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    BAD KISSINGEN

    Wie Heilwasser riecht und schmeckt

    Bei den meisten Gewässern, die diese Serie bisher porträtiert hat, bewegte sich der Mensch daran, darauf oder darin. Gezielte Aufnahme von Proben des jeweiligen Gewässers in den Verdauungstrakt, galt zumeist als unerwünscht, wenn nicht gar der Gesundheit abträglich. Bei Heilquellen, wie denen in Bad Kissingen dagegen, geht es genau darum. Unter den unterfränkischen Gewässern bilden sie eine ganz eigene Gruppe. Die meisten von ihnen werden gefördert, um zur Förderung der Gesundheit getrunken zu werden.

    Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass Wirkung und Bekömmlichkeit bei der Beurteilung von Heilwasser oftmals im Vordergrund stehen. Bei einem Lebensmittel, das morgens und abends in Dosen von 200 bis 300 Millilitern aufgenommen werden soll, spielt aber auch der Geschmack eine Rolle. Thomas Hüttl hat ihn für uns getestet.

    Grundsätzlich gehört der prüfende Genuss von Heilwasser nicht zum beruflichen Alltag von Thomas Hüttl, wenn denn hier überhaupt von Genuss die Rede sein kann. Hüttl ist Restaurantleiter in Laudensacks Parkhotel. „Oberkellner mit Weinkenntnissen“, wie er selbstironisch sagt.

    Er stimmt den Wein auf die Gerichte ab, empfiehlt den Gästen des Bad Kissinger Restaurants, das ohne Unterbrechung seit 1993 mit einem Michelinstern die kulinarische Landschaft Unterfrankens erleuchtet, welcher Tropfen der richtige zum falschen Filet vom Rind ist und welcher besser mit dem confierten Wildlachs harmoniert.

    Den Impuls, sich tiefer damit zu befassen, was aus dem besonderen Getränk Wein „alles so hervorkommt“, setzte bei Hüttl die Vorbereitung auf einen beruflichen Wettbewerb im Jahre 1998. Seither sammelt er, worauf es aus seiner Sicht bei der Beurteilung von Wein am meisten ankommt: Erfahrung. Am Spannendsten findet er dabei nach wie vor zu erkennen, „welches Potenzial ein Wein hat“.

    Die Potenziale der Kissinger Heilwässer liegen weniger im Bukett. Nach den Wirkungshinweisen in der Heilwasserbroschüre der Kissinger Staatsbad GmbH entfalten die zur Trinkkur gedachten Quellen ihre Kraft sozusagen eher im Abgang. Hilfe gegen Beschwerden mit Magen und Darm steht bei praktisch allen Trinkkuren im Wirkungsportfolio.

    Der Rakoczy wird bei „chronischen Störungen der Magensekretion“, Entzündungen der Magen- und Darmschleimhaut, Gallenproblemen, Darmträgheit und Gicht verwendet. Sein früher auch als „scharfer Brunnen“ bekannter kleiner Bruder Pandur unterstützt laut Staatsbad GmbH besonders die „Regulation der Säureproduktion im Magen“ und hilft wie der Rakoczy bei Verdauungsstörungen.

    „Katarrhe der oberen Luftwege“, chronische Nieren- und Harnwegsinfektionen, Nierensteinprophylaxe sowie ebenfalls Probleme mit Magen und Darm gehören zu den Anwendungsgebieten des Maxbrunnens. Der Luitpoldsprudel alt sei zum Beispiel bei Übersäuerung des Magens indiziert, schreibt die Staatsbad GmbH. Die Anwendung dieses eisenhaltigen Natrium-Calcium-Chlorid-Hydrocarbonat-Sulfat-Säuerlings wird zudem bei Blutarmut, Nachbehandlung von Magen-Darmoperationen und Erschöpfungszuständen wegen Eisenmangels empfohlen.

    Zu den sieben Kissinger Heilquellen zählen außerdem Schönbornsprudel, Runder Brunnen und Luitpoldsprudel neu. Keine eigene Quelle ist dagegen das Bad Kissinger Bitterwasser. Es wird auf Rakoczy-Basis unter Zusatz von Magnesiumsulfat hergestellt. Bei Trinkkuren zum Einsatz kommt es in jenen Fällen von Darmträgheit und Verstopfung, wo selbst Rakoczy und Pandur versagen.

    Verkostet hat Hüttl nur die eigenständigen Trinkquellen, Luitpoldsprudel alt, Maxwasser, Rakoczy und Pandur. Hier sein Ergebnis:

    Luitpoldsprudel alt:

    Sehen: „Dieses Wasser schaut ziemlich klar aus, nach außen hin ist es leicht silbrig, glasig, es hat nur eine ganz ganz leichte Perlage, geht optisch in Richtung medium, ist fast schon still“.

    Riechen: „Im ersten Ton ist da der klassische nasse Stein, leichte Würze dabei, geht Richtung weißer Pfeffer.“

    Schmecken: „Schmeckt am Gaumen sehr stahlig, man merkt den Schwefelanteil, eher ein stilles Wasser, auf der Zunge bildet sich ein Kalkton, Eisencharakter auf jeden Fall da, aber trotzdem weich.“

    Maxwasser:

    Sehen: „Im Glas anfangs mehr Trübstoffe, sind aber auch gleich wieder weg, sogar noch weniger Perlage, nahe am stillen Wasser.“

    Riechen: „Die Nase ist sehr neutral. Ist in der Nase kaum präsent, da war der Vorgänger steiniger und salziger.“

    Schmecken: „Salziger als der Vorgänger“, dieses Wasser würde Hüttl als Pendant zu einem knochentrockenen Wein sehen, „wunderbar, total ausbalanciert.“

    Rakoczy:

    Sehen: „Fast keine Perlage, leichter Stich ins Kupferne, nicht so glasig wie die davor.“

    Riechen: „In der Nase ist fast nichts zu registrieren, ein bisschen nasser Stein, ein bisschen stahlig, aber nicht so deutlich wie beim Luitpold.“

    Schmecken: „Am Anfang dezente Süße, die aber sofort vom Salz überrascht wird, das Stahlige, das Eisen-Blutige ist auch da, am Ende mineralisch, wäre ein Wasser zu Blauschimmelkäse.“

    Pandur:

    Sehen: „Null Schwebeteilchen, null Perlage, das stillste Wasser, ist glasklar, absolut sauber.“

    Riechen: „In der Nase sehr präsent, wie Feinschliff, Mineralisches dabei, Pfeffer und Salz kann ich mir vorstellen.“

    Schmecken: „Verdient den Namen scharfer Brunnen. Ist sehr salzig, würzig, Schwefel ist sehr präsent, das ist die kräftigste Nummer, der überschattet die anderen, ist auch sehr lange präsent.“

    Die persönliche Bilanz nach vielen Schlucken? Thomas Hüttls Favorit ist der Max.

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