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    BAD KISSINGEN

    Wie oft werden Menschen in der Region rassistisch beleidigt?

    Sind rassistische Beleidigungen in Unterfranken an der Tagesordnung? Foto: Ines Renninger

    „Dreckige Negerin“, „afghanisches Schwein“. Der Fall der rassistischen Beleidigung einer brasilianischen Touristin in Bad Kissingen sorgte Anfang der Woche für reichlich Diskussionsstoff. „Die Hetze des braunen Sumpfes ist salonfähig geworden“, meinte etwa ein Leser auf dem Internetportal dieser Redaktion. „Was ist nur aus dem liberalen Deutschland geworden?“, fragt ein anderer. Wieder andere fanden, die Sache wurde aufgebauscht. Von einem Einzelfall ist die Rede. Doch wie oft kommen rassistische Beleidigungen in der Region tatsächlich vor?

    In Unterfranken zählte die Polizei im Jahr 2017 elf Anzeigen wegen rassistischer Beleidigung. Die meisten davon (drei) im Landkreis Rhön-Grabfeld, gefolgt von Würzburg, Kitzingen und Bad Kissingen (je zwei). Auffällig bei der Statistik: Die Fallzahlen steigen seit 2015, dem Jahr der Flüchtlingskrise. Gab es in den Jahren 2012 bis 2014 jeweils maximal vier Anzeigen in Unterfranken, stieg die Zahl in den Jahren 2015 und 2016 auf je neun.

    Dunkelziffer ist unbekannt

    Trotz der wachsenden Fallzahlen bewege sich die Region allerdings auf „moderatem Niveau“, ordnet Polizeisprecher Philipp Hümmer die Statistik ein. Wie viele Fälle allerdings nicht angezeigt werden, können die Ermittler natürlich nicht wissen.

    Auch der aktuelle Fall von Bad Kissingen wird nicht in der Polizeistatistik auftauchen. Der Ehemann der Brasilianerin, der Bad Kissinger Michael Unsleber, hat auch auf Wunsch seiner Frau den rassistischen Verbalangriff nicht zur Anzeige gebracht. „Ich bin der Meinung, das bringt nichts, ich finde es aber richtig, dass die Öffentlichkeit informiert wird.“ Er fügt hinzu, „dass man dafür in Brasilien ins Gefängnis kommt“. Dort sei Rassismus weit verbreitet.

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