• aktualisiert:

    Maria Bildhausen

    Maria Bildhausen hat das etwas andere Hotel

    Bislang konnte man nur im Gasthof übernachten. Jetzt kann man auch im Konventgebäude Zimmer buchen – und das sogar übers Internet.
    Jetzt gibt es im Kloster auch ein Hotel, in dem ein Team aus den Werkstätten die Gäste betreut. Im Bild Sandra Mohr vom Zimmerservice.
    Jetzt gibt es im Kloster auch ein Hotel, in dem ein Team aus den Werkstätten die Gäste betreut. Im Bild Sandra Mohr vom Zimmerservice. Foto: Isolde Krapf

    Die alte Zisterzienser-Abtei in Maria Bildhausen präsentiert sich mal wieder ganz modern. Anfang Februar wurde dort  ein KlosterHotel eröffnet, das natürlich, wie nicht anders zu erwarten war, von den Menschen mit Handicap selbst betreut wird. Offenbar hat sich die Übernachtungsmöglichkeit am Rande der Rhön inzwischen bereits herumgesprochen. Denn 2019 werden die freien Kapazitäten im Buchungskalender allmählich knapp, sagt Einrichtungsleiter Matthias Erlwein. "Wir haben sogar schon Anfragen für 2020."

    Seit 2014 stehen im Klostergasthofbereits 13 Zimmer für Übernachtungsgäste bereit. Zwölf weitere Räume wurden dann 2018 im Konventgebäude hergerichtet. Denn seit man in Maria Bildhausen auch Hochzeiten und Geburtstage feiern kann, ist der Gasthof vor allem an den Wochenenden stets gut gebucht. "Wir haben bald gemerkt, dass wir mehr Zimmer brauchen, weil wir immer wieder Tagungsgäste haben und die Teilnehmer unserer Kloster-Akademie auch manchmal hier übernachten wollen", sagt Erlwein. Mit 25 Zimmern sei man nun für die Zukunft gut gerüstet.

    Bei Schulungen das Wissen vertiefen

    Blick in ein Zimmer des neuen Hotels.
    Blick in ein Zimmer des neuen Hotels. Foto: Isolde Krapf

    Zwölf Beschäftigte mit Handicap kümmern sich im KlosterHotel und der Gaststätte um alles, was den Aufenthalt der Gäste angenehm macht. Fünf von ihnen arbeiten in der Küche, sieben sind im Service und im Hotelbereich tätig. Es fanden zunächst Schulungen statt und natürlich müssen die Beschäftigten ihr Wissen auch immer mal auffrischen, sagt der zuständige Gruppenleiter Benedikt Gutermuth. Er und seine Kollegen begleiten die Hotelmitarbeiter auf ihrem neuen Weg. Für den ein oder anderen Beschäftigten mit Unterstützungsbedarf komme dann auch mal ein anderer Aufgabenbereich dazu. Gutermuth: "Es ist ein wachsender Prozess, der immer besser klappt." 

    Dass im Hotel und im Gasthof ein motiviertes Team bereit steht, komme bei den Gästen sehr gut an, hat Einrichtungsleiter Erlwein beobachtet. "Es macht den Charme des Hauses aus." Die Besucher spüren, dass dieses "etwas andere Hotel" Besonderes zu bieten hat. "Denn der Profit steht nicht im Vordergrund, sondern das Bestreben, die Menschen mit Handicap an die Arbeit heranzuführen. Wir wollen ihnen Kompetenzen und dann auch Verantwortung mit auf den Weg geben." Wer hierher zum essen kommt oder sich ein Zimmer mietet, spüre die besondere Atmosphäre des Hauses, sagt Erlwein. "Bei uns geht's um Menschliches."

    Heterogene Gruppe von Gästen

    Das wissen auch die Gäste sehr zu schätzen, sagt Sandra Mohr (Bad Königshofen), die seit 2003 in den Bildhäuser Werkstätten arbeitet. Zuletzt hat sie in der Manufaktur für Kunstgewerbe mit viel Kreativität schmucke Gegenstände aus Ton gefertigt. Als dann im Jahr 2014 mehrere Bewerber für die Gaststätte und das Hotel gesucht wurden, habe sie das sofort interessiert. Eigentlich wäre sie auch gern Kindergärtnerin geworden. "Ich wollte auf jeden Fall beruflich immer etwas mit Menschen zu tun haben", sagt die 33-Jährige. Heute ist Sandra Mohr stolz darauf, dass sie diesen Schritt gewagt hat. Sie möchte ihre Stelle im Service und im Hotel nicht mehr gegen etwas anderes eintauschen. "Ich habe hier gefunden, was ich brauche."

    Das ehemalige Konventgebäude der Klosteranlage Maria Bildhausen
    Das ehemalige Konventgebäude der Klosteranlage Maria Bildhausen Foto: Isolde Krapf

    Was die Hotelgäste angeht, handle es sich um eine "recht heterogene Gruppe von Leuten", sagt Gruppenleiter Gutermuth. "Es waren schon Leute aus Neuseeland, Portugal, Dänemark und England hier, denn im Prinzip kann jeder bei uns buchen." Für solche, die komplett abschalten wollen, bietet man im KlosterHotel sogar Offline-Zimmer an, so Gutermuth weiter. Ohne Fernseher, Computer und Smartphone (kein WLAN) kämen die Gäste dann vermutlich sehr schnell in den Ruhe-Modus.

    Zudem halten auch immer wieder größere Firmen in Maria Bildhausen Klausurtage oder Teambildungs-Tage ab. Zu den Veranstaltungen der Kloster-Akademie checken ebenfalls Besucher ein und an den  Wochenenden reisen oft Hochzeitsgäste an. Aber natürlich soll das KlosterHotel künftig auch für Menschen mit Handicap zum interessanten Reiseziel werden.

    Zertifizierung durch die Dachmarke Rhön

    Deshalb hat sich der Hotelbetrieb nach dem behindertengerechten Ausbau der Zimmer im Jahr 2018 von Vertretern der "Dachmarke Rhön" zertifizieren lassen. Geprüft wurde von den Fachleuten damals, wie gut sich Gäste mit Unterstützungsbedarf in und außerhalb der Hotelzimmer zurechtfinden, sagt Einrichtungsleiter Erlwein. Nicht in jedem Hotel könne man aber für alle Arten von Behinderungen vorsorgen. Die meisten Häuser in Deutschland seien spezialisiert, so Erlwein weiter. In Maria Bildhausen biete man vor allem Gästen mit körperlichen und geistigen Defiziten die entsprechenden Voraussetzungen, um sich im Urlaub wohl zu fühlen.

    Das KlosterHotel wird jetzt bald auf der Website "Reise für alle" vertreten sein, sagt Gruppenleiter Gutermuth. Dabei handelt es sich um ein Tourismus-Projekt, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird. Ziel dieser Initiative ist es, bundesweit und möglichst flächendeckend barrierefreie Hotelangebote für Menschen mit Behinderung aufzulisten. Aber auch auf dem Internetportal Booking.com soll das Angebot in Maria Bildhausen demnächst vertreten sein. Auf dieser Website sind 85 000 Reiseziele in aller Welt eingestellt, darunter natürlich auch solche für Menschen mit Handicap. 

    Infos: www.bildhausen.de

    Die drei letzten Schwestern verließen das Kloster im Sommer 2017.
    Die drei letzten Schwestern verließen das Kloster im Sommer 2017. Foto: Isolde Krapf
    Kloster Maria Bildhausen
    Das Kloster ist eine Einrichtung des Dominikus-Ringeisen-Werks (Ursberg). Der Gründer, Pfarrer Dominikus Ringeisen, kaufte 1897 das frühere Zisterzienserkloster Maria Bildhausen und gründete damals in Ursberg die St. Josefskongregation, die auch das landwirtschaftliche Gut in der Vorrhön leitete. 2017 wurden die letzten drei Ordensfrauen in den Ruhestand verabschiedet. Erst 1929 wurden im Kloster Maria Bildhausen Menschen mit Behinderung aufgenommen und betreut. Mehr als 200 Männer und Frauen finden heute in den Werkstätten der Klosteranlage eine sinnvolle Beschäftigung, die ihnen Freude macht und ihren Fähigkeiten entspricht. Neue Pläne sehen für das Kloster unter anderem ein Zelt-Schullandheim und die Bayerische Akademie für Sozialberufe, Pädagogik und Ehrenamt vor.
    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Bad Kissingen-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!