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    Bad Kissingen

    Nach Insolvenz: Kissinger Bowling Center bald Schulungszentrum

    Eine Immobilie macht Karriere: Aus dem insolventen ehemaligen Bowling Center in der ehemaligen Kaserne soll ein zukunftsträchtiges Schulungszentrum werden. Foto: Siegfried Farkas

    Als das Amtsgericht Schweinfurt vor gut einem Jahr das Insolvenzverfahren über die Kissinger Bowling Center GmbH (KBC) eröffnete, war die Hoffnung, schnell eine tragfähige Lösung für die Immobilie zu finden, groß. Wie die Insolvenzverwalter damals berichteten, gab es mehrere Kaufinteressenten. Ziel war, das Bowling Center "vor der nächsten Saison" zu verkaufen. Bis das Ziel erreicht war, hat es dann zwar doch fast ein Jahr länger gedauert. Dafür ist die Lösung aber vermutlich umso zukunftsträchtiger.

    Bowling-Kugeln werden in dem Gebäude künftig kaum noch rollen. Wie Insolvenzverwalter Markus Schädler aus Schweinfurt auf Anfrage bestätigte, ist der Kaufvertrag inzwischen förmlich geschlossen. Das besiegelt eine Entwicklung, von der voraussichtlich mehrere Seiten profitieren werden. Da sind zunächst einmal die Gläubiger der KBC. Für die, sagte Schädler, könnte es "eine 100-Prozent-Quote" geben. Sie können also hoffen, was in solchen Fällen ungewöhnlich ist, ihre Forderungen komplett ausgeglichen zu bekommen.

    Mehrere Seiten profitieren

    Eine gute Entscheidung war der Kauf bestimmt auch für den neuen Eigentümer, die weltweit tätige Tentamus-Gruppe. Dabei handelt es sich nach eigenen Angaben der Gruppe um ein globales Netzwerk hochspezialisierter Labore. Diese Gruppe hat vor drei Jahren die 1990 von Hannes Baum, Rüdiger Leimbeck und Bernd Sonnenschein gegründete BLS-Analytik GmbH übernommen, die nach eigenen Angaben für ihre Partner etliche tausend Proben pro Jahr untersucht, von denen 90 Prozent aus dem Bereich Pharma stammen.

    Die BLS-Analytik GmbH ist nach den Angaben auf der eigenen Homepage schon aus sich selbst heraus weiter im Wachsen begriffen. Der Kauf des ehemaligen Bowling- und Event-Centers wird die BLS-Analytik GmbH aber sicherlich weiter stärken. Auf diese Weise zählt letztlich vermutlich auch die Stadt Bad Kissingen als Standort zu den Gewinnern.

    Bedeutung von BLS steigt

    Das schätzt auch Jochen Kolb so ein. Der Geschäftsführer der BLS-Analytik GmbH bestätigte am Mittwoch zunächst, dass aus dem Bowling-Center ein Schulungszentrum werden soll. Bad Kissingen solle in diesem Sinne Anlaufstelle für die 20 bis 25 mitteleuropäischen Labore der grundsätzlich weltweit tätigen Tentamus-Gruppe werden. Die Labore sollen die Möglichkeit bekommen, dorthin für Schulungen und Veranstaltungen einzuladen. Denkbar sei auch, dass andere Labore aus der Tentamus-Gruppe dort Büros eröffnen.

    Zeichen für absolute Zukunftsfähigkeit

    Vor diesem Hintergrund sieht auch Kolb die Entwicklung als "Zeichen für die absolute Zukunftssicherheit" von BLS-Analytik in Bad Kissingen. Die intensiven Investitionen von Tentamus am Standort Bad Kissingen trügen dazu bei, BLS als "Kompetenzzentrum für Pharma-Analytik" auszubauen.

    Nach Kolbs Worten sieht die BLS-Analytik GmbH zudem Chancen für eigene zukünftige Nutzungen in dem Gebäude. Wenn das Unternehmen vor Ort weiter wachse, könne es sein, dass bestimmte Aufgabenbereiche oder auch die Verwaltung in dieses neue Kompetenzzentrum übersiedeln.

    Umbauten nötig

    Bis die Pläne und Möglichkeiten realisiert werden können, wird aber notgedrungen noch ein wenig Zeit vergehen. Der Kauf liegt noch nicht weit zurück. Zur Umsetzung der Pläne sind zudem Umbauten nötig. Schulungen, sagt Kolb, könne man dort wohl relativ bald abhalten, er denkt da an Fristen von einem Vierteljahr oder einem halben Jahr. Alles andere sei erst später möglich.

    Insolvenz der KBC GmbH
    Über das erst im Sommer 2015 eröffnete Bowling- und Eventcenter hatte das Amtsgericht Schweinfurt nach wirtschaftlichen Problemen im vergangenen Sommer ein förmliches Insolvenzverfahren eröffnet. Den Insolvenzantrag gestellt hatte eine Krankenkasse. Vorausgegangen war aber im Mai davor bereits ein entsprechender Antrag des Finanzamts. Im November 2017 hatte zudem die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft Bahn See Minijob-Zentrale bereits einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Damals hatte das Unternehmen die entsprechende Forderung aber noch beglichen.

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