• aktualisiert:

    Bad Kissingen

    Gedenken an Kriegsopfer: Diesmal die richtigen und alle

    Die Stadtverwaltung hat den missglückten ersten Versuch, gestohlene Gedenktafeln für Kriegsopfer zu ersetzen, selbstkritisch aufgearbeitet. Vom Stadtrat gab's dafür Lob.
    So sieht die Gedenkstätte für die im Zweiten Weltkrieg Gefallenen im Augenblick aus. Die neuen Wände für Platten mit den Namen von Opfern sollen den Halbkreis rechts und links flankieren. Foto: Siegfried Farkas

    Die Buntmetalldiebe, die vor gut eineinhalb Jahren elf Gedenktafeln für Opfer des Zweiten Weltkriegs vom Bad Kissinger Parkfriedhof stahlen, haben damit mehr als nur materiellen Schaden angerichtet. Den Familien der Kriegsopfer, deren Namen auf den Tafeln standen, nahmen sie den psychologisch wichtigen Ort der Erinnerung. Und der Stadt bescherten sie ein großes Problem: "Bei der Neubeschaffung der gestohlenen Gedenktafeln ist es zu verwaltungsseitigen Fehlern" gekommen, räumte die Stadtverwaltung jetzt selbst sehr offen ein. Der zweite Anlauf soll viel besser werden.

    Mehrere Fehler

    Wie Björn Denner für die Verwaltung diese Woche dem Stadtrat vortrug, sind bei der Neuanschaffung gleich mehrere Fehler passiert. Die Liste der Namen auf den Ersatztafeln geriet unvollständig. 164 stünden darauf, es hätten aber insgesamt 184 sein müssen. Einzelne Namen seien falsch geschrieben worden, auch manche Lebensdaten seien falsch gewesen. Zudem war die Liste ohnehin grundsätzlich falsch. Denn bei ihr geht es um die in Bad Kissingen gestorbenen und bestatteten Soldaten. Ihrer wird im Parkfriedhof schon gedacht. Für sie seien im rückwärtigen Bereich der Gedenkstätte vor dem Ehrenkreuz 184 Gedenksteine im Rasen eingelassen. Gestohlen hatten die Diebe aber die Tafeln mit Namen der gefallenen, vermissten und für tot erklärten Soldaten aus Bad Kissingen.

    Der erste Anlauf, die gestohlenen Gedenktafeln zu ersetzen, ging daneben. Es wurden gleich mehrere Fehler gemacht. Foto: Siegfried Farkas

    Aufwendige Recherchen haben nach Denners Angaben nicht nur die Liste der in Bad Kissingen gestorbenen Soldaten verbessert. Auch die 465 Namen von Bad Kissinger Opfern, die auf den gestohlenen Tafeln standen, habe man allesamt rekonstruieren können. Dazu seien weitere Namen gefunden worden, die bislang "noch nie aufgeführt waren" und nun ergänzt werden können.

    Vier Optionen vorgeschlagen

    Für die Gestaltung der Gedenkstätte im Parkfriedhof unterbreitete die Verwaltung dem Stadtrat vier Vorschläge, deren Kosten sie zwischen 69 000 und 83 000 ansetzte. Bei der Auswahl unter den vorgeschlagenen Optionen, folgte der Stadtrat mit großer Mehrheit der Empfehlung der Verwaltung. Dabei sollen zwei Wände mit Platz für Platten entstehen. Diese Wände bilden rechts und links eine Art Rahmen der halbrunden Gedenkstätte mit Blick auf das Ehrenkreuz. Diese Option ist zugleich die wirtschaftlichste.

    Die Namen der Soldaten sollen dabei einzeln auf Platten graviert und an den Wänden angebracht werden. Das sorge für Flexibilität und ermögliche eine schnelle Reaktion, "falls in der Zukunft noch weitere Namen hinzukommen" oder "Nachbesserungen" nötig seien. Die fehlerhaften Tafeln sollen ausgetauscht werden. Dazu kommt eine gesonderte Info-Stele. Die nötigen Ausgaben der Stadt sind mit insgesamt 150 000 Euro veranschlagt.

    Info-Stele mit QR-Code

    Die Info-Stele soll nicht nur die Gedenkstätte selbst erläutern. Sie werde mit einem QR-Code versehen, der Interessenten zu einer Internet-Seite der Stadt führt, auf der wiederum alle Namen "ersichtlich sind". 

    Der in BAd Kissingen gestorbenen Soldaten wird mit solchen Platten im Rasen bereits gedacht. Foto: Siegfried Farkas

    Für den Umgang mit den früheren Fehlern und den neuen Vorschlag, sprach der Stadtrat der Verwaltung einhellig große Anerkennung aus. Realisiert werden kann die Neugestaltung der Gedenkstätte allerdings erst im nächsten Jahr. Entstehen soll "ein würdiger Bereich der Stille, zum Gedenken und zum Verweilen", heißt es in einer Mitteilung des Rathauses im Nachgang zur Stadtratssitzung. Die nötigen Mittel werden in den Haushalt 2020 eingestellt.

    Liste wird öffentlich ausgelegt

    Um ganz sicher zu gehen, dass der zweite Anlauf möglichst alle Namen der Kriegsopfer erfasst, derer dort gedacht werden soll, legt die Stadt die entsprechende Liste öffentlich aus. Einzusehen ist die Liste vom kommenden Montag, 4. November, an während der allgemeinen Öffnungszeiten der Stadtverwaltung an der Infotheke im Rathaus. Damit werde Bürgern, "insbesondere denen, deren Angehörige auf den Gedenktafeln" genannt werden sollen,  die Möglichkeit geboten, "die Liste auf Vollständigkeit und Richtigkeit zu überprüfen".

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!