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    BAD KISSINGEN

    Für Angehörige ein Netzwerk der Hilfe knüpfen

    Wenn der Lebenspartner, das eigene Kind, die geliebte Mutter plötzlich bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommen, fallen Angehörige oft in ein tiefes Loch. Die Christian-Presl-Stiftung bietet Hinterbliebenen in dieser belastenden Lebenssituation Hilfe an – und zwar sofort, wenn es gewünscht wird. Dabei arbeitet sie mit Notfallseelsorgern sowie Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen der Diözese Würzburg zusammen.
    In der Trauer um einen Menschen verkapselt.
    In der Trauer um einen Menschen verkapselt. Foto: FOTO T. Ruppert

    Drei Jahre ist es her, dass Christian Presl im Alter von 34 Jahren bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam. Die eigene Trauerbewältigung veranlasste die Familie dazu, ein Jahr später ein Beratungsangebot für die Hinterbliebenen von Unfallopfern ins Leben zu rufen. Die Resonanz nennt Maritta Düring-Haas „sehr gut“.

    Die Leiterin der Stiftung hat inzwischen mit etlichen Angehörigen Kontakte geknüpft, hat in der Trauer vielfach Mut zugesprochen und den Menschen in schwierigen Situationen oft fachliche Unterstützung vermittelt. Denn viele unter ihnen wüssten dann nicht, wohin sie sich mit ihren Problemen wenden sollten – vor allem, weil ihnen auch die Kraft dazu fehle.

    Manchmal trauern Menschen sehr lange Zeit einem geliebten Menschen nach, weiß Düring-Haas. Sie kapseln sich ab und sind nicht imstande, sich entsprechende Hilfe zu holen. Erst später knüpfen sie Kontakt zur Stiftung. „Wir hätten früher Hilfe gebraucht“, habe sie dann schon öfter gehört.

    „Wir haben nach kompetenten Partnern und Brückenbauern gesucht“

    Maritta Düring-Haas Christian Presl-Stiftung

    Das veranlasste die ausgebildete Sozialpädagogin, intensiv über konkrete Hilfsmaßnahmen nachzudenken, die man Menschen anbieten kann, wenn sie plötzlich und unerwartet jemanden verloren haben, der ihnen sehr nah stand. „Wir haben nach kompetenten Partnern und Brückenbauern gesucht, die schnell und unbürokratisch auf verschiedenen Gebieten fachliche Unterstützung bieten können.“

    90 tragische Unfälle pro Jahr

    Im vergangenen Jahr gründete sich ein Arbeitskreis Notfallangebot. Die Notfallseelsorger Norbert Holzheid (Schweinfurt), Wolfgang Schöller (Bad Kissingen) und Günter Werner (Bad Neustadt) sowie Angelika März und Erhard Scholl von den Ehe-, Familien und Lebensberatungsstellen der Diözese Würzburg waren mit von der Partie, als es darum ging, für Angehörige ein Netzwerk der Hilfe zu knüpfen.

    Jährlich kommen in Deutschland 13 000 Menschen bei einem Unfall ums Leben. In den Landkreisen Bad Kissingen, Schweinfurt und Rhön-Grabfeld, in denen die Presl-Stiftung Beratungsangebote macht, verlieren jährlich etwa 90 Menschen durch tragische Umstände im Straßenverkehr, im häuslichen Umfeld, am Arbeitsplatz oder bei einer Freizeitbeschäftigung ihr Leben, hat Düring-Haas recherchiert.

    Faltblatt verteilen

    „Bei einem schweren Unfall werden wir als Notfallseelsorger oft gerufen“, sagt Schöller. Dann wollen er und seine anderen beiden Kollegen künftig den Hinterbliebenen auch das neue Faltblatt über das Notfallangebot der Presl-Stiftung überreichen. Zudem wollen die Initiatoren des Arbeitskreises dafür sorgen, dass es an alle Ortsgeistlichen ausgeteilt wird. Überdies sollen bald auch alle Rettungskräfte in den drei Landkreisen über das Beratungsangebot im konkreten Notfall Bescheid wissen.

    Über das Faltblatt könnten die Angehörigen dann gegebenenfalls selbst den Kontakt zur Presl-Stiftung herstellen, sagt Holzheid beim Pressegespräch. Er findet das neue Angebot für die Hinterbliebenen ganz wichtig, denn er habe auch schon erlebt, dass ganze Familien an solch tragischen Ereignissen „zerbersten“.

    Jeder Mensch brauche unterschiedlich lange, bis er traumatische Unfälle mit Todesfolge verarbeite, weiß März. „Manchmal reißt alles erst viel später auf.“ Dann werde von den Betroffenen auch nicht selten die Frage nach der Schuld gewälzt, weil sie glauben, sie hätten den Unfall irgendwie verhindern können, so die Familienberaterin weiter. Und wenn dann beispielsweise der Vater als Autolenker überlebt, während das Kind auf dem Rücksitz starb, wiege die Schuldfrage besonders schwer.

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    Von unserem Redaktionsmitglied ISOLDE KRAPF

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