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    Bad Brückenau

    Weltmusik mit Mission im besten Bayerisch

    Hans-Jürgen Buchner & Haindling spielen im Bad Brückenauer Schlosspark. Das Bild entstand vor einer Woche bei Songs an einem Sommerabend in Würzburg.   Foto: Patty Varasano

    Frage: Sie spielen für neue Stücke erst einmal alle Instrumente selber. Wann findet dann die Band für die Tournee zusammen?  

    Hans-Jürgen Buchner: Die Tournee ging ja im Mai los. Wir haben vor der Tour drei bis vier Tage geprobt.  

    Ihr Fundus an Instrumenten erscheint unermesslich. Wie viele sind es genau? 

    Buchner: Bis zur letzten Flöte weiß ich das nicht genau. Das kann man gar nicht zählen. Ich sage immer 150 Quadratmeter Musikinstrumente. Meine Konzerte werden nie langweilig, weil wir in jedem Lied eine andere Besetzung haben. Wir sind ja keine Gitarren-Band mit zweieinhalb Stunden Gitarre und Bass. Wir haben afrikanische Trommeln und  tibetanische Tempeltrompeten, Gongs, Blasinstrumente, Klarinetten, Saxophone, Tuba, Schlagzeuge.    

    Was ist ihr Lieblingsinstrument?

    Buchner: Der Flügel und die Blasinstrumente.

    Openairwochenende im Staatsbad Brückenau am 28. Juni 2009: Auch da begeisterte Haindling die vielen Fans im Schlosspark. Foto: Michael Mahr

    Sie waren vor nahezu genau zehn Jahren schon mal in der Rhön? 

    Buchner: Ja, wir haben dort schon öfters gespielt, auch im Schlosspark. Zudem habe ich einen Freund in der Rhön. 

    Sie stehen seit den 1990er Jahren für die neue Volksmusik. Wie kommen Sie auf ihre Melodien? 

    Buchner: Ich habe von Kindheit an so Melodienmuster in mir. Dieses Repertoire ist unerschöpflich. Wenn ich mich an den Flügel setze, habe ich sofort eine neue Melodie.  Gerade habe ich eine Musik für einen Stummfilm gemacht, 82 Minuten durchgehend Musik .  

    Worum geht es darin?  

    Buchner: Um einen Bauernaufstand. Ochsenkrieg heißt er. Das zu vertonen, ist nicht ganz einfach, weil die Musik ja nicht von der Handlung ablenken darf. Bild und Ton gehören zusammen.  

    Gespannte Erwartung bei Haindlings Staatsbad-Konzert vor zehn Jahren. Foto: Michael Mahr

    Sie sind sehr heimatverbunden. Andererseits sprechen Sie von Weltmusik. Ist in Bad Brückenau etwas Neues zu erwarten?

    Buchner: Haindling-Fans kennen sicher sehr viel, aber kaum alles. Insofern ist immer etwas Neues dabei.  Teilweise kommen ja Leute, die mit unserer Musik aufgewachsen sind, und die freuen sich auf das Wiederhören. Und für die, die nur wenig kennen, ist es eine neue musikalische Entdeckung. Es ist ein musikalisches Konzert, das viel Freude versprüht.

    Es hätte sein können, dass Sie vor der Tournee ein neues Instrument entdeckt haben. Aber das scheint bei der vorhandenen Fülle unwahrscheinlich ...

    Buchner: Ja, das ist schwierig. Die Welt besteht aus Schwingungen. Egal ob ich jetzt in ein australisches Didgeridoo oder eine tibetanische Tempeltrompete blase. Es gibt nichts auf der Welt, was jetzt schwingungsmäßig neu wäre. Na ja, ich habe mir jetzt einen Gongreiber gekauft, das ist was ganz Neues. Den  gibt es nicht einmal in China. Da  reibt man mit einem Gummi einen Gong und dann entstehen ganz neue Töne.      

    Sie waren der deutschen Sprache immer treu. Längst feiert sie in der Musik eine gewisse Renaissance. 

    Buchner: Vor 35 Jahren war es mir wichtig, dass ich in meiner Mundart singe. Da war ich einer der Ersten, weil es mir auf den Wecker ging, dass alles nur Englisch war; oder vielleicht zu hochdeutsch. Bayerisch ist es wert, dass man es klingen lässt. Der Dialekt hat eine schöne Phonetik. Ich bin seit über 40 Jahren im Bund Naturschutz und wollte nie eine Rede halten, sondern alle Anliegen zum Erhalt der Schöpfung musikalisch darbieten. Diese Anliegen sind wichtiger denn je.   

    Widerspricht der Dialekt nicht dem Anspruch zur Weltmusik?

    Buchner: Ganz und gar nicht. Manche sagen, sie machen bayerische Musik, ich sage, ich mache Musik mit bayerischer Sprache. Ich kann mit allen Musikmustern arbeiten. Ich kann auch einen Tango machen, einen Walzer oder einen Hip-Hop.  Ich habe schon Hip-Hop gemacht, als es das Wort noch gar nicht gegeben hat. Da habe ich die totale Freiheit. Auch durch die vielen Instrumente. Wenn ich durch mein Studio gehe und mir so denke, was ich mir schon lange nicht mehr hergenommen habe, und nehme dann zum Beispiel eine Bassklarinette, dann entsteht wieder ein ganz neuer Klang.

    Openairwochenende im Staatsbad Brückenau: Haindling Foto: Michael Mahr

    Kam auch mal jemand auf Sie zu, der gesagt hat, Ihren Text habe ich jetzt nicht verstanden?  

    Buchner: Eigentlich nicht. Gott sei Dank habe ich ein gut verständliches Bayerisch. Wir haben schon in Berlin gespielt, in Hamburg und in Düsseldorf. Da mache ich mir einen Spaß daraus und übersetze. Das ist dann auch noch eine lustige kabarettistische Einlage. Die meisten Lieder, die man so im Radio hört, die versteht ja auch keiner. Da malt sich jeder seine eigene Geschichte dazu.      

    Bisweilen stehen Sie der bayerischen Staatsregierung kritisch gegenüber. Dabei sind die Übergänge zwischen den Parteien inzwischen fließend, gerade was den Naturschutz angeht ...  

    Buchner: Ja. Wir haben ja mal beim Neujahrskonzert für die bayerische Vertretung in Berlin gespielt, wo es sonst Klassik gibt. Wir haben vorher in Kanada gespielt, wo Edmund Stoiber und seine Frau dabei waren. Die beiden waren voll begeistert, obwohl wir unsere Umweltthemen gebracht haben. Da kam die Idee auf, mal ein Wagnis einzugehen und bei dem Anlass in Berlin zu spielen. Da habe ich das Lied vom Anstieg der Meeresspiegel gespielt. Und es gab trampelnden Applaus. Dann haben wir auch drei Mal als musikalisches Aushängeschild für Bayern in China gespielt. Ich mache ja auch Spaß-Sachen, wo es um Liebe oder Menschsein geht. Aber es ist auch schön, wenn man dann, wo es wichtig wird, auch ins Ausland geschickt.             

    Das wäre zu Beginn Ihrer Karriere so nicht möglich gewesen ...

    Buchner: Undenkbar. Wir haben ja in den 1980er Jahren zum Beispiel gegen den Bau der Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf gespielt. Mittlerweile habe ich gemerkt, dass man mit seinen Gedanken mehr erreichen kann, wenn  man nicht nur konträr ist, sondern in den Dialog geht. Manchmal scheinen die Konservativen inzwischen stolz darauf zu sein, dass wir so eine Musik machen.  

    Haben Sie noch einen Traum, den Sie musikalisch umsetzen wollen? 

    Buchner: Ich spiele einfach weiter. Das kommt alles von selbst.  So wie jetzt das Stummfilm-Projekt. So lasse ich es auf mich zukommen und habe täglich Spaß an der Musik.  Ich bin 74, froh, wie weit ich es gebracht habe, spiele dieses Jahr 17 Konzerte. Ich mache, was mir Spaß macht, und das ist das Allerschönste. 

    Es ist sicher schön loszuziehen, aber auch wieder heimzukommen ...

    Buchner: Ich bin gerne auf dieser Tour, weil ich politisch was zu sagen habe. Wir machen auf der Bühne zum Beispiel eine Mülldemonstration. Inzwischen weiß jeder, dass im Meer zu viel Plastik ist. Meine Zuhörer wissen das, aber ich kann sie im Bewusstsein bestärken. Und wenn ich in die Gesichter schaue, dann weiß ich, dass es ihnen gut tut.      

    Wie lange erlebt man Sie noch auf der Bühne?

    Buchner: Meine Musik ist nicht so, dass man dabei mit 65 Jahren in die Rente geht. Die Botschaft wird immer dringlicher, weil auf der Welt fast nix mehr stimmt.   

    Was ist Ihnen auch beim Auftritt im Staatsbad Brückenau die wichtigste Botschaft?  

    Buchner: Ich möchte den Menschen eine Freunde machen, mich als Mensch darstellen und nicht einfach die nächste Nummer spielen. Ich kriege öfters Zuschriften von Fans, die mir schreiben, dass sie die ganze Woche von meinem Konzert gezehrt haben. Schön ist es auch, neue Bekannte zu gewinnen. Außerdem sind wir eine perfekte Band mit wunderbaren Klängen mit vielen traditionellen und exotischen Instrumenten.  

    Vor einer Woche begeisterte Hans-Jürgen Buchner & Haindling bei Musik an einem Sommerabend in Würzburg. 

    Haindling spielt am Sonntag, 30. Juni, im Schlosspark, Beginn ist um 20 Uhr. Pur mit Harmut Engler sind schon einen Tag vorher auf der Schlossparkbühne, und zwar am Samstag, 29. Juni, um 19.30 Uhr. Ein Interview dazu lesen Sie in den nächsten Tagen.

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