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    Aura an der Saale

    Gasthof bleibt in der Familie

    Vor sechs Jahren hatte die junge Erfolgsgeschichte im Landgasthof "Ruine Aura" begonnen. Koch Andreas Büttner (28) und Ehefrau Johanna, gelernte Hotelkauffrau, pachteten das beliebte Ausflugslokal. Doch schon damals wusste der junge Koch, dass der Beruf des Gastronomen nicht sein Lebensjob sein würde. Jetzt wurde das Traditionsgasthaus innerhalb der Familie weitergereicht: Neuer Pächter ist seit Januar sein Bruder Matthias Büttner (33), der zuvor sechs Jahre Kellermeister im Hammelburger Winzerkeller war. Johanna Büttner bleibt den Gästen als Chefin im Service erhalten.
    Obwohl der Gasthof neben der 400 Jahre alten Ruine seit bald sechs Jahrzehnten ein fester Begriff in der Region war, fiel dem damals erst 21-jährigen Jungkoch Andreas Büttner die Entscheidung zur Pachtübernahme schwer. Nach seiner Ausbildung in der Großküche einer Bad Kissinger Rehaklinik war er zwei Jahre in einem Restaurant tätig gewesen. Sein Chef machte Pleite, Büttner bekam die letzten Monate keinen Lohn.
    Schon damals wollte er aus der Gastronomie aussteigen. Da war er sich mit seiner künftigen Ehefrau einig, die er dort als Servicekraft kennengelernt hatte. Sich ausgerechnet nach dieser schlechten Erfahrung mit einem einsamen Landgasthof selbstständig zu machen, schien ihm falsch, zumal das Lokal vollkommen heruntergewirtschaftet war.
    "Unser Vorgänger hatte zwei Mikrowellen und kochte auf dem Campingkocher", graut es Ehefrau Johanna noch heute. Doch Büttners Eltern ließen nicht locker. "Sie sahen das Potenzial dieses Gasthofs." Der Pachtvertrag wurde 2008 gleich nach der Hochzeit unterschrieben, die Bank gab ein Darlehen über 30 000 Euro und Familie sowie Freunde halfen bei der Sanierung. "Wir haben die Küche komplett entkernt, nur die Dunstabzugshaube ist geblieben." Manche Arbeit war Sache des Eigentümers. Doch auch hier geschah viel in Eigenleistung. "Dafür wurde die Pacht niedriger."
    Noch heute, nach sechs Jahren, arrangieren sich der neue Pächter und der Eigentümer auf gleiche Weise. In den vergangenen Jahren wurden weit über 100 000 Euro an Bargeld ins Haus gesteckt, die Eigenleistung nicht gerechnet.
    Kaum hatte die Ruine Aura zur Saison 2009 geöffnet, "wurden wir von Gästen überrannt", erinnert sich Johanna Büttner. Selbst nach der Neugier-Phase gab es keinen Umsatzeinbruch. Die gute Küche und das passende Preis-Leistungs-Verhältnis sprachen sich schnell herum.
    Heute ist Sebastian Rochus (35), der schon seit fünf Jahren bei den Büttners am Herd steht, der neue Küchenchef, ihm zur Seite steht Sergej Weber (26). Johanna Büttner ist für den Service verantwortlich und hat halbtags eine Hilfe. Pächter Matthias Büttner kümmert sich als Winzer um die Weine und Spirituosen, macht das Marketing und will mit Weinproben und anderen Veranstaltungen das Gästeaufkommen steigern. Bei Bedarf greifen die Büttners auf fünf bis zehn Aushilfen für Küche und Theke zurück. "Bei uns arbeiten viele aus dem Dorf."
    Trotz schlechten Wintergeschäfts ist das Ausflugslokal bis auf zwei wöchentliche Ruhetage und ein paar Urlaubswochen im November und Januar ganzjährig geöffnet. "Wer sich extra hierher auf den Weg macht, soll nicht vor verschlossener Tür stehen", nennt auch der neue Pächter Matthias Büttner als Grund. "Sonst gibt es hier doch nichts." An manchen Wintertagen kommen kaum Gäste. Das frustriert gewaltig. "Den Winter müssen wir mit dem Sommergeschäft auffangen", rechnet Wirtin Johanna vor. Dumm nur, wenn der Sommer dann total verregnet ist. Doch bisher hat es sich im Schnitt gerechnet.
    Jetzt schon aus der Gastronomie auszuscheiden hatte für Andreas Büttner gute Gründe. "Das Familienleben wäre sonst auf der Strecke geblieben", meint auch Ehefrau Johanna. Als Gastronomenpaar im selben Haus zu wohnen und zu arbeiten, habe zwar Vorteile. "Ich sah meinen Sohn häufiger als andere berufstätige Väter ihre Kinder", ist sich Andreas rückblickend bewusst. Aber irgendwie sei man als Gastronom doch immer 24 Stunden im Dienst. "Der Freundeskreis wird dadurch kleiner", war ein anderer Grund für seinen Berufswechsel. Seit Januar arbeitet er bei der Berufsfeuerwehr und will nur noch in Stoßzeiten in der Küche der "Ruine Aura" aushelfen. Sigismund von Dobschütz

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