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    BAD KISSINGEN

    „Der Schüler ist unser Souverän“

    Josef Hammerl, Leitender Schulamtsdirektor und Fachlicher Leiter des Schulamts Bad Kissingen geht in Pension. Foto: Julia Back

    Zum 1. Juli geht Josef Hammerl, der Fachliche Leiter des Staatlichen Schulamtes im Landkreis, in Pension. Mit ihm verlieren die Grund- und Mittelschulen einen Mann, der mit Leib und Seele Pädagoge ist.

    Schule ist für den 64-Jährigen aus Aura eine Familienangelegenheit. Sein Vater war Lehrer, seine Frau Konrektorin und auch seine beiden Söhne sind Lehrer in Bad Brückenau und Schweinfurt. Die Liebe zum Beruf merkt man ihm an. Seiner Pension sieht er deshalb auch mit einem weinenden Auge entgegen. „Man lässt ein Stück Leben hier im Schulamt zurück“, sagt er.

    Nach seinem Studium für das Lehramt an Volksschulen in Würzburg kam er 1975 nach Fladungen. „Das war eine andere Zeit als heute. Wenn damals ein Schüler seine Hausaufgaben nicht dabei hatte, haben wir das unter uns ausgemacht. Daheim hätte er zu viel Ärger bekommen“, erinnert sich Hammerl und lacht. 1981 ging er nach Euerdorf, sechs Jahre später wurde er Seminarrektor in den Landkreisen Bad Kissingen, Main-Spessart und Schweinfurt, bevor er mit 49 Jahren zum Schulrat aufstieg. Daneben hat er auch Lesebücher für den Schulunterricht verfasst.

    Lehrer, Seminarrektor, Autor und Schulrat. Hammerl hat seinen Fachbereich aus den verschiedensten Perspektiven erlebt. „Mir hat es gefallen, dass ich wechseln konnte. Das war ein Glücksfall.“

    Sieben Jahre an Spitze des Amts

    Sieben Jahre betreute er als Fachlicher Leiter 35 Schulen, über 400 Lehrkräfte und rund 5 000 Schülerinnen. Sein Credo dabei: Der Schüler als sein Souverän. „Ein Lehrer muss die natürliche Neugierde der Kinder, ihren Bildungshunger fördern, erhalten und im Zweifel auch wieder wecken.“

    In seiner Zeit als Fachlicher Leiter des Schulamts hat er verschiedene Projekte, die ihm am Herzen lagen, initiiert und vorangetrieben. „Es sollten keine Showprojekte sein, sondern sie sollten den Schülern dienen.“ Wie das Berufsorientierungsnetzwerk, das Schülern die Chance gibt, regelmäßig in Betrieben schnuppern zu können. „Das ist eine Win-Win-Situation. Die Schüler können sich beruflich orientieren und die Region gewinnt Fachkräfte.“

    Auch die Jugendsozialarbeit an den Schulen wurde unter seiner Leitung auf den Weg gebracht. „Weil mir der Schüler wichtig ist, brauchen wir so etwas.“ Neben vielen weiteren Projekten lag ihm auch die Bildung einer Stütz- und Förderklasse am Herzen, die Kindern mit komplexen Förderbedarfen in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung hilft.

    Wichtig für seine Arbeit im Amt, sei vor allem eines gewesen: „Mein Humor. Ein Zusammenhalt ohne Lachen wäre für mich undenkbar gewesen.“ Daneben hat er sich an drei Begriffen orientiert, die ihm wichtig sind: Arbeitsdisziplin, Profession und vor allem Achtsamkeit. „Dass ich den Menschen gerecht werde, ohne Eitelkeit und Arroganz. Richten wollte ich nie“, sagt er. Der Blick auf das gemeinsame Ziel war ihm wichtig, erklärt der 64-Jährige.

    Hammerl, ein Pädagoge, der nach seiner langen Laufbahn, etwas vom Geschäft versteht und doch den Schüler im Vordergrund sieht. „Hinter allen Paragrafen und Verordnungen war es mir wichtig den Menschen zu sehen.“ Vielleicht musste er deshalb in seiner Zeit als Lehrer nie einen Verweis austeilen.

    Die Schullandschaft sieht heute völlig anders aus als zu seiner Anfangszeit. „Inklusion, Mittelschulen, die flexible Grundschule, die Priorisierung von selbstgesteuertem Lernen – es hat sich viel verändert“, sagt Hammerl. „All diese Veränderungen zu begleiten, zu moderieren und zu gestalten war meine Aufgabe.“ Eine große Herausforderung sei zudem zurzeit die Integration von Migrantenkindern. „Da leisten unsere Lehrer hervorragende Arbeit.“

    Bewerbungsverfahren läuft

    Auch in der Zukunft gibt es noch viel zu tun. „Die Themen Gesundheit und Individualisierung werden wichtig“, sagt Hammerl. Dies übernimmt jedoch dann sein Nachfolger. Das Bewerbungsverfahren für die Stelle läuft. Wenn das Ergebnis feststeht, ist Hammerl schon längst mit seinem Wohnwagen und seiner Familie unterwegs – den Enkeln die Berge zeigen. Das Schönste daran? „Dass ich in den Urlaub fahren kann, ohne heimfahren zu müssen.“

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