Knacker in der Straßenbahn oder im Bus jemand mit einem Blick, der eine Mischung aus Mitleid und Erstarren ist, seinen Platz anbietet.

    Das mit der Straßenbahn und dem Bus bekommen Männer noch einigermaßen in den Griff, indem sie als wilde Alte weiterhin selber Auto fahren.

    Irgendwann aber muss es selbst der tapferste Mann zugeben: Es stimmt ja. Knack. Knack-knack. Mit jedem Lebensjahr knackt's mehr. Allerdings liegt hier ein ziemlicher Irrtum vor, da die Redewendung alter Knacker nicht etwa von den morschen Knochen kommt, die im Gebälk munter vor sich hinknacken.

    Vielmehr ist es so, dass die Bezeichnung auf die Herstellung von Flachs zurückgeht. Knechte, die zu alt für die Feldarbeit waren, mussten dereinst den Flachs auf eine Winde spulen. Damit bei der monotonen Arbeit niemand einschlief, wurde alle 60 Sekunden ein lautes Knacken erzeugt – weshalb die alten Männer irgendwann nur noch Knacker hießen.

    Wobei das Geknacke im Grunde ja noch geht. So richtig alt, das als Trost des Satirikers Ephraim Kishon, ist ein knackender Mann erst, wenn er ständig vergisst, seinen Hosenschlitz zu schließen. Und die richtigen Probleme kommen – das nur als Vorwarnung, meine Damen – wenn er vergisst, ihn zu öffnen.

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