• aktualisiert:

    Bad Kissingen

    Warum 2030 alle elektrisch fahren

    Für viele sind Elektroautos die Fortbewegungsmittel der Zukunft. Unser Foto stammt von der Konferenz zur Elektromobilität im Jahr 2016 in einer Leipziger Messehalle. Foto: Jan Woitas/dpa

    Die einen glauben wegen des mangelnden Angebots an alltagstauglichen Modellen noch nicht an einen baldigen Boom der Elektroautos.  Andere wiederum sagen den Stromern eine blendende Zukunft voraus. In den vergangenen zehn Jahren ist das Thema Elektromobilität, vor allem durch die neuen E-Bikes, mitten in der Gesellschaft angekommen. Auch der Landkreis Bad Kissingen will vorn dabei sein und setzt auf den Aufbau einer Infrastruktur für den möglicherweise bald anrollenden E-Mobil-Verkehr in hiesigen Gefilden. 2018 gab der Kreistag bei der EcoLibro GmbH (Troisdorf) ein Interkommunales Elektromobilitätskonzeptin Auftrag, das vom Freistaat zu 85 Prozent gefördert wurde. Die Expertise ist jetzt da und wurde im Kreistag vorgestellt.

    In Karlstadt gibt's bereits Schließfächer für E-Bike-Touristen. Foto: Tourist-Information Karlstadt

    Michael Schramek, Geschäftsführer der Beraterfirma,  zeigte auf, wie die kommunalen Bauhöfe sich auf Elektro-Fahrzeuge einstellen können und wo künftig im Landkreis öffentliche Ladestellen für E-Autos und E-Bikes wichtig sind. Darüber hinaus machte Schramek interessante Vorschläge, wie zum Beispiel den, dass man Pedelec-Touristen künftig an den Ladestationen, beispielsweise der Kurorte, Schränke für ihr Radgepäck anbieten sollte, damit sie unbeschwert die Sehenswürdigkeiten vor Ort besichtigen können.

    EcoLibro lässt in der Machbarkeitsstudie weitgehend offen, bis wann all diese Vorschläge greifen könnten. Lediglich in Bezug auf die Einrichtung notwendiger  Ladepunkte im Landkreis  werden die Berater konkret. Sie gehen davon aus, dass 2022 im Landkreis 36 E-Ladepunkte an öffentlichen Plätzen wünschenswert sind und vier Jahre später bereits 82 Ladepunkte gebraucht werden. Sollte der erhoffte Boom bezüglich der Stromer tatsächlich einsetzen, müsste man laut Schramek im Jahr 2030 schon 331 Ladepunkte im Landkreis vorhalten (siehe Karte unten).

    Klimaschutzabkommen als Wegweiser

    Das Jahr 2030 scheint in der Gesamtdiskussion zur Elektromobilität weltweit eine Art Stichdatum zu sein. Auf ein Verbot der Neuzulassung von Fahrzeugen mit fossilen Brennstoffen bis 2030 setzen inzwischen nicht nur Norwegen, Dänemark und Schweden, sondern auch die Niederlande, Großbritannien, Irland, Frankreich, Island, Israel und China. In Deutschland hatte der Bundesrat bereits 2016 strikt gefordert, ab 2030 überhaupt keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr auf deutschen Straßen zuzulassen. Basis dafür war das Klimaschutzabkommen von Paris (Dezember 2015), bei dem sich 195 Staaten darauf verständigten, dass die Welt ab 2050 CO2-neutral sein soll. Will man dieses Ziel erreichen, müsse man jedoch, so behaupten Fachleute, ein Verbot von Benzinern und Dieselfahrzeugen schon 20 Jahre früher starten. Aber ob sich das einfach so umsetzen lässt?

    Ladeinfrastruktur Grafik 2030 Foto: Grafik: Leon Fröhlich

    Der Landkreis Bad Kissingen will jedenfalls mit der Zeit gehen und frühzeitig planen. Brandneu ist das Thema E-Mobilität im Landkreis nicht. In den vergangenen Jahren hat sich diesbezüglich Etliches getan. 2011 waren beispielsweise in Bad Kissingen bereits 22 E-Fahrzeuge angemeldet, im gesamten Landkreis insgesamt 54. Das Geschäft mit den Pedelecs boomte auch im Landkreis, so dass man hie und da bereits Ladestellen für die E-Bikes einrichtete. 2012 wurde die erste Elektrotankstelle für Pkw auf dem Bad Kissinger Salinenparkplatz in Betrieb genommen. Zwei Jahre später gab es dann schon zehn solcher öffentlicher E-Zapfstellen im gesamten Landkreis. Waren Ende 2017 im Landkreis erst 81 E-Fahrzeuge zugelassen, hatte sich diese Zahl Ende 2018 bereits mehr als verdoppelt.

    Analyse der kommunalen Bauhöfe

    Im Kreistag erkannte man die Zeichen der Zeit und will dieser allgemeinen Entwicklung nun mit einem Konzept entgegenkommen. Allerdings signalisierten lediglich 16 der 26 Kommunen im Landkreis Interesse daran, Daten für diese Expertise zur Verfügung zu stellen. Die Analyse der 16 kommunalen Fuhrparks (plus dem des Kreises) durch EcoLibro ergab 25 herkömmliche Dienstautos und 16 privat genutzte Wagen, elf Caddys, 54 Transporter, neun Lkw und 15 Traktoren bzw. Unimogs, zählte Schramek auf. Laufzeiten, Fahrzeiten und Auslastung dieser Fahrzeuge müsse man nun berechnen und optimieren.

    Im Schweinfurter Kreisbauhof gibt's das schon: 2018 wurde dort der erste Streetscooter (im Bild am Steuer Landrat Florian Töpper) in Dienst genommen. Foto: Landratsamt Uta Baumann

    Am Beispiel einer der untersuchten Kommunen legte die Beraterfirma dar, wie die Lade-Infrastruktur bei der Umstellung auf Elektrofahrzeuge aussehen müsste. Schrameks Fazit für alle untersuchten Kommunen: Jedes betrachtete Fahrzeug sei, was die Aufgaben angeht, zwischenzeitlich durch ein elektrisches Modell ersetzbar. Um Strom-Zwischenladungen zu ermöglichen, empfahl er, in jeder Kommune eine nichtöffentliche Zapfsäule, zum Beispiel am Bauhof, zu installieren. Laut EcoLibro könnten die Kommunen gemeinsam mit dem Landkreis neue Elektrofahrzeuge beschaffen und Ladesäulen einrichten. Dazu wäre eine europaweite Ausschreibung sinnvoll, die möglicherweise vom Bund gefördert würde.

    Um eine kompakte Lade-Infrastruktur für den Landkreis abzubilden, müssten in verschiedenen Workshops vor Ort die notwendigen Standorte ermittelt werden, so die Studie weiter. Jede Kommune sollte also erkunden, ob E-Tankstellen am besten in der Nähe von Geschäften, touristischen Sehenswürdigkeiten, an Hotels, auf Parkplätzen oder bei größeren Firmen gebaut werden sollten.

    Landkreis beantragt Zuschüsse

    Parallel dazu müssten die günstigsten Standorte für E-Bike-Ladepunkte an den Hauptradwegen ermittelt werden. Vielfach würde das Vorhalten von Ladestellen bei Gastronomiebetrieben und an Hotels genügen, sagte Schramek. Man könne auch über einen landkreisweiten Fahrradverleih entlang der Radrouten und in Zusammenarbeit mit Hotels, Gastronomiebetrieben und Touristikstellen nachdenken. Für wichtig halten die Macher der Studie zudem E-Bike-Ladepunkte an den Wanderhütten in der Rhön. Deshalb hat der Landkreis nun für zwei landkreiseigene Hütten, das Haus der Schwarzen Berge und das Berghaus Rhön, beim Freistaat Förderanträge für Netzanschlüsse und Pkw-Ladesäulen eingereicht.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (2)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!