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    ALBERTSHAUSEN

    Sicherheit bei Wildbretkauf

    Dr. Gerhard Losenbeck. Foto: P. Rauch

    „Tschernobyl verfolgt uns bis heute“ – 25 Jahre nach der bislang größten Reaktorkatastrophe sei die radioaktive Verseuchung des Wildbrets noch immer Thema, sagte der Vorsitzenden des Kissinger Jägervereins, Peter Gleisner, bei der Mitgliederversammlung in Albertshausen. Die hiesige Jägerschaft habe deshalb gehandelt und mit einem Zuschuss des Bayerischen Umweltministeriums ein Radium-Cäsium-Messgerät beschafft, mit dem der Qualitätsnachweis für das Wildbret erstellt werden könne.

    Das Messgerät wurde bei der Firma Laboklin stationiert, die bereits die amtliche Trichinenuntersuchung bei Wild- und Hausschweinen im Landkreis durchführt. Gerhard Loesenbeck, Fachtierarzt für Pathologie und selbst aktiver Jäger, gab einen Überblick über die radioaktive Belastung von Lebensmitteln. Unterfranken sei vom radioaktiven Niederschlag im Rahmen der Tschernobyl-Katastrophe zwar weitgehend verschont geblieben, trotzdem soll aber auch im Landkreis eine regelmäßige Überprüfung von Wildproben erfolgen.

    Der Jägerverein Bad Kissingen will mit diesen Untersuchungen den Verbrauchern die Unbedenklichkeit des hiesigen Wildbrets dokumentieren. „So etwas gibt Vertrauen und Sicherheit für den Verbraucher“, hält auch der Innungsobermeister der Metzer, Robert Schmitt, die Untersuchungen für sinnvoll.

    Reinhold Reuscher, der im Revier Poppenlauer jährlich 15 Wildschweine erlegt, betonte, dass man schon bisher freiwillig über das Landratsamt das Wildbret testen lassen konnte. Es seien „nie“ erhöhte Werte festgestellt worden, aber ohne Prüfung sei das Fleisch nicht vermarktbar.

    In anderen Regionen Deutschlands sehe es schon schlechter aus, sagte Loesenbeck. So sei Wildschweinfleisch aus Oberbayern um ein Vielfaches stärker belastet als fränkisches. Allerdings komme es immer darauf an, zu welcher Jahreszeit das Tier geschossen wurde. Wildschweine, die sich ihre Nahrung hauptsächlich im Boden suchen, seien deutlich höher belastet als Rotwild.

    Zwei Prozent des Schwarzwildes und zwei Promille des Rehwildes sind laut Loesenbeck aufgrund von Tschernobyl nicht zum Verzehr geeignet. Die Zahlen beziehen sich auf das gesamte Bundesgebiet.

    Doch nicht nur Wildschwein kann verstrahlt sein, auch Pilze, Beeren und andere Lebensmittel können Belastungen aufweisen. Loesenbeck verwies hier vor allem auf den äußerst seltenen Hirschtrüffel.

    Mit dem neuen Becquerel-Gerät können nun alle Lebensmittel auf Wunsch hin auf ihre radioaktive Belastung gemessen werden. Neben den regelmäßigen Kontrollmessungen könne dies bei Proben von Interesse sein, die aus belasteten Regionen stammen, bei denen die Herkunft unbekannt oder die radioaktive Belastung der Ursprungsgegend nicht bekannt ist, so Loesenbeck.

    Proben können montags bis freitags bei der Firma Laboklin vorbeigebracht werden. Für zehn Euro erhält man noch am gleichen Tag das Ergebnis per Fax oder E-Mail.

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