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    Burkardroth

    Lesen ist wieder Trend

    Nicht nur Kinder, sondern auch immer mehr Erwachsene greifen in ihrer Freizeit zur Lektüre.
    Amelie Götz hat die meisten Bücher im Regal hinter ihr schon gelesen. Deshalb sucht sie mit der Leiterin der Katholischen Öffentlichen Bücherei, Elisabeth Kuhn, nach einem neuem Lesestoff.  Foto: Kathrin Kupka-Hahn       -  Amelie Götz hat die meisten Bücher im Regal hinter ihr schon gelesen. Deshalb sucht sie mit der Leiterin der Katholischen Öffentlichen Bücherei, Elisabeth Kuhn, nach einem neuem Lesestoff.  Foto: Kathrin Kupka-Hahn
    Amelie Götz hat die meisten Bücher im Regal hinter ihr schon gelesen. Deshalb sucht sie mit der Leiterin der Katholischen Öffentlichen Bücherei, Elisabeth Kuhn, nach einem neuem Lesestoff. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
    Zwanzig Bücher in zwei Wochen. Das ist das aktuelle Lesepensum von Amelie Götz, eine echte Leseratte. Die zehnjährige Wollbacherin würde sich jetzt in den Sommerferien noch mehr Bücher holen, doch da streikt der Computer der Katholischen Öffentlichen Bücherei (KÖB) Burkardroth. "Mehr Medien können pro Person nicht ausgeliehen werden", erklärt Elisabeth Kuhn, die die Einrichtung im Burkardrother Pfarrheim schon seit vielen Jahren ehrenamtlich
    leitet.
    Amelie ist momentan das Mitglied der Bücherei, das am meisten ausleiht, die aktuelle Rekordhalterin. 228 Leser aus dem Markt Burkardroth nutzen derzeit das Angebot der KÖB, das etwa 6000 Medien umfasst. "Mit Lesen kann man sich gut die Zeit vertreiben", erklärt die Schülerin, warum sie ausgerechnet diese Freizeitbeschäftigung so mag. "Am liebsten lese ich Fantasiegeschichten", sagt das Mädchen, solche mit Pferden hingegen sind überhaupt nicht ihr Fall.


    Spannende Detektiv-Geschichten

    Zu Amelies aktuellen Favoriten gehören vielmehr Erzählungen mit "den magischen Tieren" und die Geschichten der Buchreihe "Lotta-Leben", in der es um die Erlebnisse der Mädchenbande "Die Lämmer-Girls" geht. Parallel dazu verschlingt sie auch die spannenden Detektivromane aus der Kinderbuchreihe "Die drei Ausrufezeichen" - das Pendant zu den drei Fragezeichen für Mädchen. "Ich stelle mir immer vor, wie sie (die Detektivinnen Kim, Franzi und Marie) den Fall lösen", erklärt Amelie.
    Ihre Mutter Manuela Götz freut sich über die Lesebegeisterung ihrer Tochter. "Es ist total schön, sie in ein Buch vertieft zu sehen", sagt sie. Zudem zeige es, dass die Freizeitgestaltung heutzutage auch ohne Handy und Tablett funktioniert.
    Bei Kindern liegt das Lesen schon seit Jahren im Trend, bestätigen nicht nur Umfragen, sondern auch KÖB-Leiterin Elisabeth Kuhn. "Der Großteil unserer Leser ist unter zwölf Jahre alt", sagt die 66-Jährige. Entsprechend beträchtlich ist der Fundus an Büchern für diese Altersklasse, er umfasst aktuell 2700 Werke. Zum Vergleich: Für Erwachsene und Jugendliche gibt es "nur" 2182 Bücher.


    Leseförderung

    Dass Kinder so viel lesen, liegt unter anderem auch daran, dass regelmäßig Aktionen zur Leseförderung stattfinden, sowohl in den Kindergärten als auch in den Schulen. So veranstaltet die Bücherei Burkardroth beispielsweise jedes Jahr das Bibfit-Programm mit den Vorschulkindern, andere laden regelmäßig zu Vorlesestunden ein.
    Martin Eisenmann von der Buchhandlung in Bad Bocklet verleiht an Kindergärten und Schulen im Landkreis sogar Bücherkisten. Daher weiß der 38-Jährige, der sein Geschäft seit 2009 in dem Kurbad betreibt.: "Die Kinderbuchklassiker werden gerne gelesen, aber auch Fantasiegeschichten und Gregs Tagebücher."
    Allerdings gehören Kinderbücher momentan weniger zu den Verkaufsschlagern in Eisenmanns Laden. "Wenn die Außenaktivitäten zunehmen, dann lesen Kinder einfach weniger", so seine Erfahrung.


    lesen verlängert das Leben

    Ganz anders sieht das aktuelle Kaufverhalten der Erwachsenen aus, denn die nutzen die Urlaubszeit wieder verstärkt zum Lesen. "Es ist kurios, aber pünktlich am 1. Juli steigt bei mir der Umsatz, da sich jeder mit Urlaubslektüre eindeckt", so der Buchhändler. Eisenmann ist selbst begeisterter Leser. "Man lernt das weite, das selbstständige Denken wieder", sagt er. Wissenschaftler der amerikanischen Yale University haben in einer Studie herausgefunden, dass Lesen sogar das Leben verlängern kann. Denn diese Freizeitbeschäftigung habe viele positive Auswirkungen auf die Gesundheit - es fördere die Kreativität und Fantasie, helfe mit, dem Alltag zu entfliehen und eröffne neue Horizonte. Martin Eisenmann kann das nur bestätigen.


    Regionale Romane sind gefragt

    Besonders gefragt sind derzeit Romane mit regionalem Bezug, wie beispielsweise die Krimis von Zeno Diegelmann, die vom Fuldaer Kommissar Seeberg handeln, und Hans-Henner Hess, der den Anwalt Fickel in Südwestthüringen ermitteln lässt. "Die Menschen besinnen sich wieder verstärkt auf ihre Heimat, auf ihre Wurzeln", schätzt der Buchhändler ein. Blutrünstige Thriller sind in seinem Laden, in dem sowohl Einheimische als auch Kurgäste einkaufen, inzwischen kein Trend mehr. Außergewöhnlich ist, dass jetzt im Sommer auch gerne erotische Literatur gekauft wird. "Was seit einigen Jahren immer geht, sind die Bücher von Jojo Moyes", fügt er hinzu. Deren Romane sind Liebesgeschichten, meistens mit Happy End. Das zeige, dass sich viele Leser für Geschichten von glücklichen Menschen interessieren.
    Einen bestimmten Trend bei ihren erwachsenen Nutzern kann Elisabeth Kuhn in der Bücherei Burkardroth nicht ausmachen. "Wir haben unsere Stammleser und die lesen Querbeet oder entscheiden sich je nach Stimmung, ", sagt sie. Da könne es schon passieren, dass eine passionierte Krimileserin zwischendurch mal eine Liebesgeschichte braucht. Deutsche Krimis mit regionalem Bezug, wie etwa von Rita Falk oder von Andreas Franz sind auch hier sehr gefragt. "Und historischen Romane werden auch gerne gelesen", fügt sie hinzu. Sie selbst mag momentan Bücher zum aktuellen Zeitgeschehen.
    Inzwischen hat Amelie die Regale nach weiteren Leseschmankerl abgesucht, was gar nicht so einfach ist. Denn viele der Bücher hat sie schon gelesen. Dennoch ist sie fündig geworden. Doch leider ist ihr Ausleihpensum schon erschöpft. "Dann nimmst du die Geschichte 'Und täglich grüßt der Camembert' halt das nächste Mal mit. Ich werde es für dich reservieren", sagt Elisabeth Kuhn zu der jungen Leserin.
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    Kathrin Kupka-Hahn

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