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    Bad Kissingen

    Warum Schweigen manchmal Gold ist

    Die Beschwerdeführung der Heiligenfeld-GmbH gegen politische Enscheidungen des Bad Kissinger Stadtrats nimmt inzwischen groteske Züge an. Schon in den vergangenen Monaten mussten die Stadtratsmitglieder damit leben, dass sie in gewissen Abständen Post von der Heiligenfeld-Geschäftsführung bekamen, mit der man sie zu beeinflussen suchte. Im Januar-Newsletter wurde beispielsweise die Zusammenarbeit mit der Stadt als "schwierig, unangenehm und nicht tolerabel" angeprangert. Zudem folgte dort einer Liste von Unzufriedenheiten auch eine Liste der Erwartungen, die man auch als rigide Forderungen an den Stadtrat interpretieren konnte. Sollte die Stadt den Erwartungen nicht entsprechen, werde man einen "tiefgreifenden Bruch in der Zusammenarbeit feststellen und entsprechende Konsequenzen ziehen", drohte die GmbH schon damals. Die Stadtspitze wollte dies alles damals nicht kommentieren.

    Die österliche Plakat-Aktion der GmbH sollte offenbar nun erneut den Kampfgeist nicht nur des Stadtrats, sondern auch der Bürger anheizen. Was von der Geschäftsführung des Unternehmens als Paukenschlag geplant war, blieb jedoch relativ wirkungslos. Zahlreiche Bürger quittierten die Plakat-Botschaften mit Achselzucken und die Stadtspitze hält sich zu der öffentlich angeschlagenen Empörung der Heiligenfeld-Geschäftsführung auch weiterhin bedeckt.

    Was hätten Oberbürgermeister Kay Blankenburg und seine Stellvertreter auch sagen sollen? Dass man sich in der Vergangenheit im Stadtrat, wie es sich bei jedem wichtigen Thema gehört, wiederholt und ausgiebig auf neutraler Ebene mit den Themen Nutzungsvereinbarung im Klauswald und Ensembleschutz am Preußischen Hof auseinandersetzte? Dass die Verpachtung der städtischen Vinothek an die Heiligenfelder zwar seinerzeit unter bestimmten städtischen Bedingungen, aber eben deshalb besonders günstig erfolgte? Dass sich die Stadtratsmitglieder als gewählte Mandatsträger nicht von öffentlich propagierten Drohungen eines einzelnen, wenn auch für die Kurstadt sehr wichtigen Unternehmens, gängeln lassen werden?

    Wenn die Klinikgruppe nun Projekte aus der Kurstadt abziehen und in einen anderen kommunalen Wirkungsbereich verlege möchte, ist das sicher bedauerlich. Man kann an solchem Handeln aber auch ablesen, wie wenig die GmbH selbst dazu bereit ist, in Bezug auf ihre Planungen das aufzubringen, was sie von der Stadt einfordert: die neutrale Auseinandersetzung mit Themen, eine von Vertrauen geprägte Gesprächsführung und die verständnisvolle Unterstützung des Gegenübers in seinem eigenen Wirkungskreis. Denn ein Stadtrat ist nun mal demokratisch legitimiert und muss sich nach den Interessen aller Unternehmen und Bürger richten.

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