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    BAD KISSINGEN

    Dialog anstelle von Dschihad

    Zwei Imame der muslimischen Ahmadiyya Religionsgemeinschaft (von links): Basil Bhatti und Faiz Khan. Foto: Johannes Schlereth

    Koranverteiler und Islamisierer: Viele Muslime müssen gegen solche Vorurteile kämpfen. Darunter auch die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ): „Dein Glaube ist dein Glaube, wir dürfen und können da niemanden verurteilen“, sagt Faiz Khan, ein Imam der AMJ. Diesen Satz muss er aktuell häufig verwenden, da er im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wir sind alle Deutschland“ die Republik bereist. Erklärtes Ziel sei es, gerade im ländlichen Raum aufzuzeigen, dass nicht alle Muslime Terroristen seien, so Khan. „Wir wollen den Bürgern die Ängste vor dem Islam nehmen“, erläutert der 28-jährige Imam, der aus der Nähe von Frankfurt stammt. Am 14. April sind Mitglieder auf Info-Tour in Bad Kissingen in der Innenstadt.

    Da keine Koranverteilungen stattfinden, lehnt er den Vorwurf der Missionierung ab: „Wir wollen über unsere Religion reden, den Menschen vielleicht den einen oder anderen Gedanken mit auf den Weg geben – ob er ihn dann glaubt, bleibt ihm überlassen“.

    Wichtig sei es, den Koran als Ganzes zu erfassen. „Der Koran ist weitaus mehr als nur Gewalt und Krieg“, führt er aus. Häufig berufen sich Terroristen auf einzelne Suren des Korans, die den Dschihad – also den heiligen Krieg zur Ausbreitung des Islams – und einen Gottesstaat, das Kalifat, propagieren. Die AMJ lehnt dies ab: Bei ihrem Kalifat handelt es sich um ein spirituelles. Vergleichbar ist die Rolle des mittlerweile fünften Kalifen, Hadhrat Mirza Masrur Ahmad, für die Ahmadiyyas mit der des Papstes für die Katholiken.

    Die Ahmadiyyas berufen sich auf die Auslegung von Koran, Sunna und Hadith nach Mirza Ghulam Ahmad, der die Strömung 1889 begründete. Die Hadithen beschäftigen sich mit der Überlieferung der Handlungen Mohammeds, während in der Sunna Werte, Normen und Vorschriften niedergeschrieben sind. Für die Ahmadiyya-Muslime sind nach eigenen Aussagen vor allem die Glaubensfreiheit, Gleichstellung von Mann und Frau und die Trennung von Staat und Religion wichtige Werte. Ihre Aufgeschlossenheit zeigt sich auch in der Ausbildung ihrer Imame, die nicht nur in Deutschland ausgebildet werden, sondern auch in den Moscheen auf deutsch predigen.

    Aufgrund ihrer liberalen Einstellung wurden sie 2013 in Hessen als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Damit hat die AMJ den Status einer Kirche erhalten. Die Weltoffenheit der Ahmadiyyas kann auch Professor Mathias Rohe von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bestätigen: „Die Ahmadiyya-Muslime sind sehr liberal, gerade in Glaubensfragen, da sie häufig in ihren Heimatländern wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

    „Lieber sprechen wir miteinander, statt übereinander.“
    Faiz Khan, Imam

    Das Geschlechterverhältnis ist jedoch aufgrund des kulturellen Backgrounds häufig noch traditionell patriarchalisch geprägt.“ Ein Beispiel hierfür ist ein Ehrenmord in der Darmstädter Ahmadiyya Gemeinde. Die Täter wurden jedoch von einem deutschen Gericht zur Rechenschaft gezogen und aus der Religionsgemeinde ausgeschlossen. „Die Ahmadiyya-Muslime haben hier eine Art internes Gericht, das in solchen Fällen speziell für die Gemeinde aktiv wird“, weiß Rohe, Leiter des „Zentrums für Islam und Recht in Europa“. Weltweit kommen die Ahmadiyya-Muslime nach eigenen Angaben auf circa zehn Millionen Gläubige. In Deutschland kann die AMJ mittlerweile auf 45 000 Gemeindemitglieder in rund 220 Gemeinden blicken. Verglichen mit anderen Strömungen bilden sie daher eine Minderheit in der muslimischen Welt. Doch die schottet sich nicht ab.

    Durch Flyer oder Pflanzen von Friedensbäumen macht die AMJ auf sich aufmerksam und beruft sich auf den Propheten Mohammed und ihren Religionsstifter: „Beide haben betont, dass es wichtig ist, dem Land, in dem man lebt, etwas zurückzugeben und die herrschenden Gesetze zu achten“, erklärt Khan. Um diese Botschaft zu verbreiten, gastieren sie mit Infoständen im Landkreis.

    Auch das Pflanzen eines Friedensbaumes ist nach Angaben der AMJ in Bad Kissingen geplant. Im Mai wird im Hotel Kaiserhof Victoria eine Infoveranstaltung mit Diskussionsmöglichkeit stattfinden. Hierzu sind auch Islamtheologen vor Ort, am 28. April sind sie in Burkardroth, in Oberthulba am 5. Mai. „Wir sind offen für den Dialog, lieber sprechen wir miteinander, statt übereinander“, äußert Khan seinen Wunsch.

    Von Johannes Schlereth

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