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    THULBA

    Steaks aus dem Automaten in Thulba

    Udo Weigand muss seinen Fleischautomaten bei Grillwetter besonders häufig nachfüllen. Foto: Wolfgang Dünnebier

    2013 war eine Zäsur für die Familie Weigand in Thulba. Die Wirtsleute gaben ihre Gaststätte an der Staatsstraße auf. Das bedeutete für Kunden die Abkehr von einer lieb gewonnenen Gewohnheit: Wer am Wochenende spontan Lust auf Grillen oder Gäste bekam, der kriegte vorher an der Wirtshaustheke Fleisch aus der hauseigenen Metzgerei. Die Kneipe schloss, „aber die Nachfrage außerhalb der Geschäftszeit blieb“, erinnert sich Metzgermeister Udo Weigand.

    Aha-Erlebnis beim Messebesuch

    Das ließ die Familie nicht ruhen. Wie sollte man seinen Kunden weiterhin gerecht werden? Das Aha-Erlebnis kam bei einem Messebesuch. Udo Weigand entdeckte einen Verkaufsautomaten, der ihm eine unkonventionelle Lösung seines Problems versprach.

    Inzwischen hat Weigand zwei Jahre Erfahrung mit der Neuanschaffung und bereut sie nicht. Einheimische und Durchreisende halten an, um sich aus dem Automaten gut gekühlte Ware zu ziehen. Verschiedene Sorten Grillfleisch, Bratwurst und Fleisch sowie Wurst aus dem Glas warten, übersichtlich angeordnet, hinter der Scheibe auf Abnehmer. Doch das ist nicht alles. Es gibt auch Getränke, Ketchup, mal einen Farmersalat und außerhalb der Grillsaison regionale Beilagen.

    Wünsche sind willkommen

    „Das Wort Unternehmer kommt von unternehmen“, zeigt sich Weigand offen für weitere Angebote. Weihnachts- und Präsenttüten hatte er auch schon im Angebot. „Vorschläge sind willkommen“, lässt der Automatenbetreiber wissen. Für Anregungen gibt es einen Zettelkasten.

    Etwas höher als im Laden ist der Preis der Waren. Schließlich war die Anschaffung des Automaten kein Pappenstiel. Gut 10 000 Euro kostete das Gerät aus spanischer Produktion. Dazu kommt der Aufwand beim Nachfüllen, Abwiegen, Portionieren, Verschweißen und Etikettieren.

    Mit dem Smartphone vernetzt

    Die Gerätetechnik kann noch mehr, als rund um die Uhr verkaufen. Via Internet und Smartphone-App gibt er der Familie Rückmeldung, wann einzelne Posten aufgebraucht sind. „Wenn das Wetter besser ist als gemeldet, müssen wir oft noch Fleisch nachschneiden“, berichtet Weigand. Dann wächst die Lust am spontanen Grillen.

    Zu den Kunden gehören aber auch nächtliche Kurierfahrer und jugendliche Nachtschwärmer. Für sie sind inzwischen Energy-Drinks dabei. Rund zehn zehn Prozent seines Umsatzes schreibt Weigand inzwischen seinem Automaten zu.

    Schwierige Programmierung

    Dankbar ist der 53-Jährige für die Unterstützung durch seinen Sohn Nils bei der Programmierung. Jedem der knapp 40 Produkte muss sein eigener Preis zugeordnet werden. Und dann kommen auch noch unterschiedliche Mehrwertsteuersätze dazu.

    Gab es schon Probleme mit Vandalismus? Nein, erzählt Udo Weigand. Nur einmal gab es nachts Scherben. Einem Kunden ist eine vorher gezogene Flasche runtergefallen – „vor lauter Freude über das nächtliche Angebot“, hat der Metzgermeister hinterher in Erfahrung gebracht.

    Der Standort ist wichtig

    Während Metzgerkollegen in der weiteren Region Schweinfurt und Würzburg ihre Erfahrung mit Fleischautomaten mit gemischten Gefühlen schildern, ist Lars Bubnik euphorischer. Der Geschäftsführer des Fleischerverbands Bayern in Augsburg hat beobachtet, dass dieser kleine Markt wächst. In Würzburg gibt es inzwischen sogar einen Bocksbeutelautomaten.

    Der Erfolg hat aber eine Voraussetzung. „Der Standort muss passen“, sagt Bubnik. Der Familienbetrieb Weigand profitiert auf jeden Fall durch die Lage an der Ortsdurchfahrt.

    Inzwischen wird Automatisierung als Chance für Direktvermarkter gesehen. Am Montag, 29. Oktober, bietet das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Karlstadt das Seminar „Direktvermarktung mit Automaten und Vertrauenskassen – Chancen und Risiken“ an. Informationen bei Katharina Landauer, AELF Karlstadt, Tel. (0 93 53) 79 08 11 oder E-Mail: katharina.landauer@aelf-ka.bayern.de.

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