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    BAD KISSINGEN

    Hoffen auf Initialzündung für Erneuerung in der Altstadt

    Der Bereich zwischen Weidgasse und Bräugasse ist eine Problemzone der Kissinger Altstadt. Manche Häuser dort bröseln seit Jahren vor sich hin. Jetzt aber tut sich was. Die in Leipzig ansässige S. u. Z. Immobilien Ltd. will die Anwesen Weidgasse 5 bis 9 abreißen und durch Neubauten ersetzen. Die Bauvoranfrage für das Projekt segnete der Stadtrat am Mittwochabend mit Mehrheit ab.

    Geschäfte und Wohnen

    Entstehen sollen nach Angaben von Klaus Abert, dessen Architektur GmbH mit den Planungen beauftragt ist, Gebäude, die Geschäftsnutzung und Wohnnutzung vereinen. Für den Bereich des Erdgeschosses seien Geschäfte vorgesehen, mindestens drei, wie Abert am Mittwoch auf Anfrage erklärte. Die Geschosse darüber sind für Wohnungen reserviert.

    Wie genau sich die fürs Wohnen vorgesehenen Bereiche aufteilen, sei noch nicht genau ausgeplant, hieß es aus Aberts Büro dazu. Das hänge auch von den Vorstellungen der künftigen Nutzer ab. Gedacht sei grundsätzlich an elf Wohnungen, erklärte Rudolf Siebenborn, Gesellschafter von S. u. Z. Immobilien, am Mittwoch im Gespräch mit dieser Redaktion.

    Apotheke, Bäckerei mit Café und Büro

    Für die Geschäftsnutzung im Erdgeschoss steuert er nach eigenen Angaben eine Besetzung mit einer Apotheke, einem Café mit Bäckereifiliale und einem Versicherungsbüro an. Baulich, so Aberts Büro, sollen sich die neuen Gebäude harmonisch in die Umgebung einfügen. Da werde kein monolithischer Block geplant. Das Projekt bemühe sich vielmehr um altstädtische Gliederung.

    Wenn alles gut geht, werde im nächsten Frühjahr mit dem Bau begonnen, sagte Siebenborn. Mit der Fertigstellung rechnen er und Abert dann für Ende 2019.

    5,5 Millionen Gesamtinvestition

    Im Zusammenhang mit der nachbarrechtlichen Genehmigung habe sein Unternehmen in der Weidgasse auch die Anwesen 12 und 13 gekauft, ergänzte Siebenborn am Mittwoch. Diese würden 2019 auch noch saniert. Insgesamt summiere sich die Investition von S. u. Z. Immobilien in dem Bereich damit auf 5,5 Millionen Euro, erklärte Siebenborn. Die entstehenden Einheiten würden in Teileigentum verkauft.

    Der Stadtrat beschäftigte sich am Mittwoch auf Basis umfangreicher Informationen der städtischen Bauverwaltung ausführlich mit dem Projekt. Wie Stadtplanerin Christine Schwind berichtete, ist auch das Landesamt für Denkmalpflege einbezogen worden, weil die Denkmalschützer die betreffenden Gebäude als „stadtbildprägenden und charakteristischen Bestand“ innerhalb des geschützten Ensembles der Altstadt betrachten. Man habe aber festgestellt, dass sich die Bauten zum Teil in schlechtem Zustand befinden. Vor allem das Haus Weidgasse 8 weise große Schäden auf. Zum Teil seien die Räume auch sehr klein und Decken sehr niedrig.

    Abstimmung mit dem Denkmalschutz

    Das Landesamt habe daher eine Dokumentation des Bestands, punktuelle Bauforschung bei den Häusern Nummer 7 und 8 sowie die Prüfung des Erhalts stadtbildprägender Substanz gefordert. Nicht Stadtbildprägendes und Teile, deren Erhalt unzumutbar ist, sollten durch ensemblegerechte Bauten ersetzt werden. Auch wenn die Ergebnisse der Bauforschung noch nicht vorlägen, sei die Anliegen in den Gesprächen mit dem Bauherrn aufgenommen worden. Für das Haus Weidgasse 7, das die Ansicht vom Klieglplatz her maßgeblich bestimmt, sei dabei ein Ersatz erarbeitet worden, „der die alten historischen Strukturen aufnimmt und in einer neuen Sprache wieder abbildet“.

    Grundsätzlich empfahl die städtische Bauverwaltung dem Stadtrat, dem in den Gesprächen mit dem Bauwerber erarbeiteten Entwurf zuzustimmen. Das Projekt füge sich von seiner Höhe her in die Umgebung ein. Die überbaute Fläche sei mit dem Bestand vergleichbar. Die vorgegebenen Abstandsflächen halte der geplante Bau zwar nicht ein. Angesichts der historisch dichten Bauweise, tue das aber auch die umgebende Bebauung nicht.

    Grundsätzlich alle dafür

    Schon während der Debatte signalisierten praktisch alle im Rat vertretenen Gruppen Zustimmung. Oberbürgermeister Kay Blankenburg etwa sagte, wenn damit eine „Initialzündung“ erfolge und „einer zeigt, da kann man was ganz Schmuckes draus machen“, dann sei das in seiner Wirkung für die Entwicklung der Altstadt an dieser Stelle kaum zu überschätzen: „Noch dazu, wenn das Ergebnis denkmalschutzrechtlich akzeptabel ist“.

    Dissens in einer Detailfrage

    Dennoch gab es bei der Entscheidung acht Gegenstimmen. Das ist jedoch kein Hinweis auf Abneigung gegen die Verbesserung der Situation dort. Vielmehr hatte es mit einem weiteren Wunsch des Bauherrn zu tun. Dabei geht es um einen Grundstückszwickel zwischen Judenhof und Wahlerbräuparkplatz. Der soll zum Teil überbaut werden, wofür sieben Pkw-Stellflächen verloren gehen. Das gefiel einigen Ratsmitgliedern nicht, es war aber in den Gesamtbeschluss eingebunden.

    Dass der Bauherr durch Tausch oder Kauf außerdem ein städtisches Grundstück übernehmen will, um einen Durchgang zwischen Weidgasse und Wahlerbräuparkplatz zu öffnen, war nicht strittig. Ebenfalls nicht, dass er für die geplante Bäckerei mit Café zum Wahlerbräuparkplatz eine Terrasse ansteuert. Sie soll nur etwas kleiner werden, als der Bauherr jetzt noch will.

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