• aktualisiert:

    Bad Kissingen

    Was Theodor Fontane über Kissingen sagte

    Theodor Fontane (in der Mitte sein Darsteller Jürgen Kröckel) wird beim Rakoczy-Fest gerne mit Kaiserin Auguste Viktoria (dargestellt von Karin Matthes) gezeigt. Dabei sah er die Kaiserin im wahren Leben eher kritisch. Foto: Siegfried Farkas

    Erfunden, liebe Leserinnen und Leser, war das Gespräch mit Theodor Fontane, das wir Ihnen vor einigen Jahren in einer Serie zum Rakoczy-Fest vorsetzen. Die Antworten entstammten zwar Originalzitaten. Aber die Fragen hatten wir dazu gedichtet. Aus gegebenem Anlasshaben wir dieses erfundene Interview nun aus dem Archiv geholt und stellenweise aktualisiert.  Wir finden, es ist auch diesmal wieder ein nettes Gespräch geworden. Ob Fontane das genauso sehen würde, können wir allerdings nicht garantieren. 121 Jahre nach seinem Tod kann man ihn leider nicht mehr fragen.

    Frage: Beim Rakoczy-Fest wird Ihnen heuer eine große Ehre zuteil, Herr Fontane. Aus Anlass Ihres 200. Geburtsjahres ist Ihr Kissinger Darsteller Jürgen Kröckel auf dem Pin zum Fest zu sehen. Wie kam es denn dazu?

    Theodor Fontane: Es ist möglich, dass ein Wink der Badedirektion im Hintergrunde stand. Das nächste Frühjahr wird aber wohl mit Mörtel und Farbe über die historischen Erinnerungen hinweggehen.

    Na ja, jetzt seien sie nicht gleich so skeptisch. Man kann halt nicht jedes Jahr denselben auf den Pin nehmen. Sie sind aber nicht nur als Historische Persönlichkeit des Rakoczy-Fests in der Stadt, sondern auch zur Kur. Erzählen Sie doch mal davon.

    Fontane: Meine Frau fängt an, sich zu erholen, und so krepeln wir viele Stunden lang rum und sitzen halbe Nachmittage lang im Schweizerhaus wie auf der Brühlschen Terrasse und sehen auf den Dampfschiffverkehr nieder, froh, nicht auch mit nach der Saline hinaus zu müssen.

    Da haben Sie ja bis zu Ihrem Auftritt beim Rakoczy-Fest gar nicht so viel zu tun. Und was ist Kissingen für Sie, wenn das Rakoczy-Fest und die Würdigungen zum 200. Geburtstag vorbei sind?

    Fontane: Kissingen, für kurze Tage ein historischer Ort, ist wieder Kurort und nichts weiter.

    Was ist aus Ihrer Sicht überhaupt das Geheimnis einer guten Kissinger Kur?

    Fontane: Max, Rakoczi und Pandur, thuen immer die Hälfte nur. Andre Sprossen auf der Leiter führen auf dem Heilsweg weiter.

    An welche Stationen auf dem Weg zum Heil denken Sie da konkret?

    Fontane: Lindesmühle, Bodenlaube, unentwegter Saalwein-Glaube.

    Aha, Sie empfehlen Wein und Wanderungen?

    Fontane: Memmel, Zoll und Messerschmitt, alles wirkt zum Siege mit.

    Ein gutes Stück Kuchen beim Konditor gehört also auch dazu. War's das dann?

    Fontane: Und das fränkische freundliche Wesen, fügt den Schlussstein zum Genesen.

    Sie sind uns vielleicht ein Schmeichler, Herr Fontane! Freundliche Franken gelten doch eher als Seltenheit. Irgendwie erinnern mich die letzten Sätze sowieso stark an Ihren Eintrag im Goldenen Buch der Stadt.

    Fontane: In das hiesige Berühmtheitenbuch habe ich mich vor ein paar Tagen einschreiben müssen, erst Menzel mit einem Bild, dann ich mit einem Vers auf Kissingen. Das Menzelbild taxiere ich auf wenigstens 500 Mark, meinen Vers auf 50 Pfennige; das kennzeichnet die Stellung der Künste untereinander; die Reimerei, auch die gute, ist immer Aschenbrödel. Nun, es geht auch so.

    Ach, Sie Armer, na ja, Hauptsache, man ist zufrieden. Apropos, wie sind Sie überhaupt mit Ihrer Unterbringung in Kissingen zufrieden?

    Fontane: Wir haben es hier sehr gut getroffen, Hausaufenthalt vorzüglich, alles freundlich, nett und nicht zu teuer, dazu Bekannte verschiedenster Art.

    Sehen Sie, dann ist das mit den 50 Pfennigen für den Vers gar nicht so schlimm. Und dass der Rakoczy-Pin, auf dem Ihr Darsteller abgebildet ist, heuer erstmals fünf Euro kostet, können Sie doch auch verschmerzen. Was werden Sie denn so erzählen, wenn Sie wieder heimkommen?

    Fontane: In Kissingen, um gerecht zu sein, war es ausgezeichnet, keine Prellerei, keine Unverschämtheit; aber drei Tage in Bayreuth, in jenen Gegenden also, wo Jean Paul die deutsche Gemütlichkeit beschrieb und verherrlichte - daran will ich denken. Die meisten Fremden kamen tatsächlich aus Nebraska, Minnesota, Dakota, Montana, Texas, und mit Rücksicht darauf, so nehm' ich an, traten die Hoteliers als Sioux auf, um die Reisenden möglichst schon auf der Bahnschiene zu überfallen.

    Theodor Fontane (im Bild sein Darsteller Jürgen Kröckel) wird beim Rakoczy-Fest gerne mit Kaiserin Auguste Viktoria (dargestellt von Karin Matthes) gezeigt. Dabei sah er die Kaiserin im wahren Leben eher kritisch. Foto: Siegfried Farkas
    In der Tat, Kissingen war schon immer zivilisierter. Vermutlich ist das auch der Grund, warum ein anderer bekannter Preuße die Stadt so mochte.

    Fontane: Im Sommer, wenn unter den Linden kein Lüftchen sich bewegt, da ist des Kaiserreichs Schwerpunkt nach Kissingen verlegt. Denn Bismarck ist auch im Bade ein Recke mit wuchtigem Schritt, und schreibt er nur eine Depesche, dann zittert das Nachbarland mit. Nun soll er dienstlich pausieren, wie's in Schweningers Bulletin heißt. Doch kommen die Diplomaten von überall angereist. Viel schöne Damenherzen erobert der Fürst im Sturm. Die Kurstadt ist ihm dankbar und baut ihm gewiss einen Turm.

    Respekt, Sie haben ja fast seherische Fähigkeiten. Ihr Gedicht "Berühmte Männer in Kissingen" stammt von 1889, der Bismarckturm entstand zwischen 1926 und 1928. Das soll's jetzt aber gewesen sein. Hoffentlich stört Sie nicht, dass wir mit den Fragen ein bisschen geschummelt haben.

    Fontane: Über Plagiate sollte man sich nicht ärgern. Sie sind wahrscheinlich die aufrichtigsten aller Komplimente.

    Quellen: Die meisten Zitate, die wir für unser fiktives Interview verwendeten, sind dem Fontane-Beitrag in Peter Zieglers für die Freunde des Weltbads Kissingen sehr ergiebigem Buch "Prominenz auf Promenadenwegen" entnommen. Fontanes Bonmot über Plagiate ziert zahlreiche Zitatesammlungen im Internet. Wahrscheinlich haben sie es alle voneinander abgeschrieben.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!