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    Helfen macht Herbert Kolb seit mehr als 50 Jahren glücklich

    Herbert Kolb wurde jetzt für sein ehrenamtliches Engagement von Innenminister Joachim Herrmann ausgezeichnet. Hier beauf... Foto: Peter Rauch

    Ein holziger Wohnzimmertisch auf dem zig Fotoalben liegen. Daneben Herbert Kolb, ein Mann der gern in Erinnerungen schwelgt. Ein Mann der sein Berufsleben nicht nur im Finanzamt verbracht hat. Er war nach seiner Ausbildung oft auswärts, ging zur Bundeswehr, aber kam doch immer wieder nach Bad Kissingen zurück.

    Vor ein paar Wochen wurde er von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in München dafür geehrt, dass er sich mehr als 50 Jahre ehrenamtlich engagiert.

    50 Jahre ist er bei der Wasserwacht aktiv, sogar noch mehr Jahre Mitglied bei der Feuerwehr, tätig im Modellflugverein und ehemaliger Mitwirkender im Schützenverein. „Wem ich das jetzt zu verdanken habe, dass ausgerechnet ich geehrt wurde, weiß ich nicht“, äußert er sich bescheiden.

    Herbert Kolb trifft, als er junge vierzehn ist, das erste Mal zufällig auf die Wasserwacht, um seinen Leistungsschein zu machen und absolviert dort mit achtzehn Jahren seinen Tauchschein. „Tja, und dann bin ich da geblieben“.

    Stolz erzählt er über die Unterschiede und die Entwicklung der Wasserwacht. Wo es früher an Platz gemangelt hat und sie bei der Feuerwehr untergebracht wurden, haben sie heute ein eigenes Vereinslokal, aus Kollegen wurden Freunde.

    Während früher das Kraftfahrzeug des Roten-Kreuzes mitbenutzt wurde, bekam die Wasserwacht in den 1980er Jahren ein eigenes Fahrzeug. Inzwischen gehören zwei Allradautos, zwei Boote und jede Menge Taucherausrüstung dazu. Herbert Kolb blickt auf die Fotoalben.

    Die Arbeit bei der Wasserwacht hat zwei Seiten. Sie ist körperlich wie auch psychisch hart, und so manches Erlebnis lässt einen auch nur schwer los: „Natürlich bergen wir auch Wasserleichen. Ist halt so.“ – Doch viele sind es zum Glück nicht.

    Herbert Kolb ist für Vieles dankbar. Für seine Wohnsituation hier im Raum Bad Kissingen, und dass er seine Enkel jeden Tag sehen kann, weil sie im gleichen Haus wohnen. Aber vor allem, dass er seit 44 Jahren eine glückliche Ehe hat. „Eines muss man schließlich auch sagen – wenn die Frau da nicht mitmacht, dann hast du schlechte Karten.“

    Warum beteiligen sich nicht mehr Leute am Ehrenamt? Herbert Kolb ist der Meinung, dass es mehrere Gründe dafür gibt. Einer sei, dass vor allem den Jugendlichen zu viel geboten wird, wie das Internet und das Fernsehen.

    Außerdem würden sie sich nicht mehr so an die Arbeit binden wollen, obwohl es ein tolles Gefühl ist, wenn man der Gesellschaft etwas zurück geben kann, findet er. Das gefällt ihm am besten. Und es sieht so aus, als ob ihn das zu einem glücklichen Menschen gemacht hat.

    Auch Herbert Kolb würde sich über mehr Unterstützer der ehrenamtlichen Arbeit freuen. „Man sollte doch ein bisschen was für die Allgemeinheit tun.“ Er lächelt und wirft wieder einen Blick auf seine Alben.

    Und dann fällt ihm noch etwas ein, was er so schnell nicht vergessen wird: Er ist, neben seiner normalen Arbeit bei der Wasserwacht, auch Trainer, und musste vor einiger Zeit etwas länger aussetzen.

    Als er wieder zum Training erschien, kam ein kleines Mädchen aus seinem Team auf ihn zu und meinte, dass „das Training ohne dich frei nicht schön“ gewesen sei. Herbert Kolbs Augen leuchten. „Das ist doch klasse oder?“

    Herbert Kolb nimmt sich das oberste Fotoalbum, klappt es auf und schaut sich das erste Bild an. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein privates Foto, sondern um einen Zeitungsbeitrag über die Bad Kissinger Wasserwacht – vom 12. November 1976. Wie schnell doch die Zeit vergeht.

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