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    Aura an der Saale

    Orgel mit Straßenzulassung

    Regionalkantor Peter Rottmann an der Orgel und Trompeter Jürgen Weyer.Foto: Gerd Schaar
    Regionalkantor Peter Rottmann an der Orgel und Trompeter Jürgen Weyer.Foto: Gerd Schaar
    Sie hat 1830 Pfeifen und eine Straßenzulassung. Sie erklingt in Konzertqualität - auch mitten in der Natur. Günter Hoffmanns mobile Orgel ertönte vor der Klosterruine Aura. Stehender Applaus war nach knapp zwei eindrucksvollen Konzertstunden inklusive Zugaben für den Organisten und Regionalkantor Peter Rottmann sowie für den begleitenden Trompeter Jürgen Weyer von den rund 150 Zuhörern fällig.
    Die Sonne brannte zu Konzertbeginn noch mit aller Kraft. Deshalb war man in eine Schattenzone gegenüber der Ruine ausgewichen. Aufgrund der hohen Temperatur musste die fahrbare Orgel neu gestimmt werden. Orgelbauer Günter Hoffmann mühte sich eine Stunde lang mit Feinarbeit. Den Lkw mit seiner Orgel gebe es schon seit 1998, bestätigt Hoffmann. Damals habe sich in seiner Orgelbaufirma "Hoffmann & Schindler" daheim in Ostheim v. d. Rhön so viel verwertbares Material aus Ausbauten alter Kirchenorgeln angesammelt, dass die Idee für die mobile Orgel Wirklichkeit werden konnte. Das Konzert in der Reihe des fünften Rhöner Orgelsommers war allerdings für Aura eine Premiere.
    Hauptsächlich Noten barocker Kompositionen lagen auf dem Pult. Darunter freilich auch die beliebte Toccata und Fuge in d-moll (BWV 565) von Johann Sebastian Bach oder Georg-Friedrich Händels Suite in D-dur. Aber auch das barocke Concerto XX des Rhöner Komponisten Valentin Rathgeber, der 1682 in Oberelsbach geboren wurde. Für Ohren, die Orgelkonzerte in Kirchen gewohnt sind, war dieses Freiluftkonzert etwas Ungewohntes, fehlte doch der Widerhall von den Wänden eines Gebäudes. Die mobile Orgel hatte jedoch genug Kraft, sich angemessenes Gehör zu verschaffen.

    Hitze und fliegende Notenblätter

    "Bei schlechtem Wetter hätte das Konzert in der Klosterkirche stattgefunden", erklärte Rottmann. Er ist der künstlerische Leiter des Festivals "Rhöner Orgelsommer". Rottmann rannte bei seinen Zuhörern offene Türen ein, als er seinen Wunsch aussprach, so ein Konzert einmal im Innern der Ruine zu veranstalten. Aber auch so genossen die Zuhörer Rottmanns und Weyers virtuose Spielkunst im romantischen Ambiente der Ruine und mit weitem Blick auf das Saaletal.
    Die beiden Musiker zeigten über ihr Können hinaus bei einer Temperatur deutlich über 30 Grad ihren vollen körperlichen Einsatz. Und als wäre das nicht genug, hatten sie auch den ungewollten Kampf gegen wegfliegende Notenblätter bei einer plötzlichen Windböe auf sich zu nehmen.
    "Es war eine Meisterleistung", würdigte Zuhörer Herbert Schmitt diese schweißtreibende Arbeit. "Ein tolles Konzert vor ungewohnter Kulisse, das ich mir öfter wünsche", meinte Zuhörerin Angelika Seidel. Auch Auras Bürgermeister Thomas Hack war begeistert: "Spitzenklasse". Nicht nur Auraer waren zu Gast. Mittlerweile hat sich eine Stammzuhörerschaft gebildet, die den Konzerten des Rhöner Orgelsommers nachreist. In Premich gab es am Sonntag das nächste Konzert.

    Termine Freitag, 10. Juli, in der Stadtpfarrkirche St. Kilian in Mellrichstadt
    Freitag, 17. Juli, in der St. Katharina-Kirche in Unterweißenbrunn
    Sonntag, 19. Juli, in der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena in Münnerstadt.
    Alle Konzert beginnen um 19.30 Uhr

    Gerd Schaar

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