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    Bad Kissingen

    Die Vögel füttern - oder nicht?

    Blaumeise und Stieglitz (Vogel des Jahres 2016) haben Hunger. Während die Blaumeise am Meisenknödel pickt, ist der Stieglitz bei den Sonnenblumenkernen gelandet. Foto: Archiv/Kathrin Kupka-Hahn
    Blaumeise und Stieglitz (Vogel des Jahres 2016) haben Hunger. Während die Blaumeise am Meisenknödel pickt, ist der Stieglitz bei den Sonnenblumenkernen gelandet. Foto: Archiv/Kathrin Kupka-Hahn
    Seit einigen Tagen ist es frostig kalt. Manch einer überlegt deshalb, das Vogelhäuschen am Haus oder im Garten in Betrieb zu nehmen. Doch etliche scheuen sich davor, fragen sich, ob das nicht gefährlich sei, wegen der aktuell grassierenden Vogelgrippe. "Viele sind verunsichert", bestätigt Dieter Fünfstück, der für den Landkreis Bad Kissingen zuständige Kreisgruppenvorsitzende des Landesbund für Vogelschutz (LBV). Nicht zuletzt wegen der zahlreichen Berichte in den Medien. Immer wieder fragen Leute bei ihm nach.

    Doch der Fachmann gibt Entwarnung. "Die Vogelgrippe ist nur gefährlich für Wasservögel", sagt Fünfstück. Dazu zählen unter anderem Schwäne, Gänse, Enten und Möwen. "Zudem ist hier bei uns noch kein Fall bekannt geworden, lediglich an den Seen in Südbayern und im Norden Deutschlands", fügt er hinzu. Auch Lena Pfister, Sprecherin des Bad Kissinger Landratsamtes, bestätigt auf Nachfrage dieser Zeitung: "Nein, es ist kein Fall aufgetreten." Heißt, dass sowohl im Landkreis als auch im Regierungsbezirk Unterfranken kein toter Vogel gefunden wurde, der an der sogenannten Vogelgrippe erkrankt war.

    Doch besteht nicht die Gefahr, dass Wildvögel das Virus H5N8 als sogenannte Vektoren übertragen? Auch diesbezüglich geben Dieter Fünfstück und der LBV Entwarnung. "Die im Umfeld des Menschen lebenden Singvögel - das Rotkehlchen in der Hecke oder der Spatz am Futterhaus - spielen als Vektor für das Virus dagegen keine Rolle", schreibt der Landesbund auf seiner Internetseite. Man kann sich nicht anstecken, wenn man mit Kot oder Federn in Berührung kommt. Dieter Fünfstück ergänzt: "Zurzeit sind bei uns Kohl- und Blaumeisen zu beobachten, ebenso wie Grün- und Buchfinken, Goldammer, Rotkehlchen und wer Glück hat, kann auch einen Zaunkönig entdecken."


    Nicht zu üppig

    Jetzt mit der Fütterung der Vögel zu beginnen, hält der Experte für sinnvoll. Schließlich hatte es nun einige Tage Frost. "Viele Kleinlebewesen haben sich zurückgezogen", weiß er. Nur allzu üppig sollte man das Futterangebot nicht gestalten, vielmehr ein wenig anbieten. "Es geht darum, dass die Vögel ein Angebot haben", so Fünfstück. Schließlich würden sie in der Natur mancherorts noch genug zum Fressen finden, beispielsweise Früchte an Bäumen und Sträuchern oder unter der Rinde von Bäumen.

    Wer Vögel füttert, der sollte allerdings einige Punkte beachten. So empfiehlt Fünfstück, keine Lebensmittel wie etwa Brot oder Gebäck an die Vögel zu verfüttern. Es bestehe die Gefahr, dass dieses verschimmelt. "Ein paar Krümel sind okay. Sie müssen jedoch am nächsten Tag von der Futterstelle entfernt werden", fügt er hinzu. Denn auch diese können schnell von Schimmel befallen werden. Gewürztes oder Salziges wie etwa Speck sind ebenfalls nicht geeignet. Vielmehr hält Fünfstück die Sauberkeit bei der Fütterung von Vögeln für sehr wichtig. "Sobald das Futterhäuschen leer ist, sollte man es reinigen", sagt er. Beispielsweise mit einer Bürste ausfegen oder heißem Wasser auswischen. Schließlich würden die Tiere auch Kot hinterlassen, der so beseitigt wird und das frische Futter nicht verunreinigt.

    Doch was genau eignet sich zur Fütterung der heimischen Singvögel? "Ich füttere nur Walnüsse", sagt Fünfstück, der sich schon seit über 40 Jahren im Natur- und Vogelschutz engagiert. Zudem hält er Sonnenblumenkerne und Haselnüsse für sinnvoll, damit würden die Vögel nicht zu fett. "Auch Meisenknödel sind in Ordnung." Der Bund Naturschutz empfiehlt sogar, auf Knödel in Plastiknetzen zu verzichten, da sich die Vögel darin verheddern und somit verletzen können. Deshalb gibt es auf der Internetseite zahlreiche Vorschläge, wie man das Futter selber machen kann.


    Genau hinschauen

    Getreide im Garten oder am Haus zu verfüttern, lehnt der Vogelkundler Dieter Fünfstück ab. Das sollte man seines Erachtens direkt in der Flur anbieten, wo die Vögel es auch sonst finden würden. "Unter einer Platte auf Pfosten, damit es trocken bleibt", sagt er. Zudem rät der Fachmann dazu, beim Kauf des Futters genau hinzuschauen. Denn vieles werde im Ausland produziert. Es bestehe die Gefahr, dass darüber Samen von Pflanzen eingeschleppt werden, die wir hier nicht brauchen, wie etwa Ambrosia.

    Sind Haustiere in Gefahr?
    Die Vogelgrippe trat bisher fast ausschließlich bei Hühnern, Puten, Gänsen, Enten und Schwänen auf. Andere Vögel und Tiere können sich zwar auch anstecken, die Gefahr ist aber nach derzeitigen Kenntnissen sehr viel geringer. Trotzdem empfiehlt es sich, Hunde und Katzen nicht in der Nähe von Wasservogel-Rastplätzen streunen zu lassen (dies sollten sie ohnehin niemals tun!)

    Müssen Geflügel und Eier vom Speiseplan genommen werden?
    Nein. Geflügel und Eier können nach wie vor gegessen werden. Der Import von Geflügel aus Risikoländern in die EU-Staaten ist verboten. Zur Sicherheit sollte man die Lebensmittel jedoch gut braten oder kochen: Bei Temperaturen von über 70 Grad Celsius werden Viren zuverlässig abgetötet. Das gilt für Fleisch wie für Eier.
    Weitere Infos zur Vogelgrippe Quelle: www.nabu.de

    Kathrin Kupka-Hahn

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