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    Aura an der Saale

    Keine Spur von Winterschlaf

    Nach dem Rathaussturm, bei dem sich die Faschingsfreunde noch etwas zaghaft aus ihrem Reich wagten, schlugen die Auraer Narren in ihrer ersten Prunksitzung umso energischer zu und räumten gründlich auf mit dem Verdacht, sie könnten im Winterschlaf liegen. Pointen, Gags und rassige Gardetänze garnierten den heißen Abend in der Festhalle, der vor allem den Einheimischen gewidmet war.

    Unter den vielen Highlights traten zwei Akteure hervor - Bianca und Andreas Troll -, die das Zwerchfell des Publikums attackierten. Als älteres, heimisches Ehepaar hingen sie das ganze Jahr am Fenster und persiflierten so Ereignisse, die nicht in der Zeitung oder im Gemeindeboten standen.

    Zwei Strauße in der Garage

    Zum Beispiel die Ehefrau, die morgens ihr Auto aus der Garage holen wollte, sich mit zwei Straußenvögeln konfrontiert sah und schreiend davonrannte. Oder die drei jungen Auraer Damen, die um 23 Uhr eine Discothek in der Kreisstadt besuchen, aber nicht selber fahren wollten. Sie holten den Opa aus dem Bett, der bei der Rückfahrt, weil sich ein Pantoffel zwischen den Pedalen verhedderte, einen Kleinbus rammte.

    Auch der Gemeinderat-Berichterstatter erhielt eine närrische "Schelle". Von der Tageslast ermüdet und ob des sich wiederholenden Themas, verfiel er in einen Drei-Minuten-Schlaf. Hans-Jürgen Kaiser, Gemeinderat und scharfsichtiger Vorstandsnarr, verarbeitete dies zum Bütt-Beitrag.

    Viel Arbeit für ein Bühnenbild

    Für ihre Airport-Show brauchten die Faschingsfreunde natürlich eine neue Bühnendekoration, deren Fertigung Marion Schmitt und Holger Wörner übernommen hatten. "Die Flughafen-Idee hatte Andreas Troll. Wir haben Vorlagen gesichtet, mit einem Overhead-Projektor an die Wand geworfen und ausgemalt. Für das zehn mal vier Meter große Bühnenbild malten wir zwei Wochen lang täglich drei Stunden", informiert Schmitt.

    Beide Akteure zeichneten auch für andere Bühnendekorationen verantwortlich, wie das Weltraum-Deko oder das Western-Szenario. Die talentierten Hobbymaler sind zudem maßgeblich an der Bemalung der Faschingswagen beteiligt. Holger Wörner kreiert vier bis fünf, Marion Schmitt bis zu sechs Wagen des Faschingszugs.
    Erstmals im Auraer Fasching dabei war die Aschfelder Karnevals-Gesellschaft (AKG). Gerd Matuschka von der AKG knüpfte im vorigen Jahr mit Manuel Kolb, dem Sitzungspräsidenten der Faschingsfreunde, den Kontakt. Mit Prinzenpaar und Elferrat angereist, brachten die "Oschfalder" auch ihre Garde mit, die einen schmissigen Tanz auf die Bühne legte.

    Apropos Garden: Die Auraer Tanzmädels haben einen fabelhaften Ruf in der Region. Insbesondere drei Garden, die "Wild Cats", die "Dance Generation" und die "Wilde 14", konkurrieren in der "fünften Jahreszeit" mit ihrem Show-Tanz um die Gunst des Publikums.

    Ob das nostalgische Glitter-Potpourri der "Wild Cats", die überaus gelungene Präsentation à la Italia der "Dance Generation" oder der temperamentvolle Beitrag der "Wilden 14" - hohe Anerkennung verdienen alle für eine Top-Leistung.


    Was so alles geboten wurde

    Natürlich verfügt der Fasching der Auraner über weit mehr als die dargestellten Programmpunkte. Im puncto Tanz sei der Showtanz der "Tanzmäuse" als Bautrupp im Airport sowie der eloquente Gardetanz der Prinzengarde nicht vergessen ebenso wie Tanzmariechen, Carolin Mock, das eine sehenswerte, konzentrierte Solo-Einlage präsentierte.

    Eine "Ulknudel"-Show gab die "Zollkontrolle" zum Besten. Zöllnerin Karin Kaiser wunderte sich nicht schlecht, was so alles im heimischen Flughafen eintrudelte. Queen Elizabeth, deren " dear son" über der Ruine Aura mit dem Fallschirm absprang und dabei schwarz-weiße Schottland-Rinder sichtete, Bürgermeister und Gemeinderäte, die aus Dubai landeten wo sie Sand für die Erneuerung des Dorfplatzes bestellten oder der Dirndl-gekleidete und frisch gebackene Weltmeister Thomas Müller, der allerdings nicht als Stürmer beim SV Aura eintritt.
    Sitzungspräsident "Man U" sichtete auch "geschlechtlich Desorientierte" - wie Conchita Wurst, die als erstes weibliches Mitglied in den Bart-Club Aura eintreten will. Ulli Hoeness stattete bei seinem Freigang Aura einen Besuch ab und Helene Fischer wurde nicht nur gesichtet sondern auch mehrmals - gnaden- und atemlos - gehört. Sie fand in Andreas Troll ihren Nachahmer, der sogar zwischen den Gläsern der Gäste auf den Tischen den atemraubenden Song schmetterte.

    Neu war die "Feierwehr-Kapelln" unter Leitung von Johannes Hammerl, die nicht gerade als Sinfonie-Orchester bezeichnet werden kann aber immerhin den Frankenlied-Marsch mit nur wenigen Misstönen spielte. Dafür vermisste man allerdings das Männerballett.

    Lob verdient auch die Winter-Olympiade. Es ist kaum zu glauben welche Rekordhalter der kleine Ort vorweisen kann. Cineastisch in Szene gesetzt, begrüßte Moderator Christian Albert die Olympioniken auf der Bühne, die sich in Sotschi Gold verdienten, zum Beispiel mit einem gewagten Skisprung von der Schwimmbadrutsche oder einem "Blattschuss" des Ski-Jägers Kolb im Rechtler-Wald.

    Last not least gab es aber auch einen Sportmuffel in Aura. Anja Schmitt bewies in der modernen Folterkammer, dem Fitness-Studio, ihre Bereitschaft, die augenscheinlichen, überflüssigen Pfunde zu eliminieren. Freilich war sie hinterher - atemlos.



    Winfried Ehling

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