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    Bad Kissingen

    Kommentar: Stadt hat bei den Gedenktafeln aus Fehlern gelernt

    Die Stadt Bad Kissingen hat im Umgang mit den eigenen Fehlern beim Ersatz von gestohlenen Gedenktafeln für Kriegsopfer Demut gezeigt. Und dadurch an Statur gewonnen.

    Normalerweise ist es gar nicht möglich, auf einmal so viel falsch zu machen, wie im ersten Anlauf, die gestohlenen Gedenktafeln für Kriegsopfer im Parkfriedhof zu ersetzen, falsch gemacht worden ist. Erstens wurde die falsche Gruppe von Opfern des Zweiten Weltkriegs ausgewählt, nämlich die Gruppe jener Soldaten, die in Bad Kissingen gestorben sind und begraben wurden. Zu ersetzen waren aber eigentlich die mit den gestohlenen Tafeln verschwundenen Namen der gefallenen, vermissten und für tot erklärten Kissinger. Darüber hinaus waren die Ersatztafeln aber nicht nur in der grundsätzlichen Auswahl falsch, sondern in sich auch noch unvollständig sowie in Einzelfällen bei Schreibweisen von Namen und Lebensdaten fehlerhaft.

    Aus dieser Auflistung von Fehlleistungen hätte man einen großen Vorwurf gegen die Stadtverwaltung ableiten können. Als all diese Fehler diese Woche im Stadtrat beschrieben wurden, kam aber am Ende ein großes Lob heraus. Und das zu Recht.

    Denn das Rathaus ist letztlich nicht der Versuchung erlegen, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Die Verwaltung hat die beschriebenen Fehlleistungen selbst zusammengetragen. Und sie hat daraus für den zweiten Anlauf, die gestohlenen Kupfertafeln zu ersetzen, gelernt.

    Klug ist außerdem, die Liste mit den Namen der Kriegsopfer, an die mit der Gedenkstätte im Parkfriedhof erinnert werden soll, öffentlich auszulegen. Das gibt angesichts der heute gewiss nicht mehr einfachen Recherchen, ob wirklich alle nötigen Namen erfasst sind, den Familien der Opfer die Möglichkeit, die Liste auf Vollständigkeit und Richtigkeit zu überprüfen. Die Nachkommen und Verwandten der Opfer sind dafür bestimmt sehr dankbar.

    Die Zeit, die man den Familien dafür lassen muss, kann die Stadt außerdem nutzen, um selbst noch einmal über eine Frage nachzudenken: Die fehlerhaften Ersatztafeln sollen ausgetauscht werden. Dabei hat die Verwaltung im Stadtrat doch dargelegt, dass die missglückte Beschaffung dieses Ersatzes eigentlich völlig überflüssig war, weil im rückwärtigen Bereich der Gedenkstätte ohnehin Gedenksteine für diese Gruppe von Opfern in den Boden eingelassen sind. Genügt es da nicht, die missglückten Ersatzplatten einfach zu entfernen?

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