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    BAD KISSINGEN / BAD BRÜCKENAU

    Liebe zum Bauen und zu Frauen: Ludwig I. starb vor 150 Jahren

    König Ludwigs Geliebte Lola Montez
    König Ludwig I. war als Mensch nicht alltäglich, das dokumentiert auch sein Todestag, das war der 29. Februar des Jahres 1868. Foto: Repro dpa

    Bad Kissingen hätte mancherlei Gründe, sich den Königstreuen anzuschließen. Vor allem dem vor 150 Jahren gestorbenen König Ludwig I. hat die Stadt viel zu verdanken.

    Es gibt tatsächlich noch Königstreue in Bayern. Ihr in Oberammergau ansässiger Verband dient nach seinen eigenen Worten der „Pflege des bayerischen Brauchtums, der bayerischen Sprache und der Historie sowie der Erforschung der Bedeutung Bayerns zur Zeit der bayerischen Könige.“ Bad Kissingen hätte mancherlei Gründe, den Königstreuen beizutreten. Der Zeit der bayerischen Könige hat die Stadt die rasante Entwicklung vom verschlafenen Landstädtchen zum Weltbad der Belle Epoque zu verdanken.

    Fundament für den Aufstieg

    Der Verband hat nur einen Fehler. Er ist ein bisschen zu sehr auf Ludwig II. ausgerichtet. Der hat Kissingen nur das Prädikat „Bad“ überlassen und außerdem 2000 Gulden für die Armen der Stadt bei einem Besuch im Nachgang zum Kissinger Gefecht im Bruderkrieg von 1866. Ludwig I. dagegen legte mit seinen Bauten in der Stadt das Fundament für den Aufstieg. Der neben seinem Lieblingssohn und späteren Prinzregenten Luitpold aus Kissinger Sicht bedeutendeste Wittelsbacher starb vor 150 Jahren. Dass Ludwig I. seinen Zeitgenossen und der Geschichtsschreibung als ungewöhnlicher, widersprüchlicher sowie ganz und gar nicht alltäglicher Mensch galt und gilt, macht sich irgendwie auch an seinem Todesdatum bemerkbar. Es ist der 29. Februar.

    Prägende Bauten

    Hinterlassen hat der 1786 in Straßburg geborene Ludwig der Stadt etliche prägende Bauten des königlichen Architekten Friedrich von Gärtner. Arkadenbau und Ludwigsbrücke gehören noch heute zum Stadtbild. Das evangelische Gebetshaus wurde durch spätere Erweiterung zur Erlöserkirche. Das Krugmagazin an der Kurhausstraße steht ebenfalls noch, wartet aber auf sinnvolle Nutzung. Nur der eiserne Brunnenpavillon, ein zu seiner Zeit richtungsweisendes Gusseisenbauwerk, musste drei Generationen später der Wandelhalle weichen, leider.

    Der Unterschied zwischen Ludwig I. und seinem Enkel Ludwig II. lässt sich an einem Zitat des älteren gut belegen. Während Ludwig II. schon an den aus Kissinger Sicht falschen Orten baute und mit seinen Bauten auch nur seine eigenen Träume verwirklichte, dachte Ludwig I. nicht zuletzt an die Finanzen und die Entwicklung des Königreichs: „Bei so wirksamen Bädern ist es staatswirtschaftlich auf Zinsen gelegtes Geld, für die erforderlichen Baulichkeiten zu sorgen. Ich wünsche demnach (...), dass gebaut und dass gut gebaut werde, nicht prächtig“, wird er im 1200-Jahr-Buch der Stadt zitiert,

    Enge Beziehung zu Brückenau

    Als Bauherr nicht weniger bedeutsam war Ludwig I. für Brückenau. Auch dort sind die Spuren des Wittelsbachers bis heute sichtbar. Ludwig hinterließ im Staatsbad bedeutsame Bauten, unter anderem das imposante Kursaalgebäude. Ludwigs persönlicher Bezug zum Ort selbst war bei Brückenau sogar noch enger als bei Kissingen. Zwischen 1818 und 1862 hielt er sich nach Zählung der Brückenauer insgesamt 26-mal dort auf. In manchem Sommer, so das Staatsbad, sei Bayern vom Brückenauer Fürstenhof aus regiert worden.

    Lola Montez war sein Schicksal als König

    Auch Ludwigs Schicksal als König ist an seiner Geschichte mit Brückenau besser abzulesen als am Bezug zu Kissingen. Ludwig dankte 1848 in der Folge von bürgerlichen Unruhen als König ab. Einen äußeren Anlass dieser Unruhen lieferte die irische Tänzerin Elizabeth Rosanna Gilbert, bekannt als Lola Montez, die 1846 die Geliebte des Königs geworden war. 1847 traf sich Ludwig in Brückenau mit seiner Geliebten, die damals im Löwen wohnte, einer Villa unterhalb des Fürstenhofs. In Kissingen dagegen traf Ludwig nur einmal Gemahlin Therese.

    Seine Denkmäler in Bad Brückenau (vor dem Kursaalgebäude) und in Bad Kissingen vor dem Arkadenbau im Kurgarten sowie seine Rolle als Historische Persönlichkeit beim Rakoczy-Fest hat Ludwig I. sich durch rege Bautätigkeit redlich verdient. Ludwig II. dagegen muss sich in Bad Kissingen mit einer Büste im Weißen Saal begnügen.

    Weitere Würdigungen?

    Vielleicht kommt ja zur steinernen Würdigung für Ludwig in Kissingen heuer noch eine aus Blech hinzu. Erinnerungstage für Historische Persönlichkeiten sind für den Verein der Freunde und Förderer des Rakoczy-Fests gern genommene Anregungen zur Illustration des Pins fürs Fest. Um diese Ehre konkurrieren in diesem Jahr gleich zwei Historische: Friedrich von Hessing, der vor genau 100 Jahren, am 16. März 1918. starb. Und eben Ludwig I.

    Die Kissinger wissen, was sie an Ludwig I. hatten. Im Kurgarten setzten sie ihm deshalb ein Denkmal. Foto: Siegfried Farkas
    Ludwig I.
    Ludwigs Denkmal vor dem Kursaalgebäude in Bad Brückenau Foto: Siegfried Farkas
    Historische Persönlichkeit: Ludwig I. (Darsteller Holger Buczynski) beim Rakoczy-Fest mit Gattin Therese. Foto: Siegfried Farkas

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