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    HAMMELBURG

    Streit um neues Schulzentrum in Hammelburg

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    Eng geht es jeden Morgen in der Von-der-Tann-Straße zu: Busse und Hilfsorganisationen bringen Schüler für drei Schulen. Der Kreistag war sich einig, dass der Fußgänger-, Radfahrer-, Bus- und Bahn-Verkehr im neuen Schulzentrum von Anfang an gut geplant sein muss. Foto: Ralf Ruppert

    Den Passivhaus-Standard für die neuen Schulgebäude und ein umfassendes Verkehrskonzept für das geplante Schulzentrum forderte die Grünen-Kreistagsfraktion in der jüngsten Sitzung. „Wir tragen Verantwortung für die Zukunft unserer Erde“, sagte Fraktionssprecher Johannes Wegner, und: „Zumindest in dem Bereich, in dem wir etwas bewirken können, sollten wir es auch tun.“

    Nach zweistündiger Diskussion wurde das aktuelle Verkehrskonzept für ausreichend erklärt und eine abgeschwächte Version des Antrags zum Energieverbrauch abgelehnt. Landrat Thomas Bold (CSU) kündigte auf Nachfrage an, dass die mit der Stadt Hammelburg ausgehandelte Bauleitplanung und die Ausschreibung des für das kommende Jahr geplanten Architekten-Wettbewerbs jeweils vorab im Kreistag vorgestellt werden. Das neue Gymnasium wird frühestens in fünf Jahren fertig.

    Auf die Folgen einer Festlegung auf Passivhaus-Standard gingen Ralph Katholing und Andreas Fuchs von der Bauverwaltung des Landratsamtes ein.

    Beide betonten, dass für den Architekten-Wettbewerb bereits eine nachhaltige und klimagerechte Planung vorgegeben sei. Auch einen Verzicht auf den Einsatz von fossilen Energieträgern habe der Kreistag schon vor Jahren beschlossen. Der Passivhaus-Standard sei dagegen eine „starke Geißelung“ der Bauabteilung und könnte das bereits beschlossene pädagogische Konzept der Schulen einschränken.

    „Eine Schule ist kein Wohnhaus“, betonte Katholing und nannte konkrete Einschränkungen durch schärfere Vorgaben: Ein Massivbau sei so gut wie ausgeschlossen, dreifach verglaste Fenster würden sehr schwer, und die Lüftung müsste komplett über eine Lüftungsanlage erfolgen. „In einer Grundschule ist das eher vorstellbar, aber Realschüler oder Gymnasiasten wollen durchaus auch mal Fenster öffnen.“

    „Das Hauptproblem ist eher, das Gebäude im Sommer zu kühlen.“
    Ralph Katholing, Bauabteilung Landratsamt

    Außerdem sei nicht der Wärmebedarf das Hauptproblem: „Jedes Kind ist eine kleine Heizung“, beschrieb Katholing die Situation in Schulen. Geheizt müsse nur am Morgen werden, danach bleibe es in gut gedämmten Räumen durch die Nutzer warm. „Das Hauptproblem ist eher, das Gebäude im Sommer zu kühlen.“ Der Erweiterungsbau des Landratsamtes und das neue Berufsbildungszentrum Münnerstadt seien nach dem Energiehaus-Standard 55 gebaut, das bedeutet höchstens 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr für die Heizung, beim Passivhaus sind nur 15 Kilowattstunden zulässig. „In vielen Punkten sind wir nicht weit weg von Ihnen“, sagte Katholing zu Antragsteller Wegner. Andreas Fuchs berichtete zudem, dass die Stadt Frankfurt wieder weg gehe von Passivhaus-Standards für Schulen (siehe dazu Bericht unten).

    Zum Verkehrskonzept verwies die Bauabteilung vor allem auf die Zuständigkeit der Stadt Hammelburg. Allerdings seien Fuß- und Radwege zur Bahnhaltestelle ebenso vorgesehen wie eine neue Straßenanbindung und ein neuer Busbahnhof.

    „Es wird uns immer wieder erklärt, was alles nicht geht“, erwiderte Grünen-Kreisrat Volker Partsch, und: „Unser Ziel ist eine Null-Emmissionsschule, die mehr Energie erzeugt als sie braucht.“ Dem schlossen sich mehrere Kreisräte an: Roland Limpert (PWG), Wolfgang Görner (SPD) und Waldemar Bug (ödp) schlugen die Energie-Neutralität als neuen Inhalt des Antrags vor. Die Bürgermeister Gotthard Schlereth (FW, Oberthulba) und Brigitte Meyerdierks (CSU, Bad Brückenau) berichteten, dass sie bei Schulbauten aus hygienischen Gründen und wegen der Fluchtwege über Fenster auf Belüftungsanlagen verzichtet hätten.

    „Die Technik, die man nicht braucht, ist die beste“, sagte auch SPD-Kreisrat Robert Römmelt – und plädierte für Holz und Lehm als Baustoffe. Vor allem die CSU-Fraktion blieb am Ende bei ihren Bedenken: „Wir senden ein falsches Bild, das ist doch alles schon beschlossen“, wehrte sich etwa Sandro Kirchner gegen einen „unsinnigen“ Beschluss. Das sah die Mehrheit ebenso.

    Von Ralf Ruppert

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