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    LANGENDORF

    Roth: „Wir müssen alle Verfassungsschützer werden“

    Claudia Roth sprach in Langendorf. Foto: Wolfgang Dünnebier

    Viele grüne Visionen zur Rettung von Klima, Natur und Menschheit hat das Publikum im Gasthaus Schwarzer Adler in Langendorf erlebt. Anders dieses Mal: Die Wahlkundgebung von Bündnis 90/Grüne zum Thema „Politik braucht Kultur!“ stand im Schatten der Ereignisse von  Chemnitz.

    Vor etwa 180 Zuhörern rief Claudia Roth alle Demokraten dazu auf, sich aktuellen Angriffen von extrem Rechts gegen den Zusammenhalt der Gesellschaft entgegen zu stellen. Großen Widerspruch erntete die Bundestags-Vizepräsidentin nicht. Der Abend im Biergarten verlief weitgehend harmonisch.

    Eigentlich gebe es jede Menge Zukunftsfragen vom Klimawandel bis zur Digitalisierung. „Aber wir verschwenden viel Zeit darauf, unsere Werte gegen rechts zu verteidigen“, sagte Roth. Sie habe sich das so nie denken können: „Wir müssen alle zu Verfassungsschützern werden.“

    Kritik an der CSU

    Kritik übte sie an der CSU. „Wer das Original kopiert, schwächt sich selbst“, kommentierte sie die rhetorische Anlehnung an die AfD. Begriffe wie Asyltourismus oder Abschiebeindustrie kippten Öl in die Konflikte. Ziel müsse sein, dass in Deutschland kein Mensch aufgrund seiner Hautfarbe oder seines Lebensstiles Angst haben dürfe.

    Angst vor den Behörden

    Hier hakten später Wortmeldungen aus dem Publikum ein. Was sie denn gegen Ängste, jener anbiete, die von Existenzsorgen geplagt werden?, wollte ein Redner wissen. Ein anderer formulierte es noch drastischer: „Viele Menschen haben Angst vor der Bürokratie in Deutschland, vor den Formularen, vor den Sanktionen und von der Behandlung im Jobcenter“, kritisierte er. Das Verhältnis zwischen den Behörden und den Bürgern müsse ein anderes werden. „Die Debatte müssen wir stärker führen“, erkannte Claudia Roth, „das nehme ich gerne auf“.

    „Jeden Tag ein Feinbild, und dein Tag ist strukturiert“, setzte sich ein Gast ironisch mit der Hetze in den sozialen Netzwerken auseinander. In Hammelburg sei die Welt diesbezüglich noch ziemlich gesegnet, findet Rottmann: „Da gehen die Leute in die Wirtschaft“, bilanzierte sie.

    Liebe leben

    Allerdings versandete die aufkeimende Spurensuche nach den Ursachen von Radikalisierung. „Wer Liebe lebt, ist gegen Hassbotschaften immun“, meinte ein pensionierter Bundeswehroffizier. Demokratie werde zu oft als Geschenk angesehen, das nichts gekostet habe, ergänzte ein anderer angesichts der autoritären Strömungen in der Welt.

    Lange versuchte Bundestagsabgeordnete Manuela Rottmann als Moderatorin vergeblich, auch mal eine Frau aus dem Publikum zu einer Wortmeldung zu bewegen. Dies gelang erst am Schluss mit einem Appell zu mehr Anstrengungen in Bildung junger Menschen.

    Mit einem Wahlappell und der offenen Frage, wie es gelingt, dem Gemeinwohl abgewandte Menschen dazu zu bewegen, sich wieder einzuklinken, wechselte die Aufmerksamkeit der Besucher in kleinere Gesprächsrunden. Auch mit Landtagskandidat Yatin Shah und Bezirkstagskandidatin Irina Hönig.

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