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    Würzburg / BAD KISSINGEN

    Rehakliniken in Wartestellung: Leere Betten in Bad Kissingen

    Bayerns Rehakliniken sollen den Kampf gegen das Coronavirus mit Platz und Personal unterstützen. Patienten wurden nach Hause geschickt, Betten stehen leer – und jetzt?
    Für Rehakliniken in Bayern gilt ein Aufnahmestopp, nur noch medizinisch notwendige Behandlungen finden statt. Die Folge: In vielen Einrichtungen stehen derzeit Betten leer.
    Für Rehakliniken in Bayern gilt ein Aufnahmestopp, nur noch medizinisch notwendige Behandlungen finden statt. Die Folge: In vielen Einrichtungen stehen derzeit Betten leer. Foto: Symbolbild Getty Images

    Das Gesundheitssystem in Bayern funktioniert im Notfallmodus – oberstes Ziel ist, von der Corona-Welle nicht überspült zu werden. Das gilt nicht nur für Krankenhäuser und Arztpraxen, sondern auch für Rehakliniken. Sie müssen laut Gesundheitsministerium ihre Kapazitäten für Corona-Patienten oder zur Entlastung der Akutkliniken bereithalten. Die Folge: Zahlreiche Reha-Einrichtungen in der Region stehen in Wartestellung. Patienten wurden nach Hause geschickt, Betten bleiben leer, Mitarbeiter kümmern sich um Verwaltungsaufgaben oder werden teilweise in Kurzarbeit geschickt. Bei der Gewerkschaft verdi sorgt das für Empörung.

    "Einige Reha- und Kureinrichtungen in Unterfranken, der Oberpfalz, Mittelfranken oder auch Oberbayern schließen ihr Pforten oder kündigen Kurzarbeit an, während das Gesundheitssystem und sein Personal in unzähligen Einrichtungen ans Limit gefahren werden", kritisiert verdi-Bayern in einer Mitteilung. Das passe nicht zusammen, Kurzarbeit im Gesundheitswesen müsse "wo immer möglich" ausgeschlossen werden. Alle Beschäftigten in der Branche würden derzeit gebraucht.

    Sie sollen Akutkliniken bei der Behandlung von Corona-Patienten (Symbolbild) unterstützen oder entlasten. Noch aber stehen viele Rehakliniken in der Region in Wartestellung. 
    Sie sollen Akutkliniken bei der Behandlung von Corona-Patienten (Symbolbild) unterstützen oder entlasten. Noch aber stehen viele Rehakliniken in der Region in Wartestellung.  Foto: Sebastian Willnow, dpa

    In Unterfranken ist die Rehaklinik- Dichte besonders um Bad Kissingen hoch. In der Kurstadt war bereits Mitte März ein Patient der "Klinik Saale" positiv auf das Coronavirus getestet worden. Wie die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Bund als Träger mitteilte, haben sich auch zwei Mitarbeiter bei dem Patienten angesteckt. Die stationäre Rehabilitation sei eingestellt, heißt es auf der Internetseite der Klinik. Bis Mitte Mai würden keine neuen Patienten aufgenommen.

    Aufnahmestopp gilt für alle Rehakliniken in Bayern

    Ein solcher Aufnahmestopp wurde vom bayerischen Gesundheitsministerium für alle Einrichtungen der Vorsorge und Rehabilitation vorgeschrieben. In vielen Rehakliniken finden deshalb nur noch medizinisch notwendige Behandlungen wie sogenannte Anschlussheilbehandlungen (AHB) nach einer gerade überstandenen Operation statt.

    So zum Beispiel in den Kliniken der DRV Nordbayern. Insgesamt acht Häuser gehören zu dem Verbund, in Unterfranken etwa die "Frankenklinik" in Bad Kissingen und die "Sinntalklinik" in Bad Brückenau. Kurzarbeit gebe es dort trotz des Aufnahmestopps keine, so Sprecherin Sandra Skrzypale. Die Einrichtungen hielten sich zur Entlastung der Akutkliniken bereit. Dazu stehe man in Kontakt mit den Katastrophenschutzbehörden der Landratsämter. "Von dort werden wir die erforderlichen Schutzausrüstungen und -materialien erhalten, sowie die Patienten zugewiesen bekommen."

    Um Ansteckungen mit dem Coronavirus zu vermeiden, sind Besuche auch in vielen Reha-Einrichtungen (Symbolbild) verboten.
    Um Ansteckungen mit dem Coronavirus zu vermeiden, sind Besuche auch in vielen Reha-Einrichtungen (Symbolbild) verboten. Foto: Matthias Balk, dpa

    Eingestellt ist der normale Klinikbetrieb auch in der "Klinik Rhön" in Bad Kissingen und der "Reha-Klinik Hartwald" in Bad Brückenau. Beide gehören zur DRV Bund. Die letzten Patienten der "Hartwaldklinik" etwa seien am 24. März abgereist. Jetzt warte man auf AHB-Patienten, heißt es. Zunächst sollen dafür 30 der 228 Betten bereitgestellt werden, die Kapazitäten würden einer zentralen Datenbank gemeldet. Die rund 110 Mitarbeiter seien mit Nach- und Vorbereitungsarbeiten beschäftigt oder würden Konzepte und Vorträge überarbeiten. Kurzarbeit gibt es laut DRV Bund ebenfalls nicht.

    Mitarbeiter in Kurzarbeit und Konzentration auf Anschlussheilbehandlungen

    Anders sieht es in der privat getragenen "Deegenbergklinik" in Bad Kissingen aus. Dort wurden nach Angaben der Klinik Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Grundsätzlich gehe der Betrieb aber weiter, wenngleich nur noch AHB-Patienten versorgt würden. Die Klinik ist unter anderem auf innere Krankheiten sowie Kardiologie, Diabetologie und Orthopädie spezialisiert.

    Leer steht hingegen die Bad Kissinger "Marbachtalklinik", in der normalerweise Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen behandelt werden. Platz und Personal sei, wie vom Ministerium vorgegeben, für die Behandlung von Covid-19-Patienten bereitgestellt, teilt die DRV Oldenburg-Bremen als Träger mit. Allerdings gebe es noch viele Fragezeichen: Wie beispielsweise eine psychosomatisch ausgerichteten Rehaklinik zusätzliche Beatmungsplätze schaffen soll, sei offen.

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