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    Bad Kissingen

    Verein setzt auf Integration durch Begegnung

    Arabisch schreiben für Kinder, das ist eines der Angebote im Kissinger Begegnungszentrum der Kulturen. Vorsitzender des Vereins ist Mhd Amer Al Hakawati, als Schriftführerin fungiert Daniela Dacho, als Kassier Thomas Heinrich. Foto: Siegfried Farkas

    Es hat schon einige Versuche gegeben, den vorwiegend muslimischen Menschen, die wegen Not und Gewalt aus ihren Heimatländern geflohen und am Ende in Bad Kissingen gelandet sind, einen angemessenen Platz für Begegnung und Gebet zu verschaffen. Ein Ansatz in der Spargasse scheiterte an Nachbarprotesten. Ein anderer, in der ehemaligen US-Sporthalle, funktionierte zwar, war aber mangels Heizung von Anfang an nicht mehr als eine Übergangslösung. Seit ein paar Monaten gibt es jetzt eine verlässliche Anlaufstelle: das Begegnungszentrum der Kulturen in der Kapellenstraße 28.

    Daniela Dacho setzt sich schon lange für Flüchtlinge und ihre Belange ein. Sie packte in einem Helferkreis für Flüchtlinge mit an. Sie war dabei, als aus einem Runden Tisch heraus vor zwei Jahren die Zwischenlösung mit der ehemaligen US-Sporthalle entstand. Und sie gehört zu jener Gruppe, die im vergangenen Jahr den Verein Kissinger Begegnungszentrum der Kulturen gründete.

    Betroffene tragen den Verein mit

    Dieser Verein soll umsetzen, was schon bei der Diskussion um das Freitagsgebet in der Sporthalle als wichtig galt: Die Betroffenen sollen, soweit das möglich ist, an der Lösung ihrer Anliegen mitwirken. Das tun sie mit dem Verein. Der ist Träger des Begegnungszentrums in der Kapellenstraße. Dass die Betroffenen ihn selbst mit tragen, ist an der Besetzung der Vorstandsposten abzulesen. Nach guter altdeutscher Vereinstradition gibt es einen 1. Vorsitzenden, Mhd Amer Al Hakawati bekleidet dieses Amt. 2. Vorsitzender ist Ebrahiem Al Yousef, Daniela Dacho ist Schriftführerin und Thomas Heinrich verwaltet die Kasse.

    Bei der Suche nach einer verlässlichen Anlaufstelle für den Vereinszweck Integration und Begegnung habe man stets mit offenen Karten gespielt und klar gemacht, worum es geht, berichtet Daniela Dacho. Als der ehemalige Laden in der Kapellenstraße gefunden war, habe das Projekt zusätzlich die bürokratischen und baurechtlichen Ansprüche einer Nutzungsänderung erfüllen müssen und dabei auch die erforderlichen Nachbarunterschriften erhalten. Nutzbar seien die Räume seit Dezember. Mit dem Schritt an die Öffentlichkeit habe der Verein trotzdem noch eine Weile gewartet, erklärt Daniela Dacho. Man habe erst sicher sein wollen, dass der Verein stabil ist und das Projekt auch trägt.

    Durch Mitgliedsbeiträge finanziert

    Finanziert wird das Begegnungszentrum durch die Monatsbeiträge der rund 65 Vereinsmitglieder. Besucht werde der Treffpunkt hauptsächlich von Menschen aus Syrern, Ägyptern, Marokkanern, Afghanen und auch Deutschen. Der Einzugsbereich umfasst nach den Worten von Al Hakawati und Daniela Dacho die Stadt Bad Kissingen und ihre Umgebung. Auch aus Hammelburg und Münnerstadt gebe es Zuspruch. Wer kommt, muss nicht Mitglied sein. Offen stehe das Begegnungszentrum aber im Prinzip nur, wenn jemand aus dem engeren Kreis der Macher dabei ist.

    Was die Besucher in der Kapellenstraße vorfinden, ist ziemlich vielfältig, auch wenn das Projekt im Grunde noch am Anfang steht, wie Al Hakawati und Dacho stets betonen. Es gebe Unterrichtsangebote, Kinder könnten dort lernen, mit arabischen Schriftzeichen zu schreiben. Für Frauen mit Kleinkindern würde Daniela Dacho gerne Deutschunterricht anbieten. Es müsse sich nur noch jemand finden, der den ehrenamtlich hält.

    Beratung und lebenspraktische Hilfe

    Auch Beratung spielt nach wie vor eine Rolle. Menschen brauchten Unterstützung im Umgang mit Behörden oder in lebenspraktischen Fragen. In vielen Dingen könnten sich die ehemaligen Flüchtlinge schon selber helfen. Ins Begegnungszentrum bringen sie deshalb vor allem Probleme, die sie doch nicht alleine lösen können. Zur Beratung kommt Unterstützung bei Arbeitssuche und Bewerbung. 

    Gebetet wird im Begegnungszentrum der Kulturen auch. Die Räume sind Treffpunkt für das muslimische Freitagsgebet, berichten die Vorstandsmitglieder. Zurzeit sei Ramadan, da komme man außerdem zum abendlichen Fastenbrechen  oder zum Treffen danach zusammen. Es sei aber auch möglich, einfach nur mal Tee zu trinken und sich auszutauschen.

    Projekt soll für die Kissinger transparent sein

    Weil sich der Verein inzwischen gefestigt anfühlt, will der Vorstand das Begegnungszentrum der Kulturen, seine Arbeit und sein Anliegen jetzt auch richtig öffentlich machen. Transparenz ist wichtig, glaubt Daniela Dacho. Wer die Chance hat zu wissen, was bei dem Projekt passiert, hat auch die Chance es zu verstehen.

    Den Kissingern vorstellen wird sich der Verein mit einem Zuckerfest, also einem Fest des Fastenbrechens am Ende des Fastenmonats Ramadan. Geplant ist es für Samstag, 8. Juni. von 16 Uhr bis 19 Uhr im Kliegl-Park, Stögerstraße 10. 

    Kontakt mit dem Kissinger Begegnungszentrum der Kulturen e.V. aufnehmen kann man unter kbk.verein@web.de

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