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    Bad Kissingen

    Wie Radfahren in Bad Kissingen attraktiver werden kann

    Ein Konzept zur Verbesserung des Angebots für Radfahrer in Bad Kissingen haben drei Stadträte jetzt vorgestellt. Es soll helfen, die Stadt fahrradfreundlicher zu machen.
    Radfahren in Bad Kissingen attraktiver machen wollen drei Stadträte, die dafür jetzt eine Art Grundkonzept vorlegten. Foto: Siegfried Farkas

    Man muss kein Fanatiker des Fahrradfahrens sein, um festzustellen, dass es einer falschen Verdächtigung gleichkäme, Bad Kissingen als ausgesprochen fahrradfreundliche Kommune zu bezeichnen. Richard Fix etwa ist schon lange Fahrradfan und beklagt, dass sich in den Jahrzehnten, die er sich bereits für die Verbesserung der Radwegesituation in Bad Kissingen einsetze, kaum etwas verändert habe. Zusammen mit seinen Kollegen Bernhard Schlereth (Freie Wähler) und Martina Greubel (CSU) unternimmt der Stadtrat der Kissinger Ökos jetzt einen neuen Anlauf, den Weg für mehr Radverkehr in der Stadt frei zu machen.

    Schlereth trug das Radwegekonzept der drei Ratsmitglieder dem städtischen Bauausschuss vor. Die darin enthaltenen Kriterien und Wünsche für die Radwegeplanung sollen nach Angaben von Stadtplanerin Christine Schwind in die große Verkehrsentwicklungsplanung einfließen, die die Stadt erstellen lassen will.

    Ausbau der Infrastruktur

    Optimiert werden sollten nach den Vorstellungen der drei Stadträte Infrastruktur, Service und Information rund um das Radfahren in der Stadt. Die wechselseitige Anbindung der Radwege, die es auf verschiedenen Ebenen in der Stadt und um die Stadt bereits gibt sei ebenso wichtig, wie die Verknüpfung der Wege mit Bus und Bahn. Weil auch beim Radfahren E-Mobilität immer wichtiger wird, müsse der Ausbau der speziell dafür nötigen Infrastruktur gefördert werden. Als Stichworte stehen dazu Begriffe wie Leihstationen für E-Lasträder und E-Scooter im Konzept. Eine entscheidende Voraussetzung für einen Erfolg des Konzepts sein überdachte Unterstellmöglichkeiten mit Ladestationen, die nicht bloß irgendwo in Schmuddelecken zu finden sein sollen.

    Wichtig für die Förderung des Radverkehrs in der Stadt ist nach dem Konzept auch ein besserer Service als bisher. Gedacht ist dabei an die Kooperation mit Fahrradhändlern in Sachen Notdienste während der Woche und an Wochenenden, an genügend Ladestationen sowie an Leihräder. Attraktiver für Rad fahrende Gäste könne Bad Kissingen zum Beispiel durch besondere Übernachtungsangebote für sie in Hotels, Pensionen und auf Zeltplätzen werden.

    Themen-Radwege

    Über die reine Bewegung auf dem Fahrrad hinaus interessant würde die Stadt zudem durch die Ausweisung von Themen-Radwegen. Als Beispiele führte Schlereth einen WWW-Weg (Wald, Wiesen,Wasser) an. Realisierbar wären auch ein Salzweg oder ein Weg entlang interessanter Stationen zum Kampf um Kissingen im Bruderkrieg von 1866.

    Hilfreich wären für die Verbesserung der Situation rund ums Radfahren in Bad Kissingen außerdem die Bildung eines Beirats und die Zusammenarbeit mit Verbänden und Institutionen, heißt es im Konzept. Überhaupt könne der Austausch mit Schulen und Vereinen sowie Dienstleistern und Händlern im gewerblichen Bereich, mit Radfahrerverbänden und benachbarten Badorten das Anliegen voranbringen.

    Mit einfachen Maßnahmen beginnen

    Entscheidend ist aus Sicht der drei Stadträte, mit einfachen Verbesserungen zu beginnen. Bei der Auswahl der Möglichkeiten, wie man den Raum für Radfahrer an oder neben der Straße anordnen kann, nannte Schlereth als Favoriten sogenannte Markierungslösungen auf der Fahrbahn. Sie seien schnell umzusetzen und vergleichsweise kostengünstig, weil auf diese Weise auch weniger Radwege ausgebaut werden müssten.

    Einbahnstraßen, heißt es in dem Konzept, sollten grundsätzlich für den Radverkehr auch gegen die Einbahnrichtung geöffnet werden. Und die Fußgängerzone könne man bei den Veränderungen, um Radfahren in der Stadt attraktiver zu machen, "ebenfalls nicht außen vor lassen". In der Präsentation war in diesem Zusammenhang davon die Rede, Teile der Fußgängerzone werktags von 19 bis 11 Uhr sowie sonntags und feiertags für den Radverkehr freizugeben. Weitere Teile der Fußgängerzone könne man sogar ganz ohne Einschränkung lassen.

    Drei Straßen als Beispiele

    Mit Blick auf schnelle Maßnahmen nannte Schlereth drei Straßen als Beispiele. In der Schönbornstraße schlug er eine Radwegemarkierung auf der Straße stadtauswärts vor. Am Nordring könne man den Gehsteig "ab Kino stadtauswärts als kombinierten Geh- und Radweg ausweisen", meint er. Vergleichbares sei auf der anderen Seite für den Gehsteig zwischen Friedrich-List-Straße und Steinstraße sinnvoll. In der Erhardstraße wünschen sich die Macher des Konzepts eine Markierungslösung auf beiden Straßenseiten.

    Stadtplanerin Christine Schwind lieferte dem Ausschuss Informationen über die rechtlichen Rahmenbedingungen, nach denen sich solche Wünsche richten müssen. Nach ihren Angaben sind demnach die Vorstellungen des Konzepts in der Schönbornstraße und auch am Nording nicht einfach so umzusetzen. In der Erhardstraße dagegen sei zumindest stadtauswärts die Ausweisung eines sogenannten Schutzstreifens möglich.

    Bike+Ride-Offensive

    Wie die Stadtplanerin weiter berichtete, hat die Stadt sich für die Bike+Ride-Offensive des Bundesumweltministeriums und der Deutschen Bahn beworben. Diese Initiative will den Auf- und Ausbau von Radabstellanlagen an Bahnhöfen für Kommunen erleichtern. Deutschlandweit sollen dadurch bis Ende 2022 rund 100 000 zusätzliche Bike+Ride-Plätze errichtet werden. Die Stadt hofft auf Förderung aus dieser Offensive, mit der sich im Erfolgsfall schon bis Ende des Jahres neue Unterstellplätze realisieren ließen.

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