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    Bad Kissingen

    Abstand an der Kasse

    Das Coronavirus hat Auswirkungen auf viele Bereiche des öffentlichen Lebens. Im Internet kursieren zahlreiche Bilder von leeren Regalen. Wir haben mit dem Leiter eines Bad Kissinger Supermarktes gesprochen.
    Der geänderte Wartebereich an der Kasse. Foto: Ellen Mützel       -  Der geänderte Wartebereich an der Kasse. Foto: Ellen Mützel
    Der geänderte Wartebereich an der Kasse. Foto: Ellen Mützel

    Beim Durchschlendern des E-Center Rüttger in Bad Kissingen , wirkt auf den ersten Blick alles normal. Aber die paar Regale mit Klopapier, Nudeln, Konserven und dergleichen sind fast leer. Um ein vielfältiges Sortiment anbieten zu können, passiert viel hinter den Kulissen. "Es ist sehr chaotisch im Moment", erzählt Klaus Rüttger, der Inhaber des Supermarkts. Und weiter: "Wie man sieht: Die Regale sind ziemlich leergeräumt." Die Supermarktmitarbeiter leisten derzeit einiges: Das betrifft sowohl ihren beruflichen als auch ihren privaten Alltag. Neben den Hamsterkäufen der Kunden müssen sie sich um die Betreuung ihrer Kinder sorgen.

    Flexibles Personal

    Klaus Rüttger hat bisher noch kein zusätzliches Personal eingestellt. Die Belegschaft muss derzeit Überstunden leisten. "Aber nicht mehr, als zum Beispiel an Weihnachten", relativiert er. Das ist auch deswegen so, weil er auf seine Belegschaft zählen kann: Ein paar hätten von sich aus gesagt, dass sie zum Helfen kämen, andere hätten ihren Urlaub verschoben. Einige habe er angerufen und um Unterstützung gebeten. Wie in allen Branchen, gibt es in den Supermärkten Angestellte, deren Kinder seit Montag keine Schule und keinen Kindergarten mehr besuchen dürfen. Er habe das mit seinen Angestellten besprochen, sagt Rüttger: "Manche haben Eltern oder Geschwister, die auf Kinder aufpassen können, manche müssen aber auch daheim bleiben. Die bekommen dann Urlaub oder Sonderurlaub." So leicht lässt es sich leider nicht überall regeln. Dem ist Rüttger sich bewusst: "Ich bin da in der glücklichen Lage, dass wir da keine großen Probleme haben." Was etwas ironisch anklingt: Derzeit ersetzen die Lehrlinge die Angestellten, die ihre Kinder zu Hause betreuen. Statt in die Berufsschule müssen die Azubis nun auf die Arbeit gehen.

    Markus Söder hat in der Pressekonferenz vom Montag eine Verlängerung der Öffnungszeiten auf 22 Uhr vorgeschlagen und das Sonntagsverkaufgebot ausgesetzt. Der Besitzer des Bad Kissinger E-Centers ändert seine Öffnungszeiten nicht. "Wir haben Öffnungszeiten von 13 Stunden am Tag, mehr will ich meinem Personal nicht zumuten", erklärt er seine Entscheidung. "Der Sonntag sollte noch heilig sein."

    Schutz von Kunden und Angestellten

    Natürlich hat Klaus Rüttger überlegt, was zum Schutz aller möglich ist. Vor allem die Angestellten, die den ganzen Tag Kundenkontakt haben, gilt es zu schützen. Dazu gehöre, dass die Angestellten Handschuhe tragen dürften, wenn sie das wollen. Auch das Tragen eines Mundschutzes sei möglich. Der aber sorgt nur dafür, dass die, die ihn aufhaben, niemand anderes anstecken. Und nicht einmal das ist ausreichend belegt. Weiter habe er Desinfektionsmittel und Reinigungstücher aufgestellt. Außerdem vergrößerte er die Abstände an den Kassen für die wartenden Kunden . Darauf weist ein Schild und rotes Klebeband am Boden hin. Für das Bezahlen gibt er den Tipp: "Am besten mit Karte zahlen, das wäre schön!" Das Infektionsrisiko lasse sich dadurch verringern.

    Die Sache mit dem Klopapier

    Was den Alltag im Supermarkt erschwert, ist das Kaufverhalten mancher Kunden . Diese scheinen sich auf das Hamstern ausgewählter Artikel spezialisiert zu haben. "Sie kaufen vor allem auch Sachen, die normal nicht gehen", führt Rüttger aus. "Was sonst in drei Wochen weg war, ging gefühlt in zwei Stunden weg", wundert er sich über die Nachfrage nach dem Toilettenpapier. Da gibt er aber Entwarnung: "Das ist dann heute Mittag wieder da." In den vergangenen Wochen sei die Nachfrage noch normal gewesen. Das habe sich erst in den letzten Tagen verändert. "Als die Ankündigung kam, dass die Schulen zugemacht werden, kam das Chaos, ab da war Wallung", sagt er. Am Samstagabend hatte er daher vier bis fünf Kassen geöffnet, normal seien eine bis zwei zu dieser Tages- und Uhrzeit.

    Lieferanten im Stress

    Die gestiegene Nachfrage seitdem macht nicht nur den Angestellten vor Ort zu schaffen. Es hapere laut Rüttger überall ein bisschen. Das geht von den Landwirten über die Angestellten in den Lagern bis hin zu den Lkw-Fahrern. Auch hier gibt es Eltern, deren Kinder zu Hause sitzen sowie eine akut angestiegene Nachfrage nach Lebensmitteln, auf die sich nicht vorbereitet werden konnte. "Wir sind ständig dran, dass wir Ware rein kriegen, aber bei manchen Sachen wird das ein bisschen dauern", meint Rüttger. "Da muss man einfach mal Verständnis zeigen, dass nicht alles zu haben ist." Bisweilen sei die Rückmeldung der Kunden jedoch überwiegend positiv. Er ist optimistisch: "Wir sind dann nächste Woche wieder gefüllt am Start!"

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    Ellen Mützel

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