• aktualisiert:

    STEINACH

    Wie ein Ort an Lebensqualität verliert

    Dieses Jahr markiert für Steinach einen tiefen Einschnitt. Drei Institutionen mit Bedeutung für die Lebensqualität vor Ort stellen kurz hintereinander den Betrieb ein.

    Über 400 Jahre wird das Anwesen der Gaststätte Adler und Post schon gastronomisch genutzt. Seit 1850 ist es in Besitz der Familie Reuß. Elke und Hans-Georg Reuß betreiben es in sechster Generation. Aber nur noch bis 29. Juli. Aus Altersgründen und wegen der Gesundheit geben die beiden ihre Gaststätte auf.

    „Das geht eben auf die Knochen“

    „Ich mache das jetzt seit 38 Jahren als Selbstständiger, im Beruf bin ich seit 48 Jahren . . .“ beginnt Hans-Georg Reuß. Und seine Frau ergänzt: „dazu hatten wir früher lange Zeit eine Sechs-Tage-Woche, kein Wochenende, kein Weihnachten, Arbeit an allen Feiertagen. Das geht eben auf die Knochen.“

    Weil es aus der Familie auch keine Nachfolge gibt, wollen Hans-Georg und Elke Reuß die Gaststätte verkaufen. Mit ansprechender Küche und Atmosphäre im Gastraum könne man so einen Gasthof noch dazu im günstig zwischen Rhön, Bad Kissingen und Bad Neustadt gelegenen Steinach nach wie vor erfolgreich betreiben, sagen sie. Zumal jüngere Betreiber die Öffnungszeiten ja auch wieder ausdehnen könnten. Sie selbst hatten zuletzt Montag, Dienstag und Mittwoch geschlossen.

    Für Steinach „wirklich schade“

    Verkaufen würden sie allerdings selbst dann, wenn sich nur ein Kaufinteressent für andere Nutzung, zum Beispiel für Wohnen, finde. Für Steinach, sagt Elke Reuß selbst, sei die Schließung aber „wirklich schade“. Die örtlichen Stammtische, Vereine und so weiter, das falle jetzt alles weg.

    Dass für viele Steinacher Einschnitte bevorstehen, bestätigen auch Benno und Silvia Schneider. Für ihre Metzgerei ist am 28. Juli Schluss, einen Tag vor dem Abschied der Familie Reuß vom Gasthaus Adler und Post. „Das wirkt wie abgesprochen“, sagt Benno Schneider, „ist es aber nicht.“ Auch wenn die Schließung in ihrem Fall mit den weit verbreiteten Problemen des Metzgerhandwerks, Berufsnachwuchs zu finden zu tun hat, kennen Benno und Silvia Schneider die klassischen Schwierigkeiten kleiner Einzelhändler schon auch.

    Bisher noch verwöhnt

    In der Regel könne eine einzelne Metzgerei schon preislich nicht mit den Großen mithalten. Viele Kunden erledigten den Großeinkauf zudem im Supermarkt in der Stadt. Die Metzgerei vor Ort sei dann oft nur noch ein Lückenbüßer, wenn man merkt, dass hundert Gramm Leberwurst fehlen. „Eigentlich“, sagt Benno Schneider dazu, „waren die Steinacher ja noch verwöhnt“.

    Die Metzgerei ist nicht das einzige Geschäftsfeld von Benno und Silvia Schneider gewesen. Die beiden anderen, Catering und Partyservice auf der einen Seite und Gaststättenbetrieb auf der anderen, bleiben unverändert erhalten. Sie laufen so gut, dass angesichts der Personalsorgen in der Metzgerei nach Benno Schneiders Worten Konzentration einfach nötig war, „um überhaupt wieder ein bisschen Luft zum Schnaufen“ zu bekommen.

    Eine klassische Gaststätte sei ihr Haus allerdings ohnehin nicht. Geöffnet werde die Gaststätte zu gebuchten Anlässen und Veranstaltungen sowie etwa einmal die Woche für Grillabende.

    Dorfladen schließt auch

    Einschnitt Nummer drei steht Steinach Ende November bevor. Da endet der im Dezember 2016 begonnene Versuch von Anke Tannert, vor Ort einen Dorfladen zu betreiben. Ihr Anliegen sei gewesen, dem Dorf ein wenig Lebensqualität zu erhalten, „aber es ist einfach zu wenig“. Ältere Steinacher nähmen das Angebot gut an. Die Berufstätigen aber kauften dort ein, „wo sie halt gerade sind“. Discounter und Backfabriken zögen halt doch mehr, „als so ein kleiner Dorfladen“. Und wenn es dann noch von allen Seiten an Unterstützung fehle, trage sich so ein Laden einfach nicht.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!