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    HAMMELBURG

    Geständnis: Warum Meyer-Burckhardt in Hammelburg las

    Hubertus Meyer-Burckhardt las in der Stadtbücherei. Dabei stand die Uhr im Hintergrund still. Foto: Wolfgang Dünnebier

    Die Lebensuhr tickt für uns alle unaufhörlich. Dafür sensibilisierte TV-Produzent, Fernseh-Talker und Autor Hubertus Meyer-Burckhardt mit seiner Lesung in der Hammelburger Stadtbücherei. Er las aus seinem jüngsten Buch „Diese ganze Scheiße mit der Zeit“. Es ist auf der Spiegel-Bestsellerliste mittlerweile auf Rang neun geklettert. Meyer-Burckhardts Plädoyer vor 150 Zuhörern: Bewusst leben und dabei keine Zeit verschwenden

    Um ein Fazit vorwegzunehmen: Es war keine Zeitverschwendung, sich an diesem Abend so abwechslungsreich mit dem Lauf der eigenen Dinge auseinanderzusetzen. Es überwogen die fröhlichen Momente. Aber es gab auch die stilleren Augenblicke, als der Autor von seinen inneren Konflikten im Umgang mit der Krebserkrankung erzählte, die 2017 bei ihm diagnostiziert wurde. Bisweilen hätte man in der Bücherei eine Stecknadel fallen hören können.

    Und der Einstieg hätte keine intimere Liebeserklärung an Hammelburg sein können. Durch eine Episode von 1982 bleibt die Saalestadt in Meyer-Burckhardts Bewusstsein verankert. Und die geht so: Als beinahe mittelloser Student hatte er auf der Autobahn in Höhe von Hammelburg ein Panne. Ein hilfsbereiter Mensch schleppte ihn in eine Werkstatt, wo man ihm versprach, das Auto über Nacht zu reparieren.

    Beim Warten auf dem Marktplatz, setzte sich eine Frau neben ihn. Man kam ins Gespräch. „Wir hatten eine wunderbare Nacht“, verriet Meyer-Burckhardt jetzt, 38 Jahre später. Und auch, dass der Monteur am nächsten Morgen nichts für die Reparatur verlangte, fällt ihm immer wieder ein, wenn er mal auf der Durchreise von Hamburg nach München ist.

    Durch das Geständnis Meyer-Burckhardts erfuhren die Zuhörer auch, warum er vergangenen Herbst bei Buchhändler Matthias Teltz anrief, um sich für seine Lesung zu empfehlen. Er gebe gerne etwas zurück. „Aber das soll ja jetzt kein Abend über das Abschleppen werden, witzelte der TV-Moderator zum Abschluss dieses ungeschriebenen Kapitels.

    Trotz vereinzelt auch flapsiger Witze war es alles andere als ein seichter Abend, sondern genau das, was sich Meyer-Burckhardt auch als TV-Produzent auf die Fahnen geschrieben hat: Schwierige Themen so zu behandeln, dass sie den Zuschauern schon mal ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

    Immer im kritischen Blick dabei der Umgang mit der Zeit und der oft gnadenlosen Hetze durch den Alltag. In der Mongolei gebe es den Ausdruck „Keine Zeit haben“ gar nicht. Immer wieder sollte man seine Rastlosigkeit überdenken und vermeintlich Unvernünftigem Raum geben.

    Durch eng getaktete philosophische Pointen und Weisheiten großer und kleiner Denker verging die Zeit wie im Flug. Der brillante Galopp des Autors durch seine Textpassagen gab kaum Raum zum Innehalten. Ein gutes Argument für die Zuhörer, das bei ihnen an dem Abend Aufgewühlte später daheim mit dem Bestseller vor Augen sacken zu lassen. Buchhändler Matthias Teltz, der den Abend zusammen mit der Stadtbücherei organisiert hatte, freute sich am Büchertisch über reißenden Absatz.

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